1. Mai in Zürich

01. Mai 2012 14:00; Akt: 01.05.2012 16:19 Print

Kundgebung problemlos verlaufen

Der offizielle 1.-Mai-Demozug in Zürich ist friedlich verlaufen. Rund 12 000 Menschen - darunter auch Anhänger des Revolutionären Blocks - nahmen daran teil.

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Der Tag der Arbeit hat die Menschen in Zürich massenweise auf die Strasse gelockt. Rund 12 000 Personen nahmen am Umzug durch die Innenstadt und an der Kundgebung teil - 2000 mehr als im Vorjahr. Der von Gewerkschaften und dem 1.-Mai-Komitee organisierte Anlass verlief ohne Zwischenfälle.

Der St.Galler SP-Ständerat Paul Rechsteiner rief an der Kundgebung auf dem Bürkliplatz zu einer Neuorientierung der Linken auf. Nach 15 Jahren Neoliberalismus und Fehlentwicklungen sei es an der Zeit, das Ruder herumzureissen. Es brauche eine Lohnpolitik der Vernunft, klare Massnahmen gegen Lohndumping, anständige Mindestlöhne sowie mehr Wertschätzung der Arbeit und Respekt vor den arbeitenden Menschen. «Wer voll arbeitet, muss von seinem Lohn leben können», forderte der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.

Rechsteiner plädierte zudem für bessere Renten, die ein anständiges Leben ermöglichen. Das entspreche auch dem Verfassungsauftrag. Um all die Ziele zu erreichen, müsse sich die Linke neu orientieren und bereit sein, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen und Mehrheiten anzustreben. Den Kampf müsse die Linke nicht nur in den Städten, sondern auch in den Agglomerationen führen. «Es gibt kein Naturgesetz, dass die Agglo SVP ist», sagte Rechsteiner. Gute Löhne und gute Renten seien der Schlüssel für neue politische Mehrheiten.

Internationale Solidarität

Viel Applaus erntete auch der ägyptische Gewerkschafter Kamal Abbas, der zum ersten Mal seit der Revolution sein Land verlassen hat. Abbas betonte den Wert freier Gewerkschaften und internationaler Solidarität.

Bei der Revolution im vergangenen Jahr hätten die Arbeiter eine herausragende Rolle gespielt. Der Kampf werde weitergehen bis die Ziele erreicht sein. «Wir fordern Gerechtigkeit, ein Recht auf Arbeit, gerechte Löhne und ein menschenwürdiges Leben», sagte Abbas.

Eidkonsumenten statt Eidgenossen

Mit viel Sprachwitz nahm der Berner Schriftsteller Pedro Lenz die heutige Konsumgesellschaft aufs Korn. Er sprach die Teilnehmenden der Kundgebung mit «Genossinnen und Genossen» an, obwohl der Begriff aus der Mode gekommen sei. Aus Genossen seien Konsumenten geworden und aus der Eidgenossenschaft eine Eidkonsumentenschaft.

«Konsum ist die Religion unserer Zeit», sagte Lenz. Und wie bei jeder Religion sei es auch beim Konsum der Brauch, dass man nicht zu viel hinterfrage, nicht zu viel anzweifle, nicht zu viel widerspreche.

Lenz bedauerte, dass es kein Bewusstsein mehr für das Kollektiv gibt, in dem alle Platz haben. Es sei nicht zu verstehen, dass es nicht endlich selbstverständlich sei, dass man Werte und Rendite so verteile, dass es für alle genug gebe zum Leben.

Der 1. Mai sei geeignet, darüber nachzudenken, was die Alternative sein könnte zum Konsumwahn, zur Schönheitswahl und zum Starkult. Lenz forderte Gemeinschaftlichkeit und Solidarität über alle Grenzen und warnte vor Fremdenhass und nationalem Egoismus.

