Dielsdorf ZH

01. Dezember 2011 08:03; Akt: 30.11.2011 23:48 Print

Kiffender Blaufahrer muss nur zahlen

von Attila Szenogrady - Ein Verkäufer aus Dielsdorf hat die Street Parade auf seine eigene Weise gefeiert. Er ist mit dem Auto eines Kollegen angetrunken und bekifft in eine Hausmauer gekracht. Nun wird es für ihn teuer.

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Es war am 14. August 2010, als der heute 24-jährige Beschuldigte aus Dielsdorf die Zürcher Street Parade aufsuchte. Der Verkäufer konsumierte bereits am Nachmittag nicht nur Alkohol, sondern rauchte mit einigen Kollegen immer wieder Marihuana. Obwohl er infolge einer früheren Blaufahrt keinen Führerausweis hatte, kam er in den Abendstunden auf die Schnapsidee, den Personenwagen eines Kollegen auszuleihen. Er wollte damit um 22 Uhr vom Bellevue in Richtung Central fahren.

Endstation Hausmauer

Der Angeklagte war offenbar so benebelt, dass er nur wenige Meter weit kam. Er verlor kurz nach dem Bellevue die Herrschaft über das Lenkrad und prallte frontal in eine Hausmauer hinein. Obwohl das Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hatte, verliess der unverletzte Zürcher Unterländer die Unfallstelle, um den Besitzer des Autos über die Kollision zu informieren.

Der Halter, dessen Wagen auf seine Mutter eingelöst war, zeigte sich schockiert. Beide jungen Männer kehrten zum Tatort zurück, wo bereits die Polizei die Unfallspuren sicherte. Aus Angst vor einer Blutkontrolle suchte der Dielsdorfer zunächst das Weite. Allerdings vergebens. So wurde er bald erwischt und musste sich als überführter Unfallverursacher dem Bluttest fügen. Mit dem Ergebnis, dass die Gutachter nicht nur bis zu über eine Promille Alkohol, sondern auch eine ansehnliche Menge Marihuana im Blut feststellten.

Zehn Monate Gefängnis gefordert

Am Mittwoch musste sich der weitgehend geständige Sportartikel-Verkäufer vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihm drohte wegen Fahrens im fahrunfähigem Zustand, Verletzung der Verkehrsregeln, Vereitelung und weiteren Nebendelikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von insgesamt zehn Monaten. Vier Monate betrafen den Unfall an der Street Parade. Sechs Monate gingen auf eine einschlägige Vorstrafe von sechs Monaten zurück. Diese sollte widerrufen werden. Ebenso eine ehemals bedingte Geldstrafe der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland. Der Angeklagte zeigte sich eingeschüchtert und führte aus, dass er Panik vor dem Gefängnis habe. Er würde dadurch seine Arbeitsstelle verlieren, befürchtete er. Seit dem Vorfall konsumiere er keine Drogen mehr, gab er zudem an. Der Verteidiger setzte sich für eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken ein.

Zahlen statt sitzen

Das Gericht entschied sich für eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 80 Franken. Verbunden mit einer Busse von 800 Franken. Hinzu kam eine widerrufene Vorstrafe von 45 Tagessätzen zu 30 Franken. Der zuständige Einzelrichter folgte dem Grundsatz des neuen Strafrechts: Demnach soll ein Täter besser Geld abliefern, als im Gefängnis sitzen. Allerdings kam hinzu. Dass das Gericht den Vorwurf der Vereitelung einer Blutprobe als nicht erstellt betrachtete. So habe der Dielsdorfer seinen Kollegen sogleich über den Unfall unterrichtet und damit nicht gegen die Meldepflicht verstossen, befand der Präsident.

Der Angeklagte hatte zudem Glück, dass die Vorstrafe von sechs Monaten nicht widerrufen wurde. Er muss dagegen viel bezahlen. So soll er neben den Geldstrafen und der Busse auch für die Gerichtskosten von 1 800 Franken aufkommen.