Wahlplakat

02. Februar 2010 22:57; Akt: 02.02.2010 22:43 Print

Kantonsrat posiert mit nacktem Hintern

von Roman Hodel - Um Stimmen für die Wahl ins Zürcher Stadtparlament zu holen, präsentieren sich die Jungen Grünen füdliblutt. Es ist nicht das erste Mal.

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5. November 2009: Das Bundesamt für Sozialversicherungen löst die Plakatkampagne mit behindertenfeindlichen Aussagen frühzeitig auf. Oktober 2009: Das höchst umstrittene Plakat der Minarett-Gegner wird noch vor dem Druck in zahlreichen Städten verboten und schlägt selbst im Ausland hohe Wellen. 2. September 2007: Die SVP zeigt auf Plakaten schwarze und weisse Schafe und will damit die Ausschaffung von kriminellen Ausländern forcieren. Die Kampagne wird später von der rechtsextremen NPD in Deutschland kopiert. Auch zum Thema Personenfreizügigkeit hat die SVP im Jahr 2008 ein «passendes» Plakat. Mit diesem Plakat versuchte die SVP 2004 und 2008 gegen die erleichtere Einbürgerung zu kämpfen. Kurz vor der Euro 2008 wurden sie in einzelnen Städten entfernt, um die ausländischen Fans nicht zu verärgern. Nur ein kleines Skandälchen: Das Motiv, mit dem die SP im Jahr 2007 auf die versteckten Gefahren der Atomenergie hinweisen will. September 2009: Die Protagonisten der deutschen Kampagne «Aids ist ein Massenmörder» sind Hitler, Stalin und Saddam Hussein. Verbote werden von verschiedenen Seiten gefordert. 6. Januar 2009, London: Ariane Sherine steckt hinter der atheistischen Plakataktion in England, die auf 800 Bussen landesweit zu finden ist. Oktober, 2006: Die Grand Casino Baden AG zieht das Delphin-Sujet der Kampagne «Baden im Glück» zurück, nachdem die Schweizerische Lauterkeitskommission das Plakat als «sexistisch und herabwürdigend» bezeichnet hat. März 2007: Ein Werbefoto des italienischen Modelabels Dolce & Gabbana sorgt für rote Köpfe in Italien und Spanien. Das Sujet erinnert zweifelsohne an eine Vergewaltigungsszene. Auch das Label Gucci stiess mit diesem Werbesujet bei vielen Organisationen auf wenig Verständnis. August 2004, Zürich: Die Plakatkampagne von Radio Energy wird von der Fachstelle für Gleichstellung als sexistisch bezeichnet. Die Bischofskonferenz verlangte den Rückzug des Plakates (2003), da es die Religion verspotte. Nach einer Aussprache zog das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Plakat zurück. Auch dieses Plakat (2002) erregte Abscheu in der Bevölkerung. Hier wurden die Grenzen des guten Geschmacks übertreten und die Gefühle vieler Konsumenten verletzt. Swisscom entschuldigte sich nach einem Monat. Ein Klassiker: Der Bademode-Hersteller wird 1994 mehrfach wegen dieser Plakatkampagne verklagt ... ...und muss im Jahr 2003 zwei Versionen eines Plakats, für private und öffentliche Bereiche, entwerfen. Das Modelabel Benetton setzt jahrelang auf Schock-Werbung. Zum Beispiel 2001 mit einem nackten Po und einem Stempelaufdruck «H.I.V. Positive». 1992 veröffentliche Benetton unter anderem eine Kampagne mit einer ölverschmierten Ente und einem sterbenden Aids-Patienten. In den 1980er-Jahren gestaltete der Zürcher Werber Peter Marti mehrere provokative Plakate, was ihm den Übernamen «Füdli-Marti» einbrachte. Dieses Plakat wurde praktisch in allen Kantonen verboten.

Fehler gesehen?

