Zürich

13. Juli 2014 11:57; Akt: 14.07.2014 01:29 Print

Kompost-Toiletten sollen Toi-Tois ersetzen

Baustellen und WM-Bars setzen seit neustem auf die mobilen Kompost-Toiletten Kompotoi. Das freut nicht nur die Umwelt, sondern auch Gärtner und Bauern.

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Wer kennt sie nicht, die WC-Häuschen aus Plastik mit ihrem meist blau-weissen Anstrich. Sie feiern an Festivals und Public-Viewings in der Sommerzeit Hochkonjunktur. Weil der typisch chemische Geruch der mobilen Klos den Zürcher Jojo Linder (29) und seine Freunde nervte, entwickelten sie vor zwei Jahren die mobile Kompost-Toilette Kompotoi.

Mittlerweile stellt der Verein Kompotoi seine Holzhäuschen mit dem eingefrästen Herzchen auf Baustellen, an Festivals und Hochzeiten in der ganzen Deutschschweiz auf. In Zürich steht etwa derzeit ein Kompotoi beim Zirkus Knopf auf dem Kochareal und bis Sonntag erledigten die Besucher der WM-Bar Sportmen beim Bellevue ihr Geschäft auf eine umweltfreundliche Art und Weise.

Frauenurin eignet sich gut zum Kompostieren

Neu sei ihre Idee aber nicht, so Linder: «In SAC-Hütten etwa gibt es schon seit Jahren Kompost-Toiletten.» Dass allerdings diese nun wie die herkömmliches Toi-Tois für Veranstaltungen gemietet werden können, sei in der Deutschschweiz einmalig.
Die Kompost-Toilette verfügt über ein Pissoir für den Männerurin sowie ein normales WC für Kot und Frauenurin.

«So kommt der wegen der Pille hormonreiche Frauenurin nicht ins Wasser», sagt Linder. Gespült wird nicht etwa mit Wasser, sondern mit einem speziellen Einstreu, der den Geruch bindet. Laut Linder sind die darin enthaltenen Stoffe zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Die menschlichen Ausscheidungen landen in einem Tank, den Linder und sein Team täglich leeren: «Wir bringen sie dann in eine Kompost-Anlage – vermischt mit Biokohle entsteht dort aus dem Kot der perfekte Dünger.»

Kot ist der perfekte Dünger

Diesen möchte er in Zukunft den Bauern und Gärtnern weitergeben: «So kehrt der Human Output in den Nährstoffkreislauf zurück, wo er hingehört», sagt Linder zur «Schweiz am Sonntag». Denn bei den herkömmlichen Toiletten oder Toi-Tois landen die Ausscheidungen laut Linder im Abwasser, das dann in der Kläranlage gesäubert wird. «Exkremente sind also Abfall. Dabei können sie in den perfekten Dünger umgewandelt werden, den die Bauern heute noch aus Drittweltländern importieren müssen.»

Derzeit stehen zehn Toilettenhäuschen im Einsatz. Die Miete kostet etwa 400 Franken inklusive Reinigung und Leerung pro Tag – das sind 20 bis 30 Prozent mehr als bei Miettoiletten. Trotzdem kann sich der Verein Kompotoi vor Anfragen kaum retten. «Wir stellen in unserer Kompotoi-Scheune in Meilen immer mehr solche Toiletten her», so Linder, der sie auch fix in Restaurants oder Häusern installieren möchte.

(KV/som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pius K. am 14.07.2014 05:03 Report Diesen Beitrag melden

    Medikamente und Bakterien?

    und was ist mit Fäkalbakterien, Krankheiten und Medikamenten (Antibiotika z.B. und vieles Andere)? Wird das auch zersetzt oder wie? Ich weiss ja nicht .....

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  • Bibi am 14.07.2014 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chemo...und Co. ....

    Aber wie ist dass denn,wenn jemand starke Medikamente einnehmen muss und sich auf so einem Klo "entleert" ? Gelangen solche Giftstoffe schlussendlich auch in den Gärten?

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  • frog am 13.07.2014 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    reinigung

    und wie bitte wollt ihr das klo reinigen? weiss zwar nicht wie, aber so viele benutzer von toitoi häuschen schaffen es, nicht in, sondern neben die toilette oder das urinal ihre geschäfte zu erledigen. in diesem fall saugt doch das holz diese ekligen flüssigkeiten wie ein schwamm auf und das krigt man doch nicht wirkloch wider raus....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susi am 14.07.2014 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee gut! Holz lässt sich jedoch kaum reinigen...

    Diese Hütten lassen sich wohl kaum gut reinigen und mehrmals verwenden. Und die Treppe ist auch nicht für alle geeignet. Scheint nicht ausgereift zu sein...

  • Manfred Escher am 14.07.2014 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zierpflanzen?

    Der Kompost muss ja nicht gleich an den Salat. Zierpflanzengärtner und Baumschulen können den Nährstoff sicher gut brauchen.

  • JJ.K: am 14.07.2014 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    viel zu teuer

    bakterien ist das eine aber wieviel koks im Wasser unterwegs ist! Sieht nicht gerade nach Keinfrei aus. Und der Preis ist horrend hoch

  • R.Saubermann am 14.07.2014 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch?

    habe gedacht, das man den Abfall der Abwasserreinigungsanlage nicht mehr auf die Felder ausbringen darf? Wegen der Verseuchung mit Medis usw. Und das soll besser sein? Warum müssen dann die ARA's den Schlamm im Hochofen als Sondermüll verbrennen? Wer hat das bewilligt?

  • Walter Spahni am 14.07.2014 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    bei 400.-- / Tag!