Zürcher Obergericht

10. Mai 2012 08:00; Akt: 10.05.2012 15:39 Print

Krankenschwester trat Schwangeren in den Bauch

von Attila Szenogrady - Bei einem heftigen Streit hat eine Pflegefachfrau aus Pfaffhausen ihrer hochschwangeren Ex-Kollegin einen Tritt in den Unterbauch versetzt. Nun wurde sie verurteilt.

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Die heute 42-jährige Pflegefachfrau aus Pfaffhausen war mit der Geschädigten über mehrere Jahre hinweg gut befreundet. Bis sich die beiden aus Osteuropa stammenden Frauen eines Tages massiv zerstritten. Sie gingen sich fortan aus dem Weg. Bis zum 21. April 2011, als sich die beiden Damen zufällig in Zürich-Witikon in einem Bus trafen und sogleich zu zanken begannen.

Auf Ohrfeige folgte Tritt in den Bauch

Als die beiden Frauen bei einer Bushaltestellte ausstiegen, eskalierte der Streit. Die Beschuldigte bemerkte, dass ihre 33-jährige Gegnerin hochschwanger war und wünschte ihr, dass sie ein Monster zur Welt bringen sollte. Dann bedrohte sie sie sowie ihr Kind mit dem Tode und spuckte ihr mitten ins Gesicht. Worauf die Schwangere mit einer Ohrfeige reagierte und die Krankenschwester sofort zum Gegenangriff überging. Dabei trat sie dem Opfer in den Bauch. Die künftige Mutter wurde kurz darauf notfallmässig in ein Spital eingeliefert. Sie hatte einen Bluterguss am Unterbauch erlitten, wobei das Kind glücklicherweise unversehrt geblieben war. Die geschockte Patientin schaltete die Polizei ein und erstattete Strafanzeige.

Reflexhandlung geltend gemacht

Gestern stand die heute arbeitslose Pflegefachfrau vor dem Zürcher Obergericht und beteuerte ihre Unschuld. Sie gab den Tritt grundsätzlich zu, machte aber eine Reflexhandlung in einer Notwehrlage geltend. So sei sie zuerst geohrfeigt worden und habe sich nur gewehrt. Auch der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und warf der Anklagebehörde eine einseitig geführte Untersuchung vor. Rechtsanwalt Christian Widmer verneinte auch die Drohungen, die lediglich im Rahmen von gegenseitigen Beschimpfungen gefallen seien.

Schuldsprüche bestätigt

Das Obergericht folgte zum Schluss im Wesentlichen der Anklage und bestätigte in weiten Teilen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Demnach wurde die Pfaffhauserin wegen Drohung, versuchter Körperverletzung sowie Tätlichkeit zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 300 Franken Busse verurteilt. Das Obergericht führte die Schuldsprüche in erster Linie auf die widersprüchlichen Aussagen der Beschuldigten zurück. So hatte sie anfänglich den Tritt bestritten und sogar die erlittene Ohrfeige verneint. Zudem hatte sie sich auch zum Vorwurf des Spuckens unterschiedlich geäussert. Gerichtspräsident Peter Marti verneinte eine Bagatelle und führte aus, dass der Tritt bei der Geschädigten eine grosse Angst ausgelöst habe. Trotzdem kamen die Oberrichter zu einer Strafsenkung. Die erste Instanz hatte noch 210 Tagessätze festgelegt. Zu hoch für das Obergericht, da die Staatsanwaltschaft 150 Tagessätze für die Ersttäterin verlangt hatte. Sie wurde verpflichtet, ihrer Ex-Freundin eine Genugtuung von 500 Franken zu bezahlen. Über weitere finanzielle Forderungen soll ein Zivilrichter entscheiden. Der Fall hätte viel schlimmer ausfallen können, erklärte der Verteidiger am Rande der Verhandlung.