Fall vor Gericht

21. Juli 2019 21:23; Akt: 21.07.2019 21:23 Print

Polizei in Vollmontur holt drei Kinder ab

Einer Mutter wurden ihre drei Kinder weggenommen. Sie hatte diese zu Hause unterrichtet. Ein Gericht entschied, dass die Mutter die Kinder zurückerhält.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Verwahrlost und ungebildet – so lautete der Vorwurf an die alleinerziehende Mutter Andrea P. Im November 2018 musste sie im Sozialzentrum Zürich zusehen, wie ihre drei Kinder von bewaffneten Polizisten in Vollmontur weggebracht wurden, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Sie durfte sich demnach nicht von ihren Kindern im Alter zwischen fünf und dreizehn Jahren verabschieden und sie für längere Zeit nicht mehr sehen. Die Kinder wurden in einem Heim untergebracht.

Der Mutter war laut dem Bericht ihr unkonventioneller Lebensstil zum Verhängnis geworden. Die Zürcherin habe ihre Kinder zu Hause in Mathematik, Deutsch und Englisch unterrichtet und ihnen zusätzlichen Stoff beigebracht, wenn sie alle im Schrebergarten arbeiteten. Für den Unterricht zu Hause hatte sie zeitweise auch eine Bewilligung.

«Grosse Kindswohlgefährdung»

Andrea P. habe ihre Kinder aber weder geschlagen noch psychischer Gewalt ausgesetzt. Dennoch bestätigte im Dezember 2018 die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) die Fremdplatzierung der Kinder. Die Tatsache, dass die Mutter ihre Kinder langfristig aktiv von der Schule ferngehalten habe, sei bereits für sich allein eine derart grosse Kindeswohlgefährdung, dass eine Platzierung weiterhin gerechtfertigt und notwendig sei. Die Kesb kann aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Stellung zum Fall nehmen.

Nach sieben Monaten konnten die Kinder wieder zurück zu ihrer Mutter, heisst es im Artikel. Das entschied das Obergericht Zürich im Mai 2019. Anhaltspunkte für eine Verwahrlosung würden fehlen. Auch «eine Gefährdung der Kinder im Bereich der schulischen Entwicklung» habe sich nicht bestätigt. Es gebe zudem keine Hinweise auf «Verhaltensauffälligkeiten». Doch diese Anordnung ist erst ein Zwischenentscheid. Die Mutter bangt weiter um ihre Kinder.

(lar)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • *Lexy* am 21.07.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Kinder

    Wen sie vorher keine Schaden hatten haben sie jetzt bestimmt einen.

  • Anerom am 21.07.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefährdung?

    Die Gefährdung liegt beim KESB! Sollte einfach abgeschafft werden. Was ich im Bekanntenkreis höre und in den Medien lese bestätigt mir die Unnötigkeit der KESB und den inkompetenten Mitarbeiter

    einklappen einklappen
  • Willy am 21.07.2019 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESB Turbo

    Na da war die berüchtigte KESB wieder mal Sehr schnell. Wann wird dies Unfähige und teilweise unnütze Institution endlich abgeschafft ?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Z. am 21.07.2019 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück kommt Hilfe!

    Nun wird die KESB einmal mehr zu Unrecht in den Dreck gezogen. Hätte diese Mutter ihre Kinder verwahrlost, unkorrekt gebildet und im Schrebergarten arbeiten lassen und die KESB hätte nicht reagiert, wäre es auch nicht konform gewesen! Ich bin dankbar, dass einigen genauer auf die Finger geschaut wird, auch wenn die Konsequenz unbequem und bestimmt auch schädlich sein kann...doch in sehr vielen Fällen leistet die KESB hilfreiche Arbeit zu Gunsten unbeholfener Kinder und Erwachsenen. Sie bietet Schutz, wem Schutz gewährt.

  • Christian von Stein am 21.07.2019 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Das ist ohne Worte! Solche Taten schaffen den Richtern und Beamten ein wahrlich unschönes Karma! Egal wie sie sich hinter ihren Paragraphen verstecken.... Das der Staat heute sowas überhaupt noch kann, ist eine Katastrophe und dann wegen so einer privaten Sache noch!

  • Renata am 21.07.2019 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESB ist nicht der Feind!

    Meine Güte hört doch mit dem Gemecker über die KESB auf. Keiner von uns kennt Mutter oder die Kinder und weiss etwas genaues über die Hintergründe ...und wenn den Kindern etwas passiert dann seid ihr die ersten die schreien: "Wieso haben die nicht gehandelt?" Meint ihr wirklich die KESB läuft herum und sammelt wahllos Kinder ein! Ich kenne drei Fälle bei denen ich so froh war das es die KESB gibt...(Gewalt und Drogensucht der Eltern) Und trotzdem steht es immer im Vordergrund die Familien wieder zusammenzuführen und die Eltern erfolgreich zu therapieren. Man kann sich etwas mehr Respekt von euch wünschen gegenüber der Arbeit,es ist sicher nicht einfach!

  • K. R. am 21.07.2019 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kindeswohl

    Ich hoffe für die Kinder, dass sie jetzt eine normale Schule besuchen dürfen. Der Kontakt zu anderen ist wchtig im Leben. Eltern sollten sich bemühen, ihren Kindern zu ermöglichen, ihren eigenen Weg zu gehen. Auch wenn dieser nicht der eigenen Wunschvorstellung vom einzig richtigen Leben entspricht.

  • G. Nadenreich am 21.07.2019 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt unter

    all den guten Beamten im Sozialwesen immer auch schwarze Schafe, die aus Missgunst, Dünkel und seelischer Armut auf Mütter oder Familien losgehen, die eine anderen, unbürgerlichen Lebensstil pflegen. Leider stirbt dieser Typus nicht aus. Siehe "Kinder der Landstrasse" etc. erbärmlich!