Horgen ZH

02. März 2011 08:00; Akt: 02.03.2011 11:04 Print

Kein Pardon für skrupellosen Räuber

von Attila Szenogrady - Ein algerischer Räuber hat im Spital Sanitas beinahe einen bestohlenen Autohalter überfahren und in einem Adliswiler Altersheim zwei Krankenschwestern mit Pfefferspray attackiert. Das Obergericht kannte keine Gnade.

Fehler gesehen?

Zum Schluss fluchte der Angeklagte herum und schimpfte über ein ungerechtes Urteil. Der Nordafrikaner hatte auf 14 Monate Freiheitsentzug und seine sofortige Haftentlassung gehofft. Stattdessen setzte es eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren ab. Sechs Monate mehr, als es noch beim Bezirksgericht Horgen der Fall gewesen war.

Tatsächlich hatte der Beschuldigte vor den Schranken alles andere als einen guten Eindruck hinterlassen. So kam heraus, dass der Algerier in der Schweiz bereits mit mindestens drei verschiedenen Namen aufgetreten war. Zudem konnte nicht einmal sein angebliches Geburtsjahr 1980 stimmen. Zu stark wiesen seine äusseren körperlichen Merkmale auf ein erheblich fortgeschrittenes Alter hin.

Fest standen hingegen die sechs Vorstrafen, die sich der abgewiesene Asylbewerber seit dem Frühjahr 2003 in der Schweiz geleistet hatte. Die meisten Delikte betrafen Diebstähle und Drogendelikte. Im Sommer 2009 wandelte sich der Langfinger allerdings zum Räuber, sowohl im Spital Sanitas in Kilchberg, als auch in einem Alters- und Pflegeheim in Adliswil.

Auto und Pfefferspray als Tatwaffen

Am 18. August schlug der Täter zuerst in Kilchberg zu. In einem Sitzungszimmer des Spitals entwendete er mit einem Komplizen mehrere Computer und einen Reisekoffer sowie den Autoschlüssel eines heute 45-jährigen Geschäftsführers. Der Geschädigte bemerkte den Coup und verfolgte die Täterschaft bis in das Parkhaus. Dort hatte der Angeklagte bereits den gestohlenen Personenwagen des Opfers gestartet und fuhr los. Als der Autohalter die Diebe stoppen wollte und sich in den Weg stellte, drückte der Angeklagte auf das Gaspedal. Der Geschädigte konnte sich gerade noch mit einem Sprung auf die Seite in Sicherheit bringen. Kurz darauf durchbrach der Algerier die Schranken und konnte sich in Richtung Wollishofen absetzen.

Zwölf Tage später plünderte der Räuber in einem Adliswiler Alters –und Pflegeheim ein Stationsbüro und wurde dabei von zwei Pflegeassistentinnen erwischt. Um sich einen Fluchtweg zu bahnen, griff er sofort zu einem Pfefferspray und nebelte damit die beiden Frauen ein. Doch diesmal kam der Mann nicht weit. Er wurde eine Stunde später von der Polizei festgenommen.

Raubtaten vergeblich bestritten

Bereits vor dem Bezirksgericht Horgen hatte der Angeklagte im Mai 2010 die beiden Raubtaten vergeblich bestritten. Auch am Dienstag sprach die Verteidigung in einem Berufungsprozess vor Obergericht von einfachen Diebstählen. So habe der Angeklagte in beiden Fällen niemanden angreifen oder verletzen, sondern nur fliehen wollen. Deswegen sei eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten angebracht, plädierte die Anwältin. Die zuständige Staatsanwältin konterte mit einem Gegenantrag und forderte eine deutliche Straferhöhung auf vier Jahre Freiheitsentzug. Das Horgner Gericht hatte noch drei Jahre Freiheitsentzug festgelegt.

