Aargau

04. März 2019 19:21; Akt: 10.03.2019 18:45 Print

Kraftwerke kippen Plastik zurück in den Fluss

von Maja Sommerhalder - Aargauer Kraftwerke fischen Plastikabfall aus dem Fluss und kippen ihn dann wieder hinein: eine zulässige Praxis.

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PET-Flaschen und andere Plastikgefässe landen regelmässig in den Aargauer Flüssen. In den Rechen der Wasserkraftwerke bleibt der Müll hängen. Die Umweltorganisation Pro Natura kritisiert, dass die Betreiber den Müll zusammen mit Schwemmholz zwar herausfischen, ihn dann aber «ungesehen im Unterwasser entsorgen».

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Dies ist laut Pro Natura problematisch, weil das Plastik «in den Wirbeln im Unterwasser der Kraftwerke zu winzigen Partikeln zerrieben» wird. Die kleinen Teile könnten dann nicht wieder aus dem Wasser entfernt werden.

Wird bei sechs Kraftwerken angewandt

Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, wird diese Praxis bei sechs Flusskraftwerken im Kanton angewandt. Aus einer Antwort des Regierungsrats geht zwar hervor, dass das Gewässerschutzgesetz es verbietet, herausgeholtes Treibgut in den Fluss zurückzugeben. In Ausnahmefällen sei es aber zulässig, zum Beispiel dann, «wenn sich an einem Fluss mehrere Staustufen folgen».

Damit seien die rechtlichen Vorgaben eingehalten, doch in den letzten Jahren habe die Abfallmenge im Treibgut zugenommen und Plastik in Flüssen könne problematisch sein, schreibt die Regierung. Daher solle die heutige Praxis überprüft werden. Die zuständigen Fachstellen haben nun gemäss der Regierung den Auftrag erhalten, mit Kraftwerksbetreibern «allfällige Verbesserungsmöglichkeiten» zu diskutieren.

Aufwand schlicht zu gross

Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus der Stadt Zürich. Wie Harry Graf, Sprecher von EWZ, sagt, werden das Schwemmholz und der Müll vom Rechen der beiden städtischen Limmatkraftwerke in eine Mulde verfrachtet und dann entsorgt. «Dass man den Abfall einfach zum nächsten Kraftwerk weiterleitet, kommt für uns nicht infrage.» Trotzdem bleibe noch genug Schwemmholz – und leider auch Plastikabfall – im Fluss.

Beim Kraftwerkbetreiber Axpo heisst es auf Anfrage, dass man offen für eine akzeptable Lösung sei. Allerdings sei es schwierig, auf die Schnelle etwas zu ändern. «Der Aufwand wäre schlicht zu gross, überall den Plastikmüll zu sortieren», sagt Sprecher Tobias Kistner.

Denn die Kraftwerke liegen laut Kistner im Aargau relativ nahe beieinander. So wird etwa beim Standort Wildegg-Brugg das Geschwemmsel nicht herausgenommen, dafür aber wenige Kilometer weiter unten beim Wasserkraftwerk Beznau.

In Zürich geht es anders

Mikroplastik, so wie das Pro Natura kritisiert, landet laut Kistner dadurch aber nicht im Wasser. «Es gilt dabei zu beachten, dass seitens der Ökologie gewünscht wird, dass ein Teil des organischen Schwemmguts wie Holz oder Laub im Wasser verbleibt.» Littering sei leider ein gesellschaftliches Problem, dessen sich die Axpo bewusst sei. Mit verschiedenen Massnahmen versuche dies die Axpo zu bekämpfen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Loreley am 04.03.2019 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Was für dumme Menschen schmeissen einfach Müll in Gewässer! Unglaublich dumm und ignorant!

    einklappen einklappen
  • Heidi Heidnisch am 04.03.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausreden

    Ich lese hier nur Ausreden der Kraftwerkbetreiber und der Politiker hinter ihnen. Meistens gehts um Geld. Doch es steht vorläufig keine neue Erde zum Verkauf.

  • Alfred Krebs am 04.03.2019 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Arbeitsbeschaffung

    Das ist aber eine gute Arbeitsbeschaffung, ich gratuliere dem Kanton Aargau. Wenn das beim ersten Kraftwerk entfernt würde, hätten die unteren Kraftwerke viel weniger zum herausfischen. Man macht es sich heutzutage schon sehr einfach mit solchen Sachen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • deb_ch am 04.03.2019 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kraftwerke? Litterer?

    Man sollte halt mal auch die Verpackungsindustrie ins Visier nehmen. Selbst wenn man nämlich, pflichtbewusst, den Plastik zu sammeln und recyclen versucht: es fällt viel zuviel davon an! Dann sollte auch offensichtlich mutmassliches Littering richtig gebüsset werden. Und das Treibgut sollte tatsächlich gesammelt und wenigstens verbrannt, oder besser gar verwertet werden.

  • Otto Müller am 04.03.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfall im Fluss

    es ist doch unglaublich, dass der herausgefischte Abfall wieder in den Fluss geschüttet wird, damit ihn irgendwo weiter unten ihn wieder ein Kraftwerk ( ein Konkurent oder das Ausland) wieder herausfischen soll. Ist doch absurd. Dann darf man noch sagen, es sei zu teuer es zu sortieren, dabei gibts doch spezialisierte Firmen dazu. Aber die müsste mn ja bezahlen, was wir ja wiederum mit den Stromkosten tun. Unglaublich!!!!

  • Phylon am 04.03.2019 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    lieber AXPO CEO, sie bekommen ein gutes Honorar wegen ihrer VerANTWORTung! Wie lautet ihre Antwort auf so eine seldwylische abstruse Umwelttat! Bin gespannt.

  • Steuerzahler am 04.03.2019 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend...

    ....den die Kraftwerke gehören meistens Bund und Kantone. Wasser predigen und Wein trinken?

  • B Klauter am 04.03.2019 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so

    Fische ich als Privatperson Plastikmüll aus dem Wasser und werfe diesen anschliessend wieder zurück und werde dabei von der Polizei beobachtet, bekomme ich Garantiert eine Anzeige und werde vom Gericht zu einer Ordendlichen Busse verurteilt! Aber den kleinen Bürger mit immer mehr Gesetzen im Namen des Umweltschutzes sein schwer verdiendes Geld aus dem Sack stehlen. Super