83 Personen verhaftet

09. Juli 2019 12:01; Akt: 09.07.2019 14:53 Print

«Aktivisten müssen bis am Abend freikommen»

Am Montag wurden in Zürich und Basel Aktivisten verhaftet, weil sie Eingänge der UBS und der Credit Suisse blockiert hatten. Am Dienstag kommt es zu weiteren Aktionen.

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Ein Grossteil der Aktivisten kam am Mittwoch frei. Zwei müssen in Haft bleiben. 54 Aktivisten erhielten bereits einen Strafbefehl wegen Nötigung. Gegen sieben weitere Personen läuft ein Verfahren. Die 19-jährige Enora aus Genf (Mitte) war zwei Nächte in Haft: «Ich habe in der Zelle absichtlich geschrien.» Am Dienstagabend versammelten sich Klima-Aktivisten und solidarisierten sich mit den über 60 Inhaftierten. Noch am Dienstagabend sitzen 61 Demonstranten in Haft. Akivisten hatten am Montag über mehrere Stunden den Zugang zu den Gebäuden der UBS und der CS am Paradeplatz versperrt. Sie beschuldigen die Schweizer Grossbanken, klimaschädliche Aktionen zu finanzieren. «Mir wurde alles weggenommen und meine Familie wurde im Ungewissen gelassen», sagt Greenpeace-Sanitäter Arsène Formaz über seine Inhaftierung nach dem Klima-Protest vom Montag. Auch die 15-jährige Paula Schmid wurde verhaftet. Sie ist schon seit Montagnachmittag wieder auf freiem Fuss: «Es ist nicht schön, wenn man sich für unsere Zukunft einsetzt und wie eine Schwerverbrecherin behandelt wird.» Am Dienstag demonstrieren mehrere Personen vor dem Polizeigebäude der Kantonspolizei Zürich und fordern die Freilassung der verhafteten Aktivisten. Auch in Basel kam es am Dienstagnachmittag erneut zu Protestaktionen. Unter anderem wurde eine Menschenkette beim Bankverein organisiert. Die Filiale der UBS ist geschlossen. Die Polizei behält die Aktion im Auge, ist bis jetzt aber nicht eingeschritten. Am Montag wurden die Eingänge der Hauptsitze der Grossbanken UBS in Basel und Credit Suisse in Zürich von Klimaaktivisten besetzt. Die Demonstranten errichteten Sitzblockaden und versperrten die Zugänge teils mit Velos und Pflanzenkübeln. Laut Angaben der Demonstranten sind «mehrere Hundert» Personen am Protest beteiligt. Die Demonstranten fordern vom Schweizer Finanzplatz den sofortigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, wie Collective Climate Justice auf Twitter mitteilte. So sieht die Demonstration in Basel aus. Es liegen Plakate aus. Der Eingang ist mit Ästen versperrt. Ausserdem werden solche Flyer verteilt. In Zürich waren die Aktivisten seit 6.45 Uhr vor Ort. «Schweizer Banken unterstützen mit Milliarden Projekte und Unternehmen, die für massenweise Umweltverschmutzung sorgen. Darum wollen wir hier ein Zeichen setzen», sagt einer der Aktivisten. Man wolle, dass die Banken die Finanzierung von «dreckigen Energien» sofort einstellen. Auch angekettete Velos dienten als Absperrung. Für die Blockade wurde Holz angeschleppt. Die Polizei stellte den Besetzern eine Frist. Bis 9 Uhr sollte der Eingang wieder geräumt sein. Viele der Aktivisten stammen aus dem Ausland. Geplant sei, die Aktion noch 48 Stunden weiterzuführen. Dies soll in diversen Grossstädten Europas geschehen. «Kompostiert Kapitalismus» stand auf den Bannern. Die Aktivisten trugen weisse Schutzkleidung. Die Polizei ist noch immer vor Ort. Es gab kein Durchkommen. Kurz nach 9 Uhr begann die Polizei damit, den Haupteingang der CS zu räumen. Aktivisten wurden abgeführt. Laut einem Beamten handelte es sich bei der Besetzung um Nötigung und Hausfriedensbruch. Die Polizei im Anmarsch. Die Klima-Aktivisten wollten nicht von der Stelle weichen. Kurz vor Mittag wurde auch mit der Räumung des Seiteneingangs begonnen. Die Basler Polizei räumt kurz nach 14 Uhr das Gelände.

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Bei der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz und bei der UBS am Basler Aeschenplatz haben Aktivisten am Montag über mehrere Stunden die Zugänge versperrt. Sie fordern vom Schweizer Finanzplatz den sofortigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Sie beschuldigen die Schweizer Grossbanken, klimaschädliche Aktionen zu finanzieren.

