Schaffhausen

17. Juni 2009 16:31; Akt: 19.06.2009 09:13 Print

Knastbruder gräbt sich frei

Die Schaffhauser Strafvollzugsbehörden wurden durch einen 21-jährigen Häftling filmreif übers Ohr gehauen: Der junge Mann hat sich in der Nacht auf Mittwoch in die spröde Sandsteinmauer ein Loch in die Freiheit gebrochen.

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Ein 21-jähriger Untersuchungshäftling ist in der Nacht zum Mittwoch aus dem Schaffhauser Gefängnis geflohen - in einer filmreifen Aktion. Er brach ein Loch in die Sandsteinwand und verliess die Zelle unbemerkt durch die Nordfassade. Der Geflohene sei nicht gemeingefährlich, teilte die Schaffhauser Polizei mit. Nach ihm wird jetzt national gefahndet. Trotzdem dürften sich die Polizeibeamten verwundert die Augen reiben.

Ein Loch in der Nordwand

Denn laut Polizeisprecher Patrick Caprez fiel morgens um 6 Uhr ein Loch in der Nordfassade des Gefängnisses auf. Eine Kontrolle zeigte dann, dass der 21-Jährige durch das Loch das Weite gesucht hatte. Er hatte - vermutlich mit einem harten Gegenstand aus der Zellenmöblierung - ein 25 mal 36 Zentimeter grosses Loch in die 60 Zentimeter dicke Mauer gebrochen. Die grösseren Brocken habe er in die Zelle gezogen, so dass nur wenige Steine aussen herunterfielen.

Probleme seit Jahren bekannt

Der junge Mann war wegen des Verdachts auf Drogenhandel in Haft. Im Schaffhauser Gefängnis sass er seit dem 12. Mai. Festgenommen worden war er in Basel-Land. Von dort wurde er für die Dauer der Untersuchung wegen Kollusionsgefahr nach Schaffhausen verlegt.

Seit Jahren wird in Schaffhausen nach einer Lösung für das in die Jahre gekommene Gefängnis gesucht. Es gilt als nicht mehr den neuen Anforderungen genügend. Damit, dass ein Häftling ein Loch durch die Mauer graben könnte, hat aber niemand gerechnet.

Auch im Thurgau

Dass auch neue Gefängnisse vor dieser Art von Ausbruch nicht schützen, haben die Thurgauer 2007 erlebt. Damals floh ein Häftling aus dem Teil des Gefängnisses in Frauenfeld, der aus den 1990er-Jahren stammt.

Der Rumäne war erst zehn Tage in Untersuchungshaft, als er mit einem Metallträger aus der Kopfstütze seines Bettes ein Loch in die doppelte Backsteinwand meisselte. Er konnte durch das Loch aufs Gefängnisdach gelangen. Trotz des dadurch ausgelösten Alarms gelang ihm die Flucht.

(meg/sda)