Zürich-Altstetten

30. Juli 2014 14:30; Akt: 05.08.2014 12:35 Print

Labitzke soll nächste Woche geräumt werden

Die Besetzer des Zürcher Labitzke-Areals wehren sich mit Aktionen gegen die Räumung, die für nächste Woche angekündigt sein soll. «Sorgt für Unordnung in der Stadt», schreiben sie.

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Das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten wurde am 7. August 2014 geräumt. Auch die Feuerwehr war vor Ort. Die Beamten versuchten sich durch ein Nebengebäude einen Zugang zum Areal freizuschweissen ... ... einige Polizisten nahmen den Weg durch die Büsche. Andere kamen übers Dach und verhafteten dort erste Besetzer. Auch er sass hier wohl nicht mehr allzu lange. Die letzten Besetzer hatten sich auf einem Turm verschanzt. Mit Sprechgesängen und Barrikaden versuchten die Besetzer die Räumung zu verhindern. Die Polizei forderte jene auf dem Turm auf, herunterzukommen. Vorerst ohne Erfolg. Zwischendurch gaben die Besetzer Rauchzeichen vom Turm. Einer der Besetzer wurde von einem 12 Meter hohen Holzturm geholt und abgeführt. Ein weiterer Aktivist wurde abgeführt. Auch für diesen Herrn war das Abenteuer vorerst beendet. Hier liessen sich drei Polizisten mit einer Drehleiter in die Höhe fahren, um die Besetzer auf dem Turm zu beobachten. Nun näherten sich die Polizisten dem Turm (links) auch über das Dach des Nebengebäudes. Um kurz nach 11.30 Uhr holte die Polizei einen Besetzer nach dem anderen vom Turm herunter. Auch für sie hatte nun das letzte Stündchen auf dem Areal geschlagen. Hier wurden die letzten Besetzer des Turms von der Polizei abtransportiert. Nun wurden grosse Fahrzeuge in Position gebracht, um das Gebäude zu räumen. Die Journalisten mussten sich mittlerweile hinter den Wasserwerfer begeben. Sympathisanten der Besetzer reagierten mit einer unbewilligten Demo auf der Hohlstrasse - sechs Personen wurden deswegen festgenommen. Die Polizei ist auf das Labitzke-Areal vorgedrungen. Eine erste Person wurde von der Polizei abgeführt. Auch die Feuerwehr und die Sanität waren vor Ort. Die ehemalige Farbfabrik war seit Jahren besetzt. Die letzten verbleibenden Mieter hätten im März 2014 das Gebäude verlassen müssen - gegangen sind sie schliesslich am 4. August. Das Labitzke-Areal am Tag der Räumung. Mit einem Grossaufgebot rückte die Zürcher Polizei in Altstetten an, um das Labitzke-Areal zu räumen. Die Polizei formierte sich auf der Hohlstrasse. Die Hohlstrasse war für jeglichen Verkehr gesperrt. Das Areal wurde grossräumig abgesperrt. Am Dienstag hatte ein besonders hartnäckiger Demonstrant seine Arme für Stunden in zwei mit Beton gefüllte Container gesteckt. Bereits letzten Winter begannen die Abrissarbeiten auf dem Labitzke-Areal. Dies störte die Besetzer und führte zu Demonstrationen. Das Labitzke-Areal war vom Autonomen Beauty Salon besetzt. Auf dem Areal der ehemaligen Farbenfabrik Labitzke sollen acht Hochhäuser mit 245 Wohnungen gebaut werden. 750 bis 800 Menschen werden einst auf dem Gelände leben und arbeiten. Die Besetzer störten im Juni 2013 die Medienkonferenz, an der das Bauprojekt präsentiert wurde. Mobimo betreibe hier Abriss auf Vorrat, kritisieren die Besetzer: «Es geht doch nur darum, dass wir möglichst schnell ausziehen.»

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Für die Labitzke-Besetzer und die letzten Mieter schlägt Anfang August das letzte Stündchen – sie müssen das Areal in Zürich-Altstetten verlassen. Doch diese denken nicht daran. Sie wollen Widerstand leisten gegen die Räumung, die auf nächste Woche angekündigt sein soll, wie die Aktivisten heute Mittwoch bekanntgaben.

Gemäss Mitteilung verlieren die letzten Mieter am kommenden Montag um 7.30 Uhr ihr Zuhause. Auf den Dienstag sind diverse Aktionen gegen die Räumung geplant. «Kommt ins Labitzke-Areal, macht mit und sorgt für Unordnung in der Stadt!», schreiben sie und rufen damit zur Solidarität auf. Für Essen und Schlafplätze sei gesorgt.

«Taktische Gründe»

Christine Hug, Sprecherin der Arealeigentümerin Mobimo, sagt zur Räumung «aus taktischen Gründen» nur so viel: «Den Besetzern wurde ein Auszugtermin kommuniziert, den ich nicht nennen darf.» Falls diese an jenem Tag noch vor Ort seien, werde man einen Strafantrag stellen.

Auch den Mietern habe man einen Auszugtermin mitgeteilt. Falls diese am besagten Tag noch vor Ort sein werden, müsse eine Ausweisung aufgegleist werden. Dies würde dann über das Stadtammann-Amt laufen. Hug: «Mehr kann ich nicht dazu sagen.»

