Vierfachmord Rupperswil

06. Februar 2019 16:14; Akt: 06.02.2019 16:42 Print

Landen Tatwerkzeuge von Thomas N. im Museum?

Die Staatsanwaltschaft möchte alle Spuren vom Vierfachmord in Rupperswil zerstören. Damit sind nicht alle einverstanden.

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In einem Rucksack, den die Polizei bei der Durchsuchung im Haus des Täters fand, fanden sich eine Pistole, Fesseln und Klebeband. (13. Mai 2016) Die Gerichtszeichnung zeigt Thomas N. zusammen mit Verteidigerin Renate Senn (rechts). Das Bezirksgericht Lenzburg tagt in den Räumlichkeiten der Mobilen Polizei in Schafisheim – unweit des Tatorts in Rupperswil. Strenge Eingangskontrolle: Hier gibt es einen Personen-Check wie am Flughafen. Dienstag, 7 Uhr: Eintreffen der Prozessteilnehmer. Dienstag, 6.30 Uhr: Zugangskontrolle für die Prozessteilnehmer am Bezirksgericht in Schafisheim. Der Prozess wird von in- und ausländischen Medien verfolgt. Nur kurz erhellte sich am frühen Morgen der Himmel. Danach war es wieder kalt und nass. Die Journalisten warten gebannt, bis die privaten Personen eintreffen, die den Prozess live verfolgen werden. Der Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil findet im Gebäude der Mobilen Polizei in Schafisheim AG statt. Aus Platzgründen verhandelt das Bezirksgericht Lenzburg den Fall in diesem Saal. Neben 65 akkreditierten Medienvertretern verfolgen 35 Privatpersonen die Verhandlung. Der heute 34-jährige Schweizer Thomas N. hat die Tat nach seiner Festnahme im Mai 2016 gestanden. Amtliche Pflichtverteidigerin: Die Aargauer Rechtsanwältin Renate Senn ist Spezialistin für Strafrecht und verteidigt den geständigen Täter. Bekannte beschreiben ihn als Einzelgänger: In diesem Haus in Rupperswil wohnte der Täter. Thomas N. wurde fünf Monate nach der Tat gefasst: Barbara Loppacher, leitende Staatsanwältin, informiert in Schafisheim über die Festnahme. (13. Mai 2016) Die Tat: Am 21. Dezember 2015 wurden in Rupperswil AG eine Mutter, ihre 13- und 19-jährigen Söhne und die 21-jährige Freundin des älteren Sohnes ermordet. Kriminaltechniker am Tatort. Ein Brand sollte die Spuren am Tatort verwischen. (21. Dezember 2015) Zuvor hatte der Täter die 48-jährige Carla S. gezwungen, an einem Bancomaten 10'000 Franken abzuheben. (21. Dezember 2015) Eine Sonderkommission aus rund 40 Ermittlern bearbeitete den Fall. Barbara Loppacher und Markus Gisin, der Leiter der Aargauer Kriminalpolizei. (18. Februar 2016) Die Polizei tappte lange im Dunkeln: Die Aargauer Behörden setzten eine Prämie von 100'000 Franken aus für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen könnten. (18. Februar 2016) Die Tat schockierte die Gemeinde Rupperswil: Bewohner gedenken der Opfer mit Kerzen. (24. Dezember 2015)

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Rund 270 Gegenstände wurden im Fall Rupperswil beschlagnahmt und in der Anklageschrift aufgenommen. Neben dem Rucksack mit einer Pistole, Kabelbindern und Klebeband auch ein Regenschirm sowie ein Notizbuch und Hundefotos.

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Was soll mit den Spuren und Tatwerkzeugen des Vierfachmords von Rupperswil passieren?

Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, plant die Staatsanwaltschaft nun, alle Gegenstände und Daten zu vernichten, die im Zusammenhang mit dem Vierfachmord sichergestellt wurden.

Jetzt regt sich allerdings Widerstand, und zwar aus den eigenen Reihen. Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau und Verantwortlicher für das Polizeimuseum in Aarau, sagte gegenüber der AZ: «Es wäre meines Erachtens ein Fehler, diese Gegenstände zu entsorgen.»

«In 30 Jahren sieht das anders aus»

Er sieht die Beweismittel als Gegenstände mit einem historischen Hintergrund. «Sie müssen aufbewahrt werden.» Graser möchte nicht, dass sie bereits in naher Zukunft im Museum ausgestellt werden. Das wäre wohl pietätlos. Er meint: «In 20 oder 30 Jahren sieht das womöglich anders aus.»

Graser hat angekündigt, ein internes Anliegen zu deponieren. Man hoffe, dass das Gericht einen entsprechenden Antrag unterstützen werde. Dann könnten der Rucksack und die Waffen doch noch im Museum landen.

(fss)