Erlaubt oder nicht?

30. Januar 2013 10:45; Akt: 30.01.2013 14:23 Print

Kurz den Blick gesenkt - macht 300 Franken Busse

von A.Hirschberg - Wegen Unaufmerksamkeit am Steuer droht einem Zürcher Lenker eine saftige Busse. Sein Vergehen: Er soll beim Fahren mehrmals nach unten geschaut haben. Er hat Beschwerde eingereicht.

storybild

Einige Male nickte Franz Meier mit dem Kopf beim Autofahren, weil er zuerst die Freisprechanlage einschaltete und dann sein Natel wieder einsteckte. Polizisten, die ihn kontrollierten, wollen nun wegen Unaufmerksamkeit am Steuer ein Verfahren einleiten. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Franz Meier (Name geändert) fuhr am vergangenen Freitag durch Riedikon bei Uster, als sein Telefon klingelte. «Ich nahm über den Lautsprecher ab, redete kurz und hängte wieder auf», erzählt er. Dann bemerkte er, dass der Stecker zum Aufladen aus dem Handy gerutscht war und schob ihn einhändig wieder rein. Dabei sei sein Blick auf den Verkehr gerichtet gewesen. «Ich beugte mich nicht nach vorne, sondern sah nur kurz ein- bis zweimal nach unten.»

Währenddessen fuhr eine Patrouille der Kantonspolizei Zürich hinter Meier her und hielt ihn kurz darauf an. Die Beamten wollten wissen, ob er ein SMS geschrieben habe. Meier konnte ihnen beweisen, dass dies nicht der Fall war. Er erklärte, dass er einen Anruf über die Freisprechanlage entgegengenommen und danach den Stecker wieder ins Telefon geschoben habe.

Verzeigung wegen Kopfnicken

«Die Beamten sagten mir, dass sie im Rückspiegel meines Wagens ein paar Mal eine Nickbewegung meines Kopfes bemerkt hätten.» Darum werde er wegen Unaufmerksamkeit am Steuer verzeigt. Es soll ein Verfahren beim Statthalteramt eingeleitet werden. Meier würde dabei mindestens 300 Franken zahlen müssen für Busse und Verfahrenskosten.

An seinem Fahrverhalten auf der kurvigen Strecke hatten die Beamten hingegen nichts auszusetzen. «Sie bestätigten mir, dass dieses die ganze Zeit korrekt und einwandfrei gewesen sei», so Meier. Er werde einzig wegen seines Kopfnickens verzeigt.

Beschwerde eingereicht

Meier kann die Verzeigung nicht verstehen. «Auch zum Bedienen der Lüftung oder zum Einschalten der Heizung muss ich kurz nach unten schauen. Das kann doch nicht strafbar sein», ärgert er sich. Darum hat er mittlerweile bei der Kapo Zürich eine Beschwerde eingereicht und der Rechtsdienst der Kantonspolizei beschäftigt sich jetzt mit seinem Fall.

Die Kapo Zürich bestätigt die Kontrolle in Uster. «Zum konkreten Fall können wir aufgrund des laufenden Verfahrens keine Aussagen machen», sagt Mediensprecher Marc Besson.

Die Rechtslage ist in diesem Fall unklar. In der Verkehrsregelverordnung steht lediglich, der Fahrzeugführer dürfe beim Fahren keine Verrichtungen vornehmen, welche die Bedienung seines Fahrzeugs erschweren.


Feedback
Was haben Sie schon erlebt in Sachen Ablenkung am Steuer? Anregungen, Hintergürnde Informationen? Mail an: feedback@20minuten.ch

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Aufmerksamkeit ist schon sehr wichtig beim Auto fahren. Doch eine (kostenlose) Ermahnung seitens der Polizei hätte meiner Meinung nach gereicht, zumal er sonst ja korrekt fuhr! Das riecht mir ziemlich nach Beamtenwillkür!! – Harry

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter R am 02.02.2013 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Was darf man eigentlich noch?

    Es gibt in der Schweiz offenbar nicht genügend Kriminelle, dass die Polizei Zeit hat, um korrekt fahrende Autofahrer derart zu schikanieren. Wenn man während der Fahrt nicht einmal mehr kurz nach unten schauen darf, darf man auch nicht mehr auf den Tacho schauen um die Geschwindigkeit abzulesen, und demzufolge darf man auch nicht mehr verzeigt werden, wenn man zu schnell fährt.

