Prozess in Zürich

21. März 2011 16:07; Akt: 21.03.2011 16:36 Print

Kinderschänder in Polizeifalle gelockt

von Attila Szenogrady - Zwei Männer wollten Sex mit minderjährigen Schülerinnen und trafen stattdessen auf verdeckte Ermittler der Zürcher Polizei. Heute wurden sie verurteilt.

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Die Polizei lockte die Männer in die Falle. (Bild: Keystone)

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Im Rahmen eines gekürzten Strafverfahrens hat das Bezirksgericht Zürich zwei angehende Kinderschänder aus den Kantonen Schwyz und Glarus zu bedingten Freiheitsstrafen von 18 sowie 12 Monaten verurteilt. Die beiden Mittdreissiger wollten Sex mit minderjährigen Schülerinnen. Doch sie trafen auf verdeckte Ermittler der Zürcher Polizei.

Beide Angeklagten waren im letzten Jahr in eine Internet-Falle der Kantons – und der Stadtpolizei Zürich getappt. Zuerst ein heute 33-jähriger Hilfsarbeiter aus der schwyzerischen Gemeinde Studen. Der verheiratete Familienvater hatte im März 2010 im Internet das 13-jährige Mädchen namens «Lara» kennengelernt. Dabei kam der Portugiese schnell zur Sache und fragte das Kind, ob es Sex machen wolle und noch Jungfrau sei.

13-jährige «Lara» war ein Polizist

Nach diversen perversen Gesprächen machte der Beschuldigte schon zwei Tage nach dem ersten Kontakt ein Treffen mit «Lara» im Zürcher Parkhaus Urania ab. Zu seiner bösen Überraschung traf er aber nicht auf eine vermeintlich willige Schülerin, sondern auf verdeckte Ermittler der Stadtpolizei Zürich. Diese wurden kurz darauf auch am Schwyzer Wohnort des verhafteten Vaters fündig und stellten an seinem Computer verbotene Pornographie mit Kindern und Tieren sicher.

Auch ein vermeintlicher Biedermann als Täter

Im letzten August lief mit einem kaufmännischen Sachbearbeiter aus Näfels ein zweiter, angehender Kinderschänder in die Internetfalle der Polizei. Der heute 34-jährige Schweizer hatte an seinem Computer über mehrere Monate hinweg mit einer 14-jährigen Schülerin namens «Vanessa» zahlreiche pornographische Gespräche geführt und ihr ein Foto mit seinem erigierten Penis zugestellt. Bis er für den 17. August 2010 mit dem Mädchen ein Treffen in Zürich abmachte und von seinem damaligen Wohnort in Bilten mit dem Zug nach Zürich fuhr. Am Treffpunkt klickten die Handschellen. Doch anders, als es sich der vermeintliche Biedermann vorgestellt hatte. Er verbrachte danach einen Monat in Untersuchungshaft und legte ein umfassendes Geständnis ab.

Erstmals gekürzte Verfahren

Am Montag mussten sich die beiden Beschuldigten wegen versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern sowie Pornographie vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Dabei kam es dort zum ersten Mal zu so genannten gekürzten Verfahren. Was bedeutete, dass die geständigen Männer schon im Vorfeld der Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft das Urteil ausgehandelt hatten. Mit der Folge, dass es vor den Schranken nicht einmal mehr zu einer Befragung zur Sache oder Person kam. Ebenso konnten die Verteidiger auf ein Plädoyer verzichten.

Bedingte Freiheitsstrafen

Nach einer sehr kurzen Beratung wurden beide Beschuldigte wie abgemacht verurteilt. Der mehrfach vorbestrafte Portugiese kassierte 18 Monate Freiheitsentzug bedingt. Bei einer Probezeit von drei Jahren. Das Gericht sprach von einem nicht mehr leichten Verschulden, da der Mann sehr aggressiv vorgegangen sei.

Mit zwölf Monaten bedingt kam der bisher straflose Glarner wesentlich milder davon. Dieser habe echte Reue gezeigt und besuche heute freiwillig eine Psychotherapie, führte dazu der Gerichtsvorsitzende aus. Zudem habe ein Gutachten bei ihm keine Anhaltspunkte für Pädophilie festgestellt. Dennoch ordnete das Gericht die polizeiliche Abnahme einer DNA-Probe an. Dieser hat sich der Sachbearbeiter laut seinem Verteidiger bereits von sich aus unterzogen.