Staatsanwalt zieht Urteil weiter

01. Juli 2014 15:00; Akt: 01.07.2014 15:15 Print

Kaufleuten-Mörder Shivan M. soll länger sitzen

Der Kaufleuten-Mörder muss auch vors Zürcher Obergericht. Der Staatsanwalt Michael Scherrer fordert ein höheres Strafmass für Shivan M. und die beiden Mitbeschuldigten.

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Staatsanwalt Michael Scherrer zieht das Urteil gegen Shivan N. und die beiden Mitbeschuldigten weiter vor das Zürcher Obergericht. Shivan M. musste sich ab dem 24. Juni 2014 vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten, weil er 2012 vor dem Kaufleuten Vigan M. (23) mit elf Messerstichen getötet hatte. Der Täter ist geständig: Er habe aus Furcht vor einem Angriff zugestochen, nachdem er von seinem späteren Opfer und dessen Bruder zusammengeschlagen worden war. Mitangeklagt wegen Begünstigung ist M.M. (links), der den Täter nach der anfänglichen Schlägerei zurück zum Kaufleuten fuhr. Er gehe die Brüder «niederstechen», habe Shivan M. im Auto gesagt. S. H. (links) steht wegen Gehilfenschaft unter Anklage. Laut dem Staatsanwalt Michael Scherrer hat H. dem Täter das Butterfly-Messer gegeben, mit dem das Opfer erstochen wurde. H. bestreitet dies vor Gericht. Vor dem Kaufleuten habe er mit den Gebrüdern M. geredet - da sei Shivan M. von hinten auf die Gruppe zugelaufen und habe zugestochen. Das Ganze sei «in einer Sekunde» vorbei gewesen. Vor Gericht zeigt Shivan M. Reue. Das klang wenige Stunden nach der Tat aber anders, wie ein abgehörtes Telefonat mit seiner Freundin zeigt: «Ich bereue es nicht, dass ich die niedergestochen habe. Ich würde es wieder tun.» Am Montag nach der Bluttat vom 15. Juli 2012 veröffentlichte die Kantonspolizei einen Fahndungsaufruf nach Shivan M. Der 21-jährige Iraker mit Wohnsitz im Bezirk Meilen konnte rund zwei Wochen nach der Tat in einer Stadt im Süden von Norwegen verhaftet werden. Der 23-jährige Vigan M. und sein Bruder Visar waren gegen drei Uhr morgens am 15. Juli 2012 von Shivan angegriffen und niedergestochen worden. In dessen Folge kam Vigan ums Leben, sein 20-jähriger Bruder wurde schwer verletzt. Hier, in dieser Querstrasse vor dem Kaufleuten, kam es zum tödlichen Streit. Die Polizei bei der Tatortsicherung am Morgen. Vigan M. starb noch auf dem Trottoir. Sein Bruder erlitt schwere Verletzungen an inneren Organen und überlebte die Tat nur knapp. Shivan M. floh mit dem Auto und fuhr bis nach Norwegen zu Verwandten. Einige Zeit vor der Tat kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Shivan und Vigan. Die Polizei musste eingreifen und schlichten, nachdem es zwischen den Brüdern und Shivan zu einer Schlägerei gekommen war. Gemäss Valentin Landmann, dem Anwalt von Shivan M., sei dieser dabei übel zugerichtet worden. Alle drei erhielten darauf Hausverbot beim Kaufleuten. Shivan M. ging weg, während die Brüder vor dem Club blieben und schwatzten. Shivan drohten den beiden noch, er werde sie aufschlitzen. Mit einem Freund begab er sich danach auf die Suche nach Unterstützung. Ein Kollege besorgte ihm schliesslich ein Butterfly-Messer. Zu dritt fuhren sie zurück zum Kaufleuten. Bereits im Auto kündigt Shivan seine Mordabsichten an. Er habe beschlossen die anderen, allen voran Vigan, aufzuschlitzen und zu töten. Vor dem Kaufleuten steigt Shivan aus dem Auto und sticht gemäss Anklageschrift ohne Vorwarnung auf Vigan ein. Nach der Tat soll er im Auto noch mit dem blutigen Messer in der Hand geprahlt haben, wie grausam er das Opfer getötet habe.

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Auch das Zürcher Obergericht wird sich mit dem so genannten Kaufleuten-Mord zu befassen haben. Der Zürcher Staatsanwalt Michael Scherrer zieht alle drei erstinstanzlichen Urteile weiter. Er bestätigte am Dienstag auf Anfrage eine Meldung des Regionaljournals Zürich-Schaffhausen von Radio SRF.

Das Bezirksgericht Zürich hatte am vergangenen Donnerstag den 23-Jährigen Haupttäter wegen Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren verurteilt. Damit folgte es dem Staatsanwalt in der Tatqualifizierung, unterschritt aber das von ihm geforderte Strafmass von 20 Jahren klar.

Obergericht muss Höhe des Strafmasses überprüfen.

Laut Scherrer soll nun das Obergericht die Höhe des Strafmasses überprüfen, wie er sagte. Auch die Urteile für die beiden Mitbeschuldigten ziehe er weiter.

Ob der Verteidiger des Hauptbeschuldigten das Urteil ebenfalls anficht, ist noch offen. Er müsse es zuerst mit seinem Mandanten besprechen, liess er auf Anfrage ausrichten. Er hatte für eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und schwerer Körperverletzung sowie eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren plädiert.

Freispruch soll aufgehoben werden

Von den beiden Mitbeschuldigten war der eine vom Vorwurf der Gehilfenschaft zu Mord freigesprochen worden, wie es die Verteidigerin beantragt hatte. Der Staatsanwalt hatte einen Schuldspruch und eine fünfjährige Freiheitsstrafe gefordert. Er will in der zweiten Instanz die Aufhebung des Freispruchs erreichen.

Den anderen verurteilte das Gericht wegen Begünstigung zu einer bedingten Geldstrafe. Auch sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt. Er war am Dienstag nicht erreichbar. Auch dieses Strafmass ist dem Ankläger zu mild. Er hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten verlangt.

Mitte Juli 2012 hatte der Hauptbeschuldigte vor dem Zürcher Club Kaufleuten nach einem Streit einen jungen Mann erstochen und dessen Bruder lebensgefährlich verletzt. Er flüchtete zu Verwandten nach Norwegen, wo er rund zwei Wochen nach der Tat verhaftet wurde.

(sda)