Mobimo gibt nach

20. Januar 2014 10:37; Akt: 21.01.2014 16:08 Print

Labitzke-Besetzer dürfen bis Ende März bleiben

Einen Teil des besetzten Labitzke-Areals in Zürich lässt die Besitzerin weitere zwei Monate stehen. Ein Gebäude wird aber abgebrochen. Die Polizei hat die Räumung des Hauses kontrolliert.

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Das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten: Deren Besetzer müssen nun wohl definitif ausziehen. Das Zürcher Obergericht lehnt ihre Berufung gegen die vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses ab, wie es am Donnerstag mitteilte. Die Besetzer wollen aber noch nicht gehen. Sie versuchen sich mit rechtlichen Mitteln so lange wie möglich gegen die Räumung zu wehren. Farbenfroh ist das Motto in den besetzten Häusern. Dabei sieht es gar nicht froh aus um die Bewohner des Areals: Im Januar 2014 (Bild) war bereits ein Teil geräumt worden. Um sicherzustellen, dass sich keine Besetzer mehr im Gebäude befinden, ist am Montagmorgen, 20. Januar 2014, viel Polizei vor Ort. Zu einer polizeilichen Räumung kommt es aber nicht: Die Besetzer haben das Gebäude bereits verlassen. Während das Gebäude Albulastrasse 38/40 (links im Bild) abgebrochen wird, bleiben die weiteren zwei Gebäude (rechts im Bild eines davon), für die ebenfalls eine Abbruchbewilligung vorliegt, noch bis Ende März stehen. Die Besetzer dürfen solange dort bleiben. Bis im Frühling will Mobimo zudem die Baubewilligung für die Überbauung des Areals einreichen. Die Immobilienfirma rechnet damit, die Bewilligung bis im Herbst zu erhalten. Bis dann müssen die kontaminierten Gebäude und der mit Altlasten belastete Boden abgetragen sein. Die Besetzer hatten aber Abbruch auf Vorrat gewittert: Als am Freitag, 2. Januar 2014, die meisten Mieter ihre Schlüssel abgaben, besetzten Autonome die frei werdenden Räume. Bis dahin hatte sich die Besetzung des Labitzke-Areals auf Baracken im hinteren Teil des Areals beschränkt. Die Besetzer dort nennen sich Autonomer Beauty Salon. Den Zugang zum Areal haben die Besetzer zum Teil verbarrikadiert. Die Arealeigentümerin Mobimo wollte eigentlich alle Gebäude, deren Mieter Ende 2013 ausziehen mussten, unbewohnbar machen. In diesem Haus, in dem einst der Gayclub Aera untergebracht war, gelang dies ... ... auch die ehemalige Zuckerfabrik konnte man vor einer Besetzung schützen. Dabei gibt es auf dem Areal nicht nur Besetzer, sondern immer noch rechtmässige Mieter, die auf dem Areal wohnen dürfen - dank einer Mieterstreckung bis Ende Februar. So wie diese WG hier. Auch diese WG darf bis Ende Februar bleiben. Bis zu 10 Personen leben und arbeiten hier. Wer hier wohnt, geniesst den tiefen, gesunden Schlaf in einer luftigen Passerelle, die zwei Fabrikgebäude verbindet. Das Gebäude auf der anderen Seite wird nun abgebrochen. Weil die Heizung nicht mehr läuft, müssen die Mieter inzwischen auf Elektroöfen zurückgreifen. «Wo ist die gültige Baubewilligung?»: Dies fragen die Besetzer auf einem Transparent an der Hauswand. Erst wenn eine solche vorliegt, würde die Stadtpolizei Zürich das Areal nach gängiger Praxis räumen.

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Im Streit um das Labitzke-Areal haben sich Stadt und Mobimo geeinigt: Ein Teil der Gebäude, die bereits im Januar hätten abgerissen werden sollen, bleibt noch erhalten. Dafür wird die Immobilienfirma das Gebäude an der Albulastrasse 38/40 abreissen.

«Es ist ein Entgegenkommen von uns, mit dem sich Stadt und Besetzer einverstanden erklärt haben», bestätigt Sprecherin Christine Hug von der Mobimo AG. Nach Verhandlungen mit der Stadt habe man diese Lösung gefunden, die für alle stimme. «Da wir nun das Gebäude Albulastrasse 38/40 abbrechen können, sind wir weiterhin im Zeitplan», so Hug weiter.

Polizei kontrollierte geräumtes Gebäude

Die Stadt Zürich zeigt sich überzeugt, dass Mobimo gewillt sei, das Projekt so rasch wie möglich zu realisieren. Es habe einen Projektwettbewerb gegeben, der vom Architekturbüro Gigon-Guyer gewonnen wurde. Im Frühling solle das Baugesuch eingereicht werden. Dass Mobimo bereits vor Erteilung der Baubewilligung die kontaminierten Gebäude und die von Altlasten belasteten Böden abtragen wolle, kann die Stadt nachvollziehen.

Am Montagmorgen waren Polizei, Vertreter von Stadt und Mobimo vor Ort und kontrollierten, ob sich keine Besetzer mehr im Gebäude an der Albulastrasse 38/40 befanden. Zu einer polizeilichen Räumung kam es aber nicht. «Das Gebäude ist leer und die Abbrucharbeiten haben bereits begonnen», so Hug noch am Morgen.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ordnung Bitte am 20.01.2014 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ja mal gespannt...

    ...wer dann auch die ganze Sauerei wegräumt? Bin gestern vorbeigelaufen. Im Moment liegt meterhoch Müll auf dem Areal (TV-Geräte, Karton, Säcke etc.). Wahrscheinlich wird die Räumung und Entsorgung wieder von der Allgemeinheit (also uns) bezahlt. Abfall wird auch verfeuert (schwarzer Rauch aus Kaminen). Zudem wird der Durchgang versperrt. Wer im Gebiet Kappeli wohnt und zur Hohlstrasse runter will (31-Bus), muss über Gerümpel und Müll steigen. Nachts trau ich mir das gar nicht mehr zu... ich will mir ja nicht das Genick brechen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ordnung Bitte am 20.01.2014 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ja mal gespannt...

    ...wer dann auch die ganze Sauerei wegräumt? Bin gestern vorbeigelaufen. Im Moment liegt meterhoch Müll auf dem Areal (TV-Geräte, Karton, Säcke etc.). Wahrscheinlich wird die Räumung und Entsorgung wieder von der Allgemeinheit (also uns) bezahlt. Abfall wird auch verfeuert (schwarzer Rauch aus Kaminen). Zudem wird der Durchgang versperrt. Wer im Gebiet Kappeli wohnt und zur Hohlstrasse runter will (31-Bus), muss über Gerümpel und Müll steigen. Nachts trau ich mir das gar nicht mehr zu... ich will mir ja nicht das Genick brechen!

    • Tobias Meier am 20.01.2014 14:30 Report Diesen Beitrag melden

      Ordnung

      Die 'Sauerei' wurde von MieterInnen hinterlassen, die überstürzt ausziehen mussten - war schon vor der Besetzung da. Der Durchgang wird die nächsten 2 Jahre von einer Baustelle versperrt sein, ist nämlich Privatstrasse.

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