Invasive Neophyten

09. Oktober 2018 09:41; Akt: 09.10.2018 15:57 Print

Behörde bekämpft Pflanze – Läden bieten sie an

Mit einer Aktion wurde in Thalwil gegen Problempflanzen vorgegangen. Gleichzeitig werden sie in Läden zum Aktionspreis angeboten.

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Die Gemeinde Thalwil hat in den vergangenen Wochen eine Aktion gegen Neophyten durchgeführt – Problempflanzen, die die einheimische Artenvielfalt bedrängen. Private wurden aufgefordert, diese invasiven Pflanzenarten in ihrem Garten auszureissen. Für jede entfernte Pflanze spendierte die Gemeinde einen einheimischen Strauch. Die Gemeinde will damit die Biodiversität in den Gärten fördern.

Insgesamt wurden 140 Neophyten ersetzt. Aus Kirschlorbeer, Goldruten, Sommerflieder und Essigbaum wurde so Holunder, Weissdorn, Schneeball oder Pfaffenhütchen. «Wir haben viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten», sagt Dardan Ajeti, der bei der Gemeinde Thalwil für die Aktion zuständig ist. Man engagiere sich nun seit mehr als zehn Jahren aktiv im Kampf gegen die Neophyten.

Naturschützer kritisieren Verkauf in Läden

«Deshalb ist es ärgerlich, dass bei Grossverteilern in Thalwil während der Aktion Kirschlorbeer verkauft wurde – teilweise sogar zum Aktionspreis», sagt Ajeti. Der Verkauf sei nicht verboten, doch man sei konsterniert über dieses Vorgehen. Bei welchem Detailhändler die Aktion stattfand, ist nicht klar. Mit Obi, Aldi, Hornbach, Coop Bau+Hobby und diversen Online-Gartenshops haben gleich mehrere Läden die Pflanze im Sortiment.

Der Kanton Zürich empfiehlt in einem Flyer: «Verzichten Sie der Natur zuliebe auf gebietsfremde Problempflanzen, es gibt genügend einheimische Alternativen, die attraktiv sind.» Der Kirschlorbeer verdränge nicht nur die einheimische Vegetation, sondern sei auch giftig.

Naturschützer kritisieren den Verkauf in den Läden: Kirschlorbeer wird vor allem in Gärten gepflanzt. Problematisch sei, dass die Vögel die Samen in die Natur hinaustragen. «Dort verbreitet sich der Kirschlorbeer invasiv und verdrängt einheimisches Gehölz, unter anderem weil er immergrüne Blätter hat», sagt Thomas Honegger, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Konkret. Damit die Pflanze gar nicht zu blühen beginnt, ist ein regelmässiger Zuschnitt zwingend erforderlich.

Gartenbesitzer schätzen die Vorteile des Kirschlorbeers

Als Naturschützer wünsche er sich, dass einheimische Pflanzen bevorzugt würden. «Bei Ausreissaktionen frage ich mich jeweils, warum der Kirschlorbeer noch angepflanzt wird, wenn wir ihn später im Wald wieder ausreisen müssen.» Doch viele Gartenbesitzer schätzen die Vorteile der Pflanze.

Das bestätigt man auch bei Coop – der einzigen Medienstelle, die am Montagnachmittag erreichbar war: «Kirschlorbeer ist bei unseren Kunden beliebt, weil er immergrün und sehr blickdicht ist», sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Zudem sei die Pflanze in der Schweiz zugelassen. Man informiere die Kunden mit einem entsprechenden Hinweis auf dem Etikett sowie mit Tipps, wie man die unkontrollierte Ausbreitung vermeiden kann. Zudem habe man verschiedene Alternativen mit ähnlichen Vorteilen im Angebot.

Grossverteiler reagieren

Wie der «Kassensturz» am Dienstagabend auf SRF 1 berichten wird, überdenken andere Grossverteiler ihre Strategie mit dem Kirschlorbeer. So will die Migros künftig komplett auf Werbung verzichten – Aldi, Obi und Jumbo wollen ab sofort in der Werbung auf die Gefahr von Neophyten hinweisen.

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miro am 09.10.2018 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz ist voll davon

    In den Gärten der Schweizer stehen mind. 70% nicht heimische Pflanzen.

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  • Pascal am 09.10.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Tieren dasselbe

    Mit den Tieren ist es genau dasselbe. Man sieht etwas schönes in den Ferien in Asien, Afrika, Australien, etc. und nimmt es mit heim. Dass Jahre später dadurch ein Ökoproblem entstehen kann sind sich die wenigsten bewusst.

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  • Andy Honegger am 09.10.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    Solche Pflanzen dürfen weder importiert noch gehandelt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja am 10.10.2018 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was denn nun.

    Wir müssen uns daran gewöhnen, dass immer mehr Mittelmeer Pflanzen in den Gärten zu sehen sind. Einige Kirschlorbeeren sind zudem Winterhart und vertragen auch Hitze. Also optimal. Die jap. Ahorne waren dieses Jahr alle verdörrt. Und den meisten Nadelbäume geht es an den Kragen.

  • Henri Winter am 09.10.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Meinen Garten darf man sehen

    Ich muss zugeben, ich bin stolz auf meinen schönen Garten mit den vielen bunten Blumen, Beerenstauden und Obstbäumen. Ich mag es deshalb, wenn Leute stehenbleiben und interessiert reinschauen oder gar Komplimente machen. Nie käme es mir in den Sinn, den Garten hinter einer dichten Kirschloorbeerhecke zu verstecken, von denen kein Tierchen was hat.

    • Pert Manser am 10.10.2018 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Lästige Nachbarn darum Kirchlorbeer

      Du hast bestimmt auch keinen doofen Nachbar welcher dauernd rüberglotzt . Möchte einfach nur Privat im Garten sitzen ohne das Gegaffe der gelangweilten Nachbarn.

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  • Kukunest am 09.10.2018 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung

    Auch das gehört zur Globalisierung oder zur Einwanderung. Die richtigen Schweizer beschützt ja auch niemand vor den Fremden.

  • Jana am 09.10.2018 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Besten Pflanze für den Garten

    Die beste Pflanze für unsere Breitengrade. Beinahe unverwüstlich, hält Hitze und Kälte aus und ist immergrün. Eine Toppflanze gegen neugieriege Nachbarn, Sommer wie Sinter. Und verbreiten tunt sie sich nicht. Nur geplant schneiden (Beeren) dann hat man absolut keine Probleme. Viele Vögle bauen Nester darin. Bambus ist bedeutend schlimmer und wird auch zu Spotpreisen angeboten. Zubetonieren besser für die Umwelt?

  • Markus Wenger am 09.10.2018 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das Einheimische schützen

    In der Pflanzen- und Tierwelt darf man das Einheimische schützen. Wenn es aber um die Gesellschaft und dem Menschen geht..