08. April 2005 13:53; Akt: 08.04.2005 13:54 Print

Kanton will schwache Schüler fördern

Die Zürcher Schüler liegen in der neuesten PISA-Studie im Schweizer Durchschnitt.

Fehler gesehen?

Aber die soziale Herkunft wirkt sich stärker auf die Leistungen aus als in anderen Kantonen. Die Bildungsdirektion will deshalb schwache Schüler besonders fördern.

Die genauen kantonalen PISA-Zahlen der Erhebung 2003 unterlägen bis zur Veröffentlichung durch die Erziehungsdirektorenkonferenz noch der Schweigepflicht, sagte Bildungsdirektorin Regine Aeppli am Freitag vor den Medien in Zürich. Der Kanton Zürich liege aber im Schweizer Durchschnitt. Das sei an sich erfreulich.

Sorgen bereitet Aeppli aber, dass sich die soziale Herkunft in Zürich noch stärker auf die Schülerleistungen auswirke als in der übrigen Schweiz. Das bedeutet, dass Kinder aus sozial tieferen Schichten schlechtere Bildungschancen haben.

Schwächere zusammengefasst

Grund für diese Benachteiligung sei die Konzentration der schwachen Schüler, sagte Joseph Hildbrand, Leiter der Abteilung Bildungsplanung. Zum einen würden sie in Klassen zusammengefasst, zum andern in Schulhäusern «sozial benachteiligter Quartiere».

Um die Unterschiede zu verringern zu können, müsse die Integration an der Zürcher Volksschule verbessert werden, sagte Aeppli. Dafür sprächen nicht nur soziale, sondern auch politische und wirtschaftliche Gründe. Sie sei überzeugt, dass integrative Schulsysteme auch leistungsfähiger seien.

Deutschförderung ausbauen

Im neuen Volksschulgesetz, über das am 5. Juni abgestimmt wird, sind denn auch eine Reihe von Neuerungen vorgesehen, um schwache Schülerinnen und Schüler zu unterstützen: So erhalten Schulen mit einem hohen Anteil fremdsprachiger Kinder vom Kanton mehr Geld. Zudem soll die Deutschförderung ausgebaut werden.

Unter die Lupe genommen werden sollen auch die Lehrerinnen und Lehrer. Sind sie gut ausgebildet, können sie laut Bildungsrätin Charlotte Peter den Einfluss sozialer Faktoren abbauen. Der Bildungsrat werde deshalb den Ausbildungsstand überprüfen und wenn nötig Weiterbildungen veranlassen.
Schüler sollen mehr Lesen

Massnahmen braucht es aber nicht nur für die Schwächsten. PISA 2003 habe bestätigt, dass der grösste Handlungsbedarf beim Lesen bestehe, sagte Peter. Ein erschreckend hoher Teil der Schüler läsen in ihrer Freizeit kaum oder nie.

Der Bildungsrat habe deshalb beschlossen, die Leseförderung zu verstärken. Beispielsweise könnte mehr Unterrichtszeit zum Lesen eingesetzt, Autorinnen und Autoren an Schulen eingeladen oder Schulbibliotheken gefördert werden.

Veränderungen in Oberstufe

Nicht besonders glücklich sind die Bildungsbehörden mit der heutigen Organisation der Oberstufe. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Oberstufenreform nicht in allen Teilen geglückt sei, sagte Regierungsrätin Aeppli. Probleme gebe es etwa im Übertrittssystem.

Der Bildungsrat beauftragte deshalb die Bildungsdirektion, ein Thesenpapier auszuarbeiten. Dieses soll zeigen, wie die Sekundarstufe langfristig weiterentwickelt werden kann. Ziel ist laut Peter, alle Probleme auf den Tisch zu legen.

Unterstützung erhalten Bildungsdirektion und Bildungsrat vom Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV). In einem Communiqué schreibt er, er befürworte die Bemühungen, die Bedingungen für die Schüler zu verbessern. Diese würden aber durch das Sparprogramm zunichte gemacht. Auf dieses müsse deshalb verzichtet werden.

(sda)