31-Jähriger missbraucht Mädchen

12. Juni 2019 12:58; Akt: 12.06.2019 17:54 Print

«Die Qual lässt sich nicht in Worte fassen»

Ein 31-Jähriger hat mehrere Mädchen sexuell missbraucht und soll eine Jugendliche geschändet haben. Das Obergericht verschärfte heute eine frühere Strafe.

Adrian Kägi von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich äussert sich zum Urteil.
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Blaues T-Shirt, schwarze Hosen und Turnschuhe: In diesem Aufzug und mit einem grossen, roten Ordner in den Händen betrat L.B.* heute den Gerichtssaal im Obergericht Zürich. Der heute 31-Jährige wurde vor rund einem Jahr zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, weil er drei Mädchen im Alter von 8 und 13 Jahren sexuell missbrauchte (20 Minuten berichtete).

Das Bezirksgericht Zürich befand ihn damals der mehrfachen, teilweise versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfachen Diebstahls und einfacher Körperverletzung schuldig. Zudem sahen es die Richter als erwiesen an, dass er Kinderpornografie besessen und die damals 16-jährige Kollegin P.C.* geschändet hatte.

Gegen den Schuldspruch legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Sie forderte eine höhere Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Auch B. appellierte gegen das Urteil. Während er die Übergriffe gegen die Mädchen zugibt, wehrte er sich heute insbesondere gegen der Vorwurf der Schändung.

«Ich zeigte ihm, dass ich es nicht wollte»

Der Privatklägerin P.C.* zufolge hätten der Beschuldigte B. und sie zusammen an einem Abend etwas gekifft und Alkohol getrunken. C. wirkte vor Gericht gefasst und antwortete knapp und leise auf die Fragen des Richters: «Es hat sich aber nicht angefühlt, als wäre es nur Alkohol gewesen», sagte sie. Benebelt und schwummrig im Kopf sei sie eingeschlafen und nur vereinzelt aufgewacht, als B. ihr seinen Penis an den Mund gehalten und in sie eingedrungen sei. «Ich war zu schwach, um etwas zu sagen, aber ich zeigte ihm, dass ich es nicht wollte», so C. Statt aufzuhören, habe B. weitergemacht. «Er sagte mir, ich soll nicht verklemmt tun – ich wolle es doch auch.»

Anders nahm B. die Situation wahr: «Sie war eigentlich die beste Kollegin von mir, wir hatten eine sehr freundschaftliche Beziehung.» Mehrmals habe sie bei ihm übernachtet, man habe zusammen gekocht, Filme geschaut, sich sogar gegenseitig massiert. «An jenem Abend habe ich sie danach ausgezogen und sie sagte mir, ich soll ein Kondom benutzen. Sie war eine Kollegin und kein Sexobjekt», beteuert B. Zudem bereue er sein Handeln mit den Mädchen extrem und könne garantieren, dass er nie mehr einen «solchen Seich» machen würde. In Zukunft wolle er sich «gesetzeskonform» verhalten.

Skrupelloses Vorgehen

Diesen aus dem roten Ordner von B. vorgelesenen Beteuerungen schenkte der Staatsanwalt Adrian Kägi keinen Glauben. In seinem Plädoyer sprach er von einer «hohen kriminellen Energie und einer enormen Rücksichtslosigkeit» des Beschuldigten. Vor allem bei den sexuellen Übergriffen gegenüber den Mädchen sei B. besonders skrupellos und perfide vorgegangen. «Welche Qualen die Opfer über sich ergehen lassen mussten, lässt sich nicht in Worte fassen», so Kägi.

Das Obergericht bestätigte heute die Schuldsprüche der Vorinstanz. Auch die bestrittene Schändung sei von der Klägerin glaubhaft und widerspruchslos geschildert worden, es gebe keinen Anlass, an ihren Aussage zu zweifeln. «Wir werten ihr Tatverschulden schwer», so der vorsitzende Richter zum Beschuldigten. «Die Mädchen waren ihnen gänzlich ausgeliefert.» Er habe eine grosse kriminelle Energie gezeigt. Das Obergericht erhöhte den Strafrahmen und verurteilte B. zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und acht Monaten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte kündigte bereits im Gerichtssaal an, das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen zu wollen.

*Namen geändert

(dk)