Zu milde für die Oberrichter, die nicht nur von klaren Raubtaten ausgingen – so habe der Angeklagte zur Sicherung seiner Beute die Opfer jeweils genötigt -, sondern auch die Strafe um ein halbes Jahr verschärften. Das Obergericht warf vor allem die diversen Vordelikte gegen den Angeschuldigten markant straferhöhend in die Waagschale.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinrich Zimmermann am 02.03.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grundlegendes Nachdenken gefordert.

    Ich glaube nicht, dass dieser Mann je eine andere Gesinnung haben wird. Nach der Strafe gehts munter weiter, das sind meine Prognosen. Sogar mit der Begründung, Rechtsanwältin bestärkt ihn in seiner Meinung, er sei ungerecht bestraft worden. Also was tun? Justiz kann nichts dafür, die tun nur ihre Pflicht, ha ha ha. Politisch muss rigoros zugepackt werden. Und bitte keine Tränendrüsen reizenden Kuschelgeschichten von Resozialisierung.

  • Bürger am 02.03.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ausweisen

    Und nachher wird der Kerl sofort nach Hause geschafft. Das hätte schon nach seinem abgewiesenen Asylantrag geschehen sollen.

  • René am 02.03.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Resozialisieren

    Ich gehe davon aus, dass sich gewichtige Organisationen und Parteien stark für eine Resozialisierung dieses Menschen einsetzen werden. Und sie werden dies aus Überzeugung tun.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hansi Winkler am 02.03.2011 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!!

    Mein Kompliment für die Oberrichter. Es ist gut zu wissen das nicht alle Richter Kuscheljustiz betreiben. Wer straffällig wird, soll auch seine gerechte Strafe erhalten.

    • Rudi S. am 02.03.2011 19:43 Report Diesen Beitrag melden

      Geht mir genauso

      Endlich mal wieder ein vernünftiges Urteil. Hoffentlich liest man in Zukunft öfters von solchen Sachen. Ich hatte das Vertrauen in die Richter verloren. Sowas macht Hoffnung.

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  • Bürger am 02.03.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ausweisen

    Und nachher wird der Kerl sofort nach Hause geschafft. Das hätte schon nach seinem abgewiesenen Asylantrag geschehen sollen.

  • B. Kerzenmacher am 02.03.2011 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialhilfe erhalten?

    Mann o Mann, da arbeitet mann 25Jahre, verliert den Job wegen erwiesenen Verleumdungen durchs BfM, zahlte immer alle Steuern, hatte nie Schulden oder Betreibungen, zahlte immer in Arbeitslosengeldkasse ein 25 Jahre lang. Findet wegen den Verleumdungen durch BfM keinen Job mehr. Arbeitslosengeld erhält man 0 Fr. trotz 25 Jahre einzahlen, Sozialhilfe 0 Fr. trotz 25 Jahre einzahlen. Offenbar wird man massiv betrogen. Man muss anscheinend kriminell und Asylant sein um etwas zu erhalten aber nicht ein unbescholtener, verleumdeter CH-Bürger.

    • Hans Seeler am 03.03.2011 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      Andere bekommen

      Stimmt nicht.Sie haben das gleiche schon 2-3X geschrieben.Wer Arbeitslosengeld gezahlt hat, bekommt auch Geld in Notlage.Ich finde,sie sollten mal schauen, was sie falsch machen.Das ist einfach ein Märchen das nur kriminelle und Ausländer geholfen wird.

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  • Peschä am 02.03.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Biometrische Daten von Asylbewerbern

    Offenbar müssen alle Asylbewerber in der Schweiz mit biometrischen Daten registriert werden. Dann hat das Spiel mit den falschen Namen bald ein Ende! Dieser Täter muss nach verbüsster Strafe unbedingt ausgeschafft und mit einem Landesverbot belegt werden!

  • René am 02.03.2011 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Resozialisieren

    Ich gehe davon aus, dass sich gewichtige Organisationen und Parteien stark für eine Resozialisierung dieses Menschen einsetzen werden. Und sie werden dies aus Überzeugung tun.