Ethische Frage

19. Juli 2012 18:17; Akt: 20.07.2012 11:06 Print

Kinderspital stoppt Beschneidungen

Ein deutsches Urteil wirkt sich auf die Schweiz aus: In Deutschland gilt die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung. Das Zürcher Kinderspital führt deshalb vorerst keine derartigen Operationen mehr durch.

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Im Zürcher Kinderspital geht man auf Nummmer sicher: Vorerst werden keine religiösen Beschneidungen mehr durchgeführt. (Bild: Keystone)

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Am Zürcher Kinderspital werden bis auf Weiteres keine religiös begründeten Beschneidungen mehr durchgeführt. Grund ist das umstrittene Urteil des Kölner Landgerichtes, das die Entfernung der Vorhaut als Körperverletzung einstufte.

Ein Arzt, der in Deutschland einen Jungen aus religiösen Gründen beschneidet, macht sich gemäss diesem Urteil strafbar. Der Gerichtsentscheid von Ende Juni sorgt auch am Zürcher Kinderspital für Diskussionen. Mit diesem Urteil sei eine neue, ethische Betrachtungsweise hinzugekommen, sagte der Medienverantwortliche Marco Stücheli auf Anfrage der SDA.

Beschneidung noch vertretbar?

Man habe sich deshalb entschieden, vorläufig keine Beschneidungen mehr vorzunehmen und das Thema intern zu überprüfen. Er bestätigte damit eine entsprechende Meldung im «Beobachter» vom Donnerstag. Man wolle sich Klarheit darüber verschaffen, ob solche Eingriffe - bei denen die Jungen zu klein sind, um ihr Einverständnis geben zu können - künftig weiterhin vertretbar seien oder nicht.

Vor juristischen Konsequenzen fürchte man sich aber nicht, betonte Stücheli. Nur schon deshalb, weil das Urteil des Kölner Landgerichtes keine Wirkung in der Schweiz habe. Auch andere ethische Fragen würden regelmässig intern diskutiert.

Eine bis zwei Beschneidungen pro Monat

Lange wollen die Spitalverantwortlichen nicht beraten. Man entscheide bald, ob man die Operationen wieder durchführe oder weiterhin darauf verzichte, sagte Stücheli weiter. Im Durchschnitt werden am «Kispi» eine bis zwei religiöse Beschneidungen pro Monat durchgeführt. Diese Zahl ist seit Jahren relativ konstant.

Weiterhin durchgeführt werden hingegen Beschneidungen, die aus medizinischen Gründen nötig sind, etwa bei Vorhautverengung und anderen urologischen Problemen.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Man sollte ganz einfach die jungen Männer mit (ca 16 Jahren) fragen ob sie beschnitten werden wollen oder nicht. Jeder hat ein Recht darauf, über seinen Körper selber zu bestimmen. Damit wären all die Diskussionen überflüssig. – SandraT

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Schwab am 20.07.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Kind ist nicht Besitz!

    Für mich ist das eine Verstümmelung. Vor Jahren wurde dies bei meinem Neffen gemacht, einfach so,ohne religiöse Gründe. Ich konnte es kaum fassen, war wütend und gleichzeitig unendlich traurig. Ein Kind kann sich weder wehren noch was dazu sagen. Es ist jedoch SEIN Körper. Ein Kind ist nicht Besitztum - es gehört sich selber. Wenn es das als Erwachsener später machen lassen will, ist das dann seine Sache! Rückgängig machen kann man so etwas nicht!

  • Dr. B. am 19.07.2012 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmmm...

    Wenn Beschneidungen aus religiösen Gründen nicht mehr durchgeführt werden ( was ich nur richtig finde) wird die Zahl an medizinisch indizierten Beschneidungen einfach steigen... Es gibt immer irgendwo einen Arzt zu finden, der die Op's medizinisch begründet, vielfach gleicher Herkunft stammend. So werden die Krankenversicherungen (noch) mehr solche Eingriffe bezahlen müssen..... Jeder sollte über einen solchen Eingriff selbst entscheiden können.

  • Ani am 19.07.2012 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschneidung

    Doch was geschieht,wenn es nicht mehr durchgeführt wird?wird es dann evtl.einfach illegal zu Hause gemacht?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Schmid am 21.07.2012 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    für alle die jetzt ....

    schreien, dass behindere sie in ihrer Religionsausführung, denen sei gesagt, Religionsfreiheit beschränkt sich auf die Eltern, nicht auf ihre Kinder. Dazu verstösst eine Beschneidung ohne zwingende medizinische Gründe auch gegen UN-Kinderrechtskonvention. Traurig dabei ist, das einzelne Stellen jetzt schon von den Religionsvertreter Kuschen, in Zürich hält man es für möglich bald wieder Schnippeln zu dürfen und in Deutschland wurde ein Entschließungsantrag angenommen zum Thema Beschneidung.

  • Andrea Rimensberger am 20.07.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnislos ...

    Es schockiert mich wie einige Leute sich hier zu Aussagen, welche sich nur auf das Optische reduziert (als Frau!!), hinreissen lassen. Es ist Körperverletzung wenn es nicht aus medizinischen Gründen (Vorhautverengung) gemacht wird und so soll jeder Junge/Mann selbst entscheiden ob er beschnitten werden möchte oder nicht. Folglich muss die Beschneidung gesetzlich verboten werden es sei denn man(n) gibt sein Einverständnis (ab 18 Jahren! dann darf man auch abstimmen und autofahren) Mir tut es sehr leid für alle Männer welche ungefragt beschnitten wurden und heute Probleme/Schmerzen haben!

  • Passch am 20.07.2012 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    @Brumm B am 20.07.2012 11:10

    Wer den Text liest, den er kommentieren will ist im Vorteil! Beim Spezialisten war ich. Wenn der Arzt zu viel abschneidet hat er halt zu viel abgeschnitten, so einfach. Rekonstruktionen verbessern die Lage keineswegs. Dafür ist es zu spät. Risse passieren weil ich zu extrem beschnitten bin + trockene Haut habe. Das passiert ab und zu und gehört halt zum Risiko . Daher bin ich gegen eine Beschneidung. Und zum Durchhalten: Frag einfach Leute die erst im Erwachsenen leben beschnitten wurden aus medizinischen Gründen und mach Dir selbst ein Bild

  • A. Schwab am 20.07.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Kind ist nicht Besitz!

    Für mich ist das eine Verstümmelung. Vor Jahren wurde dies bei meinem Neffen gemacht, einfach so,ohne religiöse Gründe. Ich konnte es kaum fassen, war wütend und gleichzeitig unendlich traurig. Ein Kind kann sich weder wehren noch was dazu sagen. Es ist jedoch SEIN Körper. Ein Kind ist nicht Besitztum - es gehört sich selber. Wenn es das als Erwachsener später machen lassen will, ist das dann seine Sache! Rückgängig machen kann man so etwas nicht!

  • Andreas Lamanda am 20.07.2012 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Vorhaut basierte Religionen

    Muslime schreien auf, Juden finden sogar, dass ein jüdisches Leben ohne Beschneidung nicht möglich ist. Glaubensgemeinschaften die sich über die Vorhaut definieren - was für ein schönes Beispiel für die Absurdität der Religion.