Mit Bohrungen begonnen

15. April 2019 16:35; Akt: 15.04.2019 17:29 Print

Lagert bald Atommüll im Zürcher Unterland?

In Bülach wird seit Montag gebohrt. Die Nagra sucht nach einem sicheren Standort für ein Atommüll-Endlager.

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Die Regionen, in denen in der Schweiz ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle gebaut werden könnte, sind bekannt. Um aber den sichersten Standort wählen zu können, hat die Nagra am Montag in der Region Nördlich Lägern begonnen, in die Tiefe zu bohren.

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Der Bohrplatz befindet sich im Zürcher Unterland, ausserhalb von Bülach ZH auf einer sonst landwirtschaftlich genutzten Fläche. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) will mit dieser ersten Serie von Tiefenbohrungen das Bild des geologischen Untergrundes ergänzen.

Den sichersten Ort finden

«Wir sind nach jahrelanger Arbeit langsam auf der Zielgeraden», sagte Maurus Alig, Gesamtprojektleiter bei der Nagra, vor den Medien. «Die Daten, die wir jetzt mit diesen Bohrungen erheben, dienen uns, den besten und sichersten Ort für ein geologisches Tiefenlager zu finden.»

Erste Messungen hatten in der Vergangenheit gezeigt: In den Regionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost ist ein Lager für radioaktive Abfälle grundsätzlich möglich. Wie 3D-seismische Messungen zeigten, ist dort der Untergrund ideal und hat es ausreichend Platz.

Mehrere Hundert Meter in die Tiefe

Nun soll aber an diesen Standorten noch genau geprüft werden, wie das Gestein in der Tiefe beschaffen ist. Der Bohrkopf, der am Montag in Betrieb genommen wurde, wird nun sechs bis neun Monate lang rund um die Uhr in Betrieb sein. In einem ersten Schritt gräbt er sich nun mehrere Hundert Meter in die Tiefe.

Der Opalinuston, das Wirtgestein, in welchem das Tiefenlager gebaut werden soll, liegt etwa 900 Metern unter der Erdoberfläche. Mit den Bohrungen sollen aber auch die darüber- und darunterliegenden Gesteinsschichten untersucht werden, wie Alig erklärte. «Wir suchen in den Proben die wichtigen Eigenschaften, die für ein Lager erfüllt werden müssen.»

Tongehalt ist wichtig

So geht es etwa darum, die Mächtigkeit, die Durchlässigkeit und die Zusammensetzung des Wirtgesteins und der angrenzenden Gesteine genau zu untersuchen. «Wichtig ist auch der Tongehalt», sagte Alig. Je höher dieser ist, desto sicherer werden Abfälle eingeschlossen. «Man werde so lange bohren, bis man den sichersten Ort gefunden habe.

Insgesamt hat die Genossenschaft für die drei möglichen Regionen 23 Gesuche für Bohrungen eingereicht. Wie viele wirklich durchgeführt werden, hängt von den Ergebnissen ab. Pro Standort werden es laut Alig rund zwei bis drei sein. Eine Bohrung kostet 15 Millionen Franken.

Resultate bis 2022

Die Nagra erhofft sich, durch die Tiefenbohrungen «das geologische Gesamtbild der Standortregionen zu vervollständigen». Dieses soll dann ermöglichen, dass eine wissenschaftlich begründete Wahl der sichersten Tiefenlagerstandorte getroffen werden kann. «2022 sollten wir wissen, wo das Lager gebaut werden könnte», sagte Alig.

Dann werden die entsprechenden Rahmenbewilligungsgesuche ausgearbeitet und eingereicht. Nach Planung der Nagra wird es 2031, bis das Volk darüber entscheidet, und 2050 bis gebaut wird. Als nächstes wird jetzt aber im Sommer die zweite Tiefenbohrung durchgeführt, im Standortgebiet Zürich Nord in Trüllikon.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ma am 15.04.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strom

    Alle wollen Strom, doch die Natur mit Wind- und Solarparks verschandeln will niemand. Auch Kohlestrom möchte niemand haben. Atomkraftwerke sind (bis auf die Lagerung) die effizientesten und umweltfreundlichsten Stromerzeuger. Was wollt ihr denn???

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  • Dr.Kern am 15.04.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Frage

    Die Diskussion ob man ein Tiefenlager in der Nähe will oder nicht ist nicht relevant. Das Tiefenlager gehört an den sichersten Ort.

  • Simi am 15.04.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Garantie

    In Deutschland (Asse) dachte man auch jahrzehntelang, man hätte das ideale Endlager gefunden. Einstürze und Wassereinbrüche haben das Gegenteil bewiesen. Ein Endlager scheint stets nur ein Zwischenlager mit längerer Laufzeit zu sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Guschtaff am 16.04.2019 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atomindustrie

    Schon einmal vom Wort "Halbwertszeiten" gehört? Der Spuk ist erst nach einigen Jahrhunderten vorbei. Wer möchte das in seinem Garten? Die Atomindustrie macht es sich einmal mehr zu einfach. Ich bin sicher, dass nach jahrzehntelangen Milliardengewinnen schlussendlich noch die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.

  • Steff am 15.04.2019 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne, saubere Weste!

    Wie schön war doch die Zeit, als man Atomstom unter breiter Zustimmung als "saubersten Strom" bezeichnen und man den anfallenden Dreck ins Ausland schaffen konnte. Einige Kleingeister glauben da heute noch dran und verweigern Alternativen wie Windräder und Solaranlagen - die verschandeln ja unser schönes Heimatland. Stimmt, aber nur temporär - bis eine bessere Alternative gefunden wurde. Danach kann man sie problemlos rückbauen und bestrahlen nicht weitere 10'000 Jahre unsere Nachfahren. Und dann waren da noch Tschernobyl, Fukushima... aber so was blödes passiert uns Schweizern zum Glück nie..

  • Physiker am 15.04.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ein Erfolg

    Hoffentlich ist dies ein sicherer Lagerort ohne geologischen Probleme. Stand jetzt werden die Atomfässer einfach in irgendwelchen Lagerhäusern mit erhöhten Sicherheitsbestimmungen zwischengelagert. D.h., ein sicheres Tiefenlager ist besser als die jetzige Situation.

  • Nick am 15.04.2019 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher der falsche Ort

    Bülach? Fliegen da nicht jeden Tag ganz viele Flugzeuge ganz tief drüber? Egal wie gut die Gegend geologisch geeignet sein mag, aber dort radioaktive Abfälle lagern zu wollen gehört zu den dümmsten Ideen seit langem. Und nein, ich wohne nicht in der Gegend, verfolge also keine persönlichen Interessen.

  • Dani Wülser am 15.04.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder ins Programm aufgenommen.....

    Dieses Projekt wurde nach einer Rückstellung der Nagra und aufgrund des Ensi und einerAktennotiz - Zch RR Kägi weiss darüber Bescheid.... - wieder zu den bereits favorisierten Projekten Weinland & Bözberg reaktiviert. Lest das in wenigen Tagen erscheinende Buch des Kritikers, ex Ensi Mitgliedes und Fachmannes Marcos Buser....