Hörige Sex-Partnerin

02. März 2011 14:46; Akt: 02.03.2011 15:45 Print

Keine Beweise gegen Fahrlehrer

von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat ein Fahrlehrer eine von ihm sexuell abhängige Fahrschülerin um diverse Aktien für über 125 000 Franken geprellt. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht.

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Unbestritten war, dass der heute 51-jährige Fahrlehrer im Zeitraum von 2000 bis 2006 eine heute 54-jährige Zürcher Köchin immer wieder als Fahrschülerin unterrichtete. Schon bald kamen sich der verheiratete Mann und seine Schülerin körperlich näher.

Laut Anklage bestand schon ab 2001 eine intime Beziehung. Da die Frau trotz ihres Alters bisher noch keine sexuellen Erfahrungen gesammelt hatte, geriet sie in ein psychisches Abhängigkeitsverhältnis im Sinne einer Hörigkeit.

Aktien für über 125 000 Franken weg

Laut Staatsanwaltschaft erkannte der Fahrlehrer die Abhängigkeit und Unsicherheit der Geschädigten und riet ihr, ihm ihre Aktien in sein Depot zu übertragen. Grund für den Vorschlag: Die arbeitslos gewordene Köchin sollte ihr Vermögen vor einem drohenden Wechsel zur Sozialhilfe in Sicherheit bringen. Die Frau befolgte den Ratschlag und vertraute dem Angeklagten insgesamt 1970 Aktien für über 125 000 Franken an.

Laut Anklage sollte der Beschuldigte die Aktien bis Ende August 2008 zurückgeben. Doch daraus wurde nichts. Der Schweizer verkaufte sämtliche Wertschriften und verwendete das Geld für eigene Zwecke. Als er zudem die sexuelle Beziehung zur Geschädigten im Oktober 2008 abbrach, suchte sie die Polizei auf und erstattete Strafanzeige.

Veruntreuung bestritten

Der Fahrlehrer wurde in der Folge für einige Tage in Untersuchungshaft genommen und musste sich am Mittwoch wegen mehrfacher Veruntreuung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Bei einem Schuldspruch drohte ihm eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

Der Angeschuldigte wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass der Verkauf der Aktien im Auftrag der Geschädigten erfolgt sei. Diese habe das Vermögen an ihrer kontrollsüchtigen Mutter vorbeischmuggeln wollen, gab er zu Protokoll. Die Strafanzeige führte er auf die Eifersucht seiner Ex-Fahrschülerin zurück. Sie habe nicht ertragen, dass er inzwischen eine neue Partnerin kennengelernt habe, sagte er.

Erfolgreiche Verteidigung

Auch Verteidiger Martin Menzi verlangte einen vollen Freispruch und verwies auf das schwankende Verhalten des angeblichen Opfers in der Untersuchung. Menzi präsentierte dabei einen Brief der Geschädigten, wobei diese darin erklärte, dass sie die Gelder bewusst dem Beschuldigten gegeben habe und sie während den Ermittlungen unter Druck gesetzt worden sei. Im Schreiben führte sie auch aus, dass der Beschuldigte gegen ihren Willen angeklagt worden sei. Bei der Strafanzeige sei sie noch gekränkt gewesen, ergänzte sie.

Die Verteidigung hatte Erfolg. So kam das Gericht nach einer kurzen Urteilsberatung zu einem vollen Freispruch. Es sei unklar, ob sich der Fahrlehrer unrechtmässig bereichert habe, sagte der zuständige Einzelrichter. Zweifel seien auch wegen den unsicheren Aussagen der Geschädigten aufgekommen. Für die zu Unrecht erlittene Haft erhielt der Freigesprochene ein Schmerzensgeld von 300 Franken.