«Die Umwelt geht uns nicht am Arsch vorbei!», heisst es auf einem Wahlplakat der Jungen Grünen, das jetzt im HB und in ganz Zürich-Nord hängt. Darauf posiert ein durchtrainierter, nackter Mann – es ist Kantonsrat Matthias Kestenholz (27). «Wir wollen damit junge Erwachsene motivieren, am 7. März das Stadtparlament wählen zu gehen», sagt Kestenholz. «Politik wird nicht nur von alten Herren mit Bierbäuchen gemacht, wie unser Plakat beweist.» Für dieses habe er sich freiwillig zur Verfügung gestellt. «Wobei es Überwindung brauchte und sicher nicht zu meinen liebsten Beschäftigungen im Dienste der Politik gehört», so Kestenholz.

Trotzdem lassen die Jungen Grünen ihre Hüllen offensichtlich gerne fallen: 2008 hatte sich Nationalrat Bastien Girod zusammen mit weiteren Parteimitgliedern vor der Urania-Wache nackt ausgezogen. Sie protestierten gegen die «Nackt-Kontrollen» der Stadtpolizei. Girod sagt zur jüngsten Aktion: «Wenn man dadurch auf seine politischen Anliegen aufmerksam machen kann, ist das doch gelungen.» Allerdings müsse man aufpassen, dass nackte Körper nicht inflationär eingesetzt würden.

Das ist laut Politologin Regula Stämpfli schon passiert: «Ein nackter Hintern mobilisiert heute keine zusätzlichen Wähler mehr.» Das Plakat sei langweilig und uninspiriert. Stämpfli: «Aber man redet darüber, somit ist ein Werbeeffekt erreicht.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petra Simler am 04.02.2010 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wähle keine Grüne

    Langweiliges Plakat.Aber was sagt es über den Politiker aus?Freud sollte sich darüber seine Gedanken machen.

  • Robert Wissend am 03.02.2010 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ueberholt

    Wenn man nichts anderes mehr bieten kann.....

  • Heribert Meier am 04.02.2010 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wohin mit der Rose?

    Die jungen Grünen lassen keine Gelegenheit aus um sich dem Wähler nackt zu präsentieren. Dabei ist doch ihre verfehlte Politik schon der nackte Wahnsinn. Lustig wäre doch auch noch z.B. eine Rose an der richtigen Stelle plaziert...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heribert Meier am 04.02.2010 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wohin mit der Rose?

    Die jungen Grünen lassen keine Gelegenheit aus um sich dem Wähler nackt zu präsentieren. Dabei ist doch ihre verfehlte Politik schon der nackte Wahnsinn. Lustig wäre doch auch noch z.B. eine Rose an der richtigen Stelle plaziert...

  • Petra Simler am 04.02.2010 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wähle keine Grüne

    Langweiliges Plakat.Aber was sagt es über den Politiker aus?Freud sollte sich darüber seine Gedanken machen.

  • Mario Zuppiger am 03.02.2010 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenn ich das Plakat gut finde

    werde ich trotzdem ausschliesslich SVP wählen. Unsere Politiker brauchen endliche einen Denkzettel. Wer weiss, vielleicht machen es die SVPler gar nicht mal so schlecht, wie ja immer hysterisch behauptet wird.

    • Sylvia W. am 04.02.2010 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      junge Grüne

      nichts gegen einen knackigen A..... aber macht ein knackigen Hintern auch eine gute Politik???

    einklappen einklappen
  • Dänu am 03.02.2010 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Es zeigt eigentlich ganz einfach was Politik ist. Lediglich eine Kampagne. Gemeinderäte sind unnütze Steuergeldlöcher und mehr nicht. Wenn jeder Bürger nur einmal im Jahr an eine Gemeinderatssitzung gehen würde, würden am Ende wohl keine Politiker mehr gewählt werden. So finde ich die Leute als Aktmodell doch einiges brauchbarer.

  • Marielle B. am 03.02.2010 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fü, Füd, Füdli

    Traurig traurig, wenn diese jungen Leute keine besseren Ideen haben! Wer schaut heute noch hin wenn irgendwo ein Füdli zu sehen ist? Ein paar Sabberi?