  • Autofahrerin am 01.02.2013 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    2 Jahre Bewährung!!

    Weil mein Sohn im Stau kurz das Handy in den Händen hatte bekam er eine Busse von Fr. 140.-- aufgebrummt und ihm wird der Ausweis für 1 Monat weggenommen, wenn er innert 2 Jahren für ein weiteres "kleines Vergehen" gebüsst wird. Völliger Verhältnisblödsinn und Beamtenwillkür ist das!!!

  • Andreas Stalder am 01.02.2013 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehle Sonnenschutzfolie

    Eigentlich verdeckt die Kopfstütze den Kopf für den hinter einem fahrenden Wagen. Somit kann der Fahrer des Polizeiautos nichts beobachtet haben, sondern höchstens der Beifahrer. Das gibt dann die berühmte Aussage-gegen-Aussage-Situation. Sonst empfehle ich, die Heckscheibe innen mit einer Sonnenschutzfolie zu bekleben. Dann sieht man von hinten nicht mehr ins Auto und solche Vorwürfe können gar nicht entstehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter R am 02.02.2013 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Was darf man eigentlich noch?

    Es gibt in der Schweiz offenbar nicht genügend Kriminelle, dass die Polizei Zeit hat, um korrekt fahrende Autofahrer derart zu schikanieren. Wenn man während der Fahrt nicht einmal mehr kurz nach unten schauen darf, darf man auch nicht mehr auf den Tacho schauen um die Geschwindigkeit abzulesen, und demzufolge darf man auch nicht mehr verzeigt werden, wenn man zu schnell fährt.

  • Simon am 02.02.2013 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kleinliche Polizei

    Ich schliesse mich der Meinung von Harry an. Dies ist meiner Meinung nach eine "Grauzonensituation". Also im zweifel für den Angeklagten. Aber nein, dann fehlen der Staatskasse 300.-. Als Berufsfahrer erlebe ich immer des öfteren, dass die Polizei immer kleinlicher, ich würde sogar sagen dreister wird. Vor 50 Jahren war man noch froh wenn niemand mit 200 durchs Dorf donnerte, und heute, 50 Jahre später, bekommt man bei 25km/h zuviel, bis zu 30 Tage haft..... Für mich unverständlich, für die Polizisten ein "Umsatzdruck" aus der Cheffetage.

  • Andreas Stalder am 01.02.2013 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Empfehle Sonnenschutzfolie

    Eigentlich verdeckt die Kopfstütze den Kopf für den hinter einem fahrenden Wagen. Somit kann der Fahrer des Polizeiautos nichts beobachtet haben, sondern höchstens der Beifahrer. Das gibt dann die berühmte Aussage-gegen-Aussage-Situation. Sonst empfehle ich, die Heckscheibe innen mit einer Sonnenschutzfolie zu bekleben. Dann sieht man von hinten nicht mehr ins Auto und solche Vorwürfe können gar nicht entstehen.

  • speedy von Oberland am 01.02.2013 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    KAPO Zürich =fragwürdig

    Das Vorgehen der Zürcher Kantonspolizisten ist schon länger fragwürdig. Meinem Sohn wurde ein Vergehen vorgeworfen, dass er nicht begangen hatte und als Lügner hingestellt. Als ich Einsicht in die Akten haben wollte, waren diese nicht vorhanden.Der Rechtsdienst der Polizei hatt nichts unternommen. POLIZEI DEIN FREUND UND HELFER war einmal.Heute zocken diese nur noch ab und bei Notrufen haben Sie keine Zeit.

  • Autofahrerin am 01.02.2013 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    2 Jahre Bewährung!!

    Weil mein Sohn im Stau kurz das Handy in den Händen hatte bekam er eine Busse von Fr. 140.-- aufgebrummt und ihm wird der Ausweis für 1 Monat weggenommen, wenn er innert 2 Jahren für ein weiteres "kleines Vergehen" gebüsst wird. Völliger Verhältnisblödsinn und Beamtenwillkür ist das!!!