Stadtpolizei-Sprecherin Judith Hödl sagt zur angeblichen Räumung bloss: «Wir stehen mit der Mobimo und mit dem städtischen Hochbaudepartement in Kontakt.»

Anfrage beim Stadtrat hängig

Noch hängig ist bei der Stadt eine dringliche schriftliche Anfrage der Alternativen Liste vom 26. Juni. Darin fordert die Partei den Stadtrat auf, mit Mobimo und den Besetzern nochmals zu verhandeln. Die Antwort steht noch aus – Zeit dafür hat er eigentlich einen Monat.

Weil zurzeit Sommerferien sind, kann der Stadtrat die Anfrage gemäss Beat Grossrieder, Sprecher des Hochbaudepartements, jedoch frühestens an seiner ersten Sitzung nach den Ferien am 20. August behandeln. Dasselbe gilt für eine Stellungnahme zur Erklärung jener vier Gemeinderäte von GLP, Grüne, SP und AL, die sich am 10. Juli ebenfalls für die Besetzer starkmachten.

Ob die Anfrage und die Erklärung einen Einfluss auf eine allfällige Räumung haben könnten, ist unklar. Der Stadtrat hat sich laut NZZ zu einer ähnlichen Anfrage der AL bereits im Juni wie folgt geäussert: Mobimo habe aufgezeigt, dass das Bauprojekt ohne Verzögerung vorangetrieben werde, und es gelte deshalb, das rechtmässige Anliegen zu respektieren.

Vor Gericht abgeblitzt

Die letzten noch verbleibenden Mieter hatten im vergangenen Mai eine Mieterstreckung bis August akzeptiert, nachdem sie mit ihrer Berufung gegen ihre Ausweisung vor dem Zürcher Obergericht abgeblitzt waren. Das befristete Mietverhältnis hätte eigentlich Ende 2013 geendet, später wurde es nochmals bis März verlängert.

Auf dem Areal plant die Mobimo acht Gebäude mit rund 245 Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie. Das entsprechende Baugesuch hat das Unternehmen Anfang Juni eingereicht. Wegen der Altlastensanierung wurden erste Gebäude bereits Anfang Jahr abgerissen.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bald Haus Besi..Besetzer am 30.07.2014 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächste leere hütte ist meine

    Leerstehende häuser dürfen besetzt werden? Ja dann, ab ins nächste leerstehende haus! Wusste nicht das dies so einfach ist?!

  • Sam am 30.07.2014 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welch Schandfleck!

    Gerade in Zürich-Altstetten wären diese Wohnungen dringend nötig.

  • McWeber am 30.07.2014 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ideologen

    Wann begreift auch der letzte Ideologe und möchtegern Robinson dass diese Liegenschaften fremdes Eigentum sind??? Geht regelmässig arbeiten, dann könnt ihr auch eine Wohnung bezahlen! Strom beziehen ohne zu zahlen, Wasser ohne zu zahlen, hey goohts no??

Die neusten Leser-Kommentare

  • l.qUIRI am 31.07.2014 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die Linken erlauben sich alles

    Bei Herr Wolf und der Rest der ZH Regierung nicht anders zu erwarten. Aber wehe wenn man ihnen etwas bestetzen und wegnehmen würde. Die Linken haben das Gefühl sie können sich alles erlauben. Sozi = Diktatur oder was. Hier kann man Eigentum nicht einfach stehlen oder besetzten wir haben Gesetze. Wo ist die Polizei?

  • Michael Klein am 31.07.2014 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wo kommen wir denn dahin

    Auf das Zürich wieder ein Stück steriler wird, Bauherren und Vermieter noch reicher werden, Juppies Einzug halten und wieder Anstand und Ordnung herrscht.

  • schober charlie am 31.07.2014 03:05 Report Diesen Beitrag melden

    mal ehrlich

    Jetzt mal ehrlich: Wir schreiben das Jahr 2014 und es ist fast zu allen von uns schon mal durchgedrungen, dass das System irgendwie pleite & ökologisch sowieso nicht länger haltbar ist. Die profitorientierte Baupolitik Züreichs der letzten Jahre hat eine leb- & lieblose Glasbetonwüste mit Konsumzwang produziert, in der es immer weniger Platz hat für alles, was keine goldige Plastikkarte hat, oder sonst nicht ins Plastikbild passt & alle Jahre wieder versprechen uns die lieben Politiker_innen sich für Freiräume & eine lebendige & durchmischte Stadt stark zu machen.

    • michael klein am 31.07.2014 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      verstaubte ansichten

      yessss - und dazu kommt, das aus den ganzen kommentaren hier eine verstaubte mentalität des vergangenen jahrhundert - geht erstmal arbeiten - hervorklingt. gepaart mit der angst vor menschen, die nicht die gleiche wertvorstellung wie man selbst hat, die natürlich das mass aller dinge ist.

    einklappen einklappen
  • Besetzer am 30.07.2014 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Rechnung

    Es ist ganz einfach. So lange die Mieten so hoch sind und man nur für Reiche schaut, wird besetzt. Wir finden sonst sicher was anderes.

  • Stadtzürcher am 30.07.2014 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant zu sehen, ...

    ... wieviel Verständnis Herr Wolff diesmal aufbringt für seine 'interessante Alternative'!