Friedlicher Zug durch die Innenstadt

Begonnen hatte die offizielle Mai-Feier mit dem traditionellen Umzug durch die Innenstadt. Auf Transparenten forderten die Teilnehmenden neben mehr sozialer Gerechtigkeit auch «Mehr Demokratie für alle - statt Geld und Macht für wenige» sowie die Bekämpfung von Lohndumping.

Das offizielle Motto der Gewerkschaften war auch in Zürich «Mehr Schutz, mehr Lohn, mehr Rente». Das 1.-Mai-Komitee hatte sich «Für unsere Rechte, eine gerade Linke» auf die Fahnen geschrieben. Unter den Teilnehmenden gab es viele Familien mit Kindern sowie Gruppen aus verschiedenen Ländern.

Laut Kantons- und Stadtpolizei Zürich hatten sich rund 300 Personen dem Zug angeschlossen, die der linksautonomen Szene zuzuordnen sind. Zu nennenswerten Zwischenfällen sei es jedoch nicht gekommen. Die Polizei hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass sie Ausschreitungen am 1. Mai im Keime ersticken werde.

Zum ersten Mal bildete Personal aus verschiedenen Branchen die Spitze des Umzugs. Vertreterinnen und Vertreter von Bau, Verkauf, Gesundheitswesen und Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich (VBZ) brachten an der Schlusskundgebung ihre Anliegen für bessere Arbeitsbedingungen vor.

Eine besondere Form des Protestes wählten die Sängerinnen und Sänger des Zürcher Opernhauses. Sie sangen den Gefangenenchor aus Verdis Nabucco. Mit einem selbst komponierten Rap verschafften sich die «Roten Falken», eine linke Kinder- und Jugendgruppe, auf dem Bürkliplatz Gehör.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Gebe ihnen vollkommen recht! Aber leider ist der Mensch sehr sehr vergesslich und viel zu oft nur auf sich selbst fixiert. Seien wir unseren Gross- und Urgrosseltern dankbar und sehen wir die heutigen Rechte in allen Lebenslagen nicht als selbstverständlich an. Menschen haben dafür gekämpft und sie haben sich dafür eingesetzt, dass unsere Schweiz heute so ist wie sie ist! – Miriam

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 02.05.2012 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverachtend

    Friedliche Demo, wenn eine Kartonpuppe eines Menschen verbrannt wird? Hier zeigt sich die Menschenverachtung der Kreise, die immer laut nach "Toleranz" schreien. Es wäre am gutverdienenden SGB-Boss Rechsteiner gewesen, diese Aktion zu unterbinden. Aber eben, Alt-68er bleibt Alt-68er. Auch wenn es diesesmal ausnahmsweise nicht zu dem gewohnten Saubannerzug gekommen ist, ist dies kein Grund zu erwarten, dass das linksradikale Gesockse nun gleich den Friedensnobelpreis erhalten müsse.

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  • Zuerichind am 01.05.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    1. Mai ist mehr als Nötig!

    Toller 1. mai bis jetzt! 12000 Menschen am Bürkliplatz versammelt! Bravo ! hoffe es bleibt weiterhin friedlich

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  • zürich am 01.05.2012 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 mai

    heute wird wiederein lustiger tag

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni P. am 02.05.2012 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    1 Mai abschaffen

    Den ersten Mai abschaffen und dann hätten die linken keine Blattform mehr gegen Polizisten vorzugehen.

  • Berner Bär am 02.05.2012 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverachtend

    Friedliche Demo, wenn eine Kartonpuppe eines Menschen verbrannt wird? Hier zeigt sich die Menschenverachtung der Kreise, die immer laut nach "Toleranz" schreien. Es wäre am gutverdienenden SGB-Boss Rechsteiner gewesen, diese Aktion zu unterbinden. Aber eben, Alt-68er bleibt Alt-68er. Auch wenn es diesesmal ausnahmsweise nicht zu dem gewohnten Saubannerzug gekommen ist, ist dies kein Grund zu erwarten, dass das linksradikale Gesockse nun gleich den Friedensnobelpreis erhalten müsse.

    • Angestellter am 02.05.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Besser....

      hätte ich es auch nicht formulieren können.

