Kinderspital Zürich

30. April 2019 22:06; Akt: 30.04.2019 23:17 Print

Ärztestreit ist für Eltern «traumatisierend»

Eltern eines sterbenden Kindes mussten am Krankenbett miterleben, wie sich Ärzte um die Behandlung stritten. Das Spital gibt Fehler zu.

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Machtkämpfe und Ärztestreit: Das angespannte Verhältnis unter den Chirurgen der Abteilung Herzchirurgie des Kinderspitals Zürich haben Daniel und Johnna Weckermann schwer belastet. Das Paar hat am 25. März ihre Sina verloren. Die Tochter kam schwer krank mit einem Herzleiden zur Welt.

Im Interview mit «10vor10» auf SRF stellen die Weckermanns klar, dass sie keinesfalls einen Schuldigen für den Tod ihres Kindes suchen. «Wir wissen, dass das Kinderspital jeden Tag Gutes verrichtet und haben auch gute Ärzte wie auch Pflegepersonal getroffen», sagt der Vater. «Aber uns liegt auch am Herzen zu informieren, dass zurzeit am Spital vieles nicht rund läuft – und dass das teilweise auch spürbar ist.»

«Das ist traumatisierend»

Die interne Konflikte am Kispi hätten unter anderem dazu geführt, dass wichtige Informationen zwischen den Abteilungen verloren gegangen seien. Die Weckermanns mussten auch zusehen, wie Mitglieder der verschiedenen Teams hitzige Diskussionen am Bett ihres Kindes führten. «Man fühlt sich dann gewisserweise hilflos und hofft, dass die Experten sich finden», sagt Daniel Weckermann. «Es ist immer und immer wieder passiert. Mit einem sterbenden Kind ist das traumatisierend», erzählt die Mutter.

Nicht nur das: Das Kinderspital kommuniziere schlecht mit den Eltern, lautet ein weiterer Vorwurf des Vaters. «Das Kinderspital hat Probleme, mit Eltern umzugehen, die eine ganz klare Meinung zur Behandlung ihrer Kinder haben.»

Kommunikation muss besser werden

Martin Meuli, Direktor der Chirurgischen Klinik, gibt Fehler in der Kommunikation zu: «Die interdisziplinären Teammitglieder sollten, wenn immer möglich, gemeinsam eine Strategie festlegen und sagen, was diagnostisch gemacht wird, was therapeutisch gemacht wird, was die Gründe dafür sind. Und sie sollten sich idealerweise darauf einigen, wie das Wording gegenüber den Eltern ist.» Man sei daran, Verbesserungen zu erzielen.

Die Weckermanns haben heute keinen Groll mehr gegen das Kinderspital, weil sie sich in den letzten Stunden geborgen und getragen fühlten. «Die Ärztin unserer Tochter hat mit uns um sie geweint», sagt Johnna.

Hungerstreik gegen die Entlassung

Dass in der Abteilung Herzchirurgie des Kinderspitals Zürich im Moment nicht alles passt, zeigt auch der Fall eines Assistenzarztes, der vor rund zehn Tagen in den Hungerstreik getreten ist. Der Chirurg protestiert so gegen seine Entlassung.

Der entlassene Arzt war vom ehemaligen Leiter der Kinderherzchirurgie, Michael Hübler, eingestellt worden. Hübler wurde allerdings im vergangenen November überraschend freigestellt.

Seit Hübler weg ist, leitet Hitendu Dave interim die Abteilung. Bei komplizierten Fällen wird er von René Prêtre unterstützt – der in Lausanne arbeitet und nur an einem Tag in der Woche in Zürich operiert. Die Situation belastet das Team stark. Kardiotechniker Frietjof Lemme etwa kündigte kürzlich. Zu «srf.ch» sagte er: «Ich konnte das Konstrukt nicht mittragen, dass jemand von irgendwoher kommen muss für die komplizierten Fälle. Der muss da sein.»

(dmo/kle)