In Zürich rückte die Polizei mit einem Grossaufgebot aus und verhaftete total 64 Aktivisten im Alter von 15 bis 65 Jahren. In Basel wurden total 19 Personen verhaftet.

Grossbanken erstatten Strafanzeige

Die Grossbanken haben auf die Aktionen reagiert und Strafanzeige eingereicht. «Die Credit Suisse hat wegen der Blockierung der Eingänge, von der Kunden und Mitarbeiter betroffen waren, Strafanzeige eingereicht», sagte Credit-Suisse-Sprecher Andreas Kern zu 20 Minuten. Auch die UBS hat wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Nötigung Strafanzeige erstattet, wie Sprecher Igor Moser bestätigt.

Demo vor Polizeigebäude in Zürich

Vor dem Polizeigebäude der Kantonspolizei Zürich versammeln sich aktuell mehrere Aktivisten, um für die Freilassung ihrer Kolleginnen und Kollegen zu demonstrieren. «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Freunde klaut» oder «Klima schützen ist kein Verbrechen!», rufen die Demonstranten. Zudem haben sie Lebensmittel dabei, falls die inhaftierten Akitivisten-Kollegen freigelassen werden. Diverse Polizisten beobachten die Aktion. Eine Sprecherin von Climat Justice hofft, dass die Aktivisten bis am Dienstagabend freigelassen werden.

Menschenkette in Basel

Rund 200 Menschen protestieren mit einer Menschenkette beim Bankverein in Basel, heisst es beim Kollektiv Climate Justice. Die Aktivisten lassen Kunden allerdings in die Bank, die Geschäfte können also normal weiterlaufen. Die Polizei ist ebenfalls vor Ort, hält sich aber noch zurück.



(maz/wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alois am 09.07.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so

    Sie "müssen" nicht bis am Abend freikommen! Wer an einer Aktion teilnimmt die eine Verhaftung nach sich ziehen kann, der/die muss auch bereit sein die Konsequenzen zu tragen. Kann auch gut sein, dass nach der Inhaftierung noch etwas ans Licht kam das auch überprüft wird. Schade nur, dass bei anderen Vorfällen wie unbewilligte Demos oder Krawallen nicht auch endlich konsequent verhaftet wird.

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  • Sandro am 09.07.2019 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Arbeitgeber

    würde ich solche Personen gleich entlassen!

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  • Donni Loen am 09.07.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgehungert in U-Haft

    "Zudem haben sie Lebensmittel dabei, falls die inhaftierten Aktivisten-Kollegen freigelassen werden." Selten so gelacht. Die sind in U-Haft sicher schon völlig ausgehungert. ...und Pyjamas haben sie auch dabei, damit sie sofort schlafen können. ...und Atemgeräte, damit sie sofort atmen können... ...und Hirnis, damit sie klar denken können, wäre auch hilfreich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jangdebang am 13.07.2019 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    So heuchlerisch und verlogen

    Diese sogenannten Klimaaktivisten sind doch praktisch alle geltungssüchtige Selbstdarsteller denen es nur darum geht, ihre Unzufriedenheit abzureagieren und sozialen Unfrieden zu stiften - koste es was es wolle...Und die glauben auch noch tatsächlich an diese selbsternannte Wunderheilerin GRETA. Schlimm, einfach nur noch schlimm. Und überhaupt wer bucht die meisten klimaschädlichen Kurzstreckenflüge und verursacht das meiste Littering. Ganz genau, es sind diese heuchlerischen Leute jungen Alters.

  • Mario Simon am 10.07.2019 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kalt war es

    Was ist los? Neues früh musste ich einen Pullover anziehen so kalt war es. Und da im Juli. Wo ist Pipi Langstrumpf aus Schweden im mit das zu erklären.

  • Fredi Loong am 10.07.2019 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts

    Solche Blockaden werden in der Bevölkerung grösstenteils als störend empfunden. Darum bringen sie nichts.

  • Detlef Mühlemann am 10.07.2019 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig so

    Ganz ehrlich... diese Klima Demo`s bringen nichts... Geht vor den Flughafen oder so, dass keine Flieger mehr abheben können... Das würde schon mehr bringen.

  • Friedlich am 10.07.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verhaftung ganz legal!!

    Mindestens 3 Straftdellikten sind in der Schweiz strafbar.Hausfriedensbruch,Sachbeschädigungen und Nötigung.Ist besser sie machen Ihre Kundgebung in Holland!

    • Karel am 11.07.2019 12:37 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher nöd

      wir in Holland wollen eure Klimablablabla nicht. Bleibt daheim und sei ruhig :-)

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