Bezirksgericht Horgen

22. Juni 2011 18:28; Akt: 22.06.2011 18:33 Print

Lärmenden Freund fahrlässig erwürgt

von Attila Szenogrady - Aus Angst vor einer Kündigung ihrer Wohnung hat eine Adliswilerin ihren lärmenden Freund erwürgt. Das Gericht verurteilte sie wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten bedingt.

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Es war in der Nacht auf den 4. September 2009, als sich in einer Wohnung in Adliswil ein Drama abspielte. Eine heute 43-jährige Mieterin stritt sich mit ihrem um fünf Jahre jüngeren Freund herum. Das Paar war betrunken und stand unter Drogeneinfluss. Die einbeinige Frau hatte alleine eine ganze Flasche Wodka getrunken. Besonders negativ fiel jedoch ihr spanischer Lebenspartner auf. Er lärmte und polterte lauthals herum.

Als der Mann auch noch absichtlich ein Fenster einschlug, eskalierte die Situation. Die Angeschuldigte fürchtete sich vor einer Kündigung ihrer Wohnung und wollte ihren Freund endlich zum Schweigen bringen. Sie packte ihn mit beiden Händen am Hals, schüttelte ihn und drückte zu. Bis er erstickte und nur noch leblos am Boden lag. Als die Frau kein Lebenszeichen mehr bemerkte, alarmierte sie sogleich die Sanität. Diese konnte nur noch den Tod des Opfers feststellen. Die Würgerin verschwand danach für 371 Tage in Untersuchungshaft.

«Ich wollte ihn nicht töten»

Am Mittwoch musste sich die IV-Rentnerin wegen vorsätzlicher Tötung am Bezirksgericht Horgen verantworten. «Ich wollte ihn nicht töten», schluchzte die langjährige Heroinkonsumentin. Sie habe nur erreichen wollen, dass er endlich ruhig sei. Sie fühle sich heute «verschissen». So habe sie ihren Schatz umgebracht, sagte die körperlich beeinträchtigte Angeschuldigte aus. Sie musste sich bereits vor Jahren nach einem Sturz in einem Tram ein Bein amputieren lassen.

Der zuständige Staatsanwalt kannte dennoch kein Pardon. Er ging von einem Kapitalverbrechen aus und zeigte sich überzeugt, dass die Beschuldigte mit ihrem Vorgehen den Tod ihres Partners in Kauf genommen hatte. Als Strafe seien achteinhalb Jahre angemessen.

Erfolgreiche Verteidigung

Die Verteidigung verneinte eine Vorsatztat und setzte sich für eine milde Sanktion ein. Rechtsanwalt Andreas Mumenthaler machte dabei ein Versehen geltend und sprach von einer fahrlässigen Tötung. Dieser Auffassung folgte zum Schluss auch das Gericht. So sei es nicht feststellbar, wie lange und wie intensiv die Angeschuldigte das Opfer gewürgt habe, führte der Gerichtsvorsitzende aus. Zudem spreche auch das Nachtatverhalten für die Frau. Sie habe nicht nur sogleich die Sanität aufgeboten, sondern auch versucht, ihren Partner wieder zu beleben. Das Gericht setzte für die fahrlässige Tötung eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten fest.