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  • Zürcher am 01.05.2012 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ueli Maurer

    Völlig Dumm finde ich Aktionen wie die symbolische Verbrennung von Bundesrat Ueli Maurer. Das zeugt nicht gerade von viel Intellekt. Als Bundesrat steht er für unsere gesamte Nation. Da sollte links und rechts keine Rolle mehr spielen. Wer einzelne Individuen unserer Regierung auf derartig respektlose Art und Weise denunziert, sollte meiner Meinung nach gar kein Gehör bekommen.

    • Medienschelter am 02.05.2012 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Medien mitschuldig an Verwerflichkeit!

      Absolut einverstanden. Auf ein Blocher-Sujet zu pinkeln ist Kunst, Maurer-Pappmaché darf man ungestraft öffentlich verbrennen und findet sich noch cool darin, diese Respektlosigkeit auch noch im Beisein von Kindern zu begehen, die sicherlich viel Anstand und Respekt bei ihren Eltern lernen. Wehe, wie schon von anderen hier angemerkt, so etwas würde mit einer ausserhalb der SVP stehenden Person gemacht werden: Was für ein Aufschrei! Dass im Zusammenhang mit 50 Verhaftungen und diesem Vorfall in der Presse von friedlichen Umzügen die Rede ist, ist der eigentliche Skandal. Ausgewogene Medien?

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  • Rainer am 01.05.2012 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Linke Terroristen am Umzug!

    und niemand aus dem linken Lager stört sich daran, dass diese Chaoten unter dem Triumpfgeheul von SP und Grünen Ueli Maurer symbolisch verbrennen! Für mich ist das ein Aufruf zur Gewalt der nicht toleriert werden darf. Ist ja klar, dass der Vorfall von den linken Medien nicht einmal erwähnt wird. Man stelle sich den Aufschrei in der linken Tagespresse, SF TV oder Tele 24 vor wenn ein SVPler an einem Parteitag eine EWS oder Sommaruga Puppe verbrannt hätte! Soviel zu Anstand und Respekt der "Genossen"!

    • elin am 01.05.2012 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      ja, ich glaube auch das alle linken toooootal empört reagiert hätten wenn ein svp-ler jemanden vom linken langer "verbrannt" hätte. alle wollen links sein nur weil man bloss nicht mehr rechtsextrem werden will, was ja auch verständlich ist. aber linksextremismus ist genau so schlecht! wann werden die linken diesen fehler bloss einsehen?

    • Papierlischweizeer am 01.05.2012 23:19 Report Diesen Beitrag melden

      Rechtspopulistischer Zunder

      Sehr geehrter Rainer. Es könnte daran liegen, dass die SP und die Grünen, im Gegensatz zu denen, welche mit diesem eher dümmlichen Akt angesprochen werden sollten, diesem keine weitere Beachtung schenken wollen. Dies, um solchen Exponenten nicht das zu gewähren, worauf diese dämliche Aktion abzielt. Nämlich die mediale Präsenz. Schon mal darüber nachgedacht? Im Übrigen kommentieren Sie hier auf rechtspopulistischen Allegemeinplätzen, welche solche Aktionen überhaupt entstehen lassen. Verallgemeinerungen wie die Ihre sind Zunder in das Feuer der Linksautonomen.

    • Geissenpeter am 02.05.2012 06:36 Report Diesen Beitrag melden

      bravo!

      Ich finde es gut, wenn man EWS zu den Linken zählt. Sie wurde ja von denen gewählt und sie hat als Gegenzug immer links gewählt.

    • Rolf am 02.05.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      Haben sie sich wirklich einmal mit der Politik von EWS befasst? Ich glaube nicht. Die gute Frau ist stramm rechtsbürgerlich und wird auch nicht linker, wenn es wöchentlich behauptet wird.

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  • Peter Manthei am 01.05.2012 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Einen herzlichen Dank allen Polizisten, die heute im Einsatz sind. Ich schätze eure Arbeit sehr und bewundere euch.