Aarau

04. Dezember 2019 09:31; Akt: 04.12.2019 15:26 Print

Frau vor Haustür getötet – Täter ist schuldunfähig

51-mal soll ein 28-Jähriger auf Hildegard Enz Rivola vor ihrer Haustür eingestochen haben. Laut psychiatrischem Gutachten ist er nun aber schuldunfähig.

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Blutüberströmt und um Hilfe rufend wurde die 66-jährige Hildegard Enz Rivola am 17. Januar vor ihrer Wohnung in Aarau aufgefunden. Später erlag sie im Spital ihren zahlreichen Stichverletzungen. Laut Medienberichten hatte der Täter bis zu 51-mal auf die 66-Jährige eingestochen. Die Polizei veröffentlichte Fotos der Toten, bat die Bevölkerung mit Flugblättern um Mithilfe. Eine erste Fahndung blieb jedoch erfolglos.

Wochen später erhärtete sich der dringende Tatverdacht gegen einen 28-Jährigen aus der Region. Die mutmassliche Tatwaffe, ein Messer, wurde beim Beschuldigten gefunden.

Kokain, Marihuana und Alkohol

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, das Opfer getötet zu haben, weil er nur noch einen Monat in einem Zimmer hätte wohnen können und vorhatte, nach dem Tod des Opfers dessen Wohnung zu beziehen. Zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer bestand keine persönliche Beziehung. Vor und nach der Tat hatte der Beschuldigte Kokain, Marihuana und Alkohol konsumiert.

Das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten diagnostiziert beim 28-jährigen Kroaten eine paranoide Schizophrenie und einen schädlichen Gebrauch von Alkohol und Kokain. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei zum Zeitpunkt der Tat die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten aufgehoben gewesen. Das psychiatrische Gutachten kommt zum Schluss, dass der Beschuldigte schuldunfähig sei.

Hohes Risiko für erneute Gewaltstraftaten

Die Staatsanwaltschaft hat deshalb, statt eine Anklage wegen Mordes und mehrfachen Betäubungsmittelkonsums zu erheben, beim Bezirksgericht Aarau die Anordnung einer Massnahme beantragt. Gestützt auf das Gutachten geht man davon aus, dass ohne entsprechende stationäre psychiatrische Behandlung ein hohes Risiko besteht, dass der Beschuldigte erneut Gewaltstraftaten begehen könnte.

Bis der Antritt des stationären Massnahmevollzugs möglich ist, befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Strafvollzug.

(wed)