Mietschulden

22. Februar 2011 22:33; Akt: 22.02.2011 20:03 Print

Lardelli musste Wohnung räumen

von Marco Lüssi - Milieu-Berater Alfredo Lardelli ist aus seiner Wohnung im Zürcher Kreis 4 geworfen worden. Er hatte monatelang keine Miete bezahlt.

storybild

Polizisten gestern vor dem Eingang der Wohnung im Kreis 4, die Alfredo Lardelli räumen musste. (aebi)

Fehler gesehen?

Gestern um 8 Uhr an der Zwinglistrasse 35 im Zürcher Rotlichtviertel: Betreibungsbeamte, eskortiert von acht Stadtpolizisten, betreten die Dreieinhalbzimmerwohnung im zweiten Stock. Dort wohnte und arbeitete seit 2005 der Milieu-Rechtsberater Alfredo Lardelli (54), im Innenhof des Hauses hielt er seine Bordeaux-Dogge Lupo. Weil Lardelli die Miete von 2600 Franken seit einigen Monaten nicht bezahlt hatte, hatte ihm sein Vermieter die Zwangsräumung angedroht. Dieser kam Lardelli zuvor, indem er Ende der letzten Woche auszog. «Ich habe alles in einem tadellosen Zustand hinterlassen», sagt er. Auch in dieser schwierigen Situation habe er sich vorbildlich verhalten wollen. Auf der Strasse stehe er nicht: Ein Klient stelle ihm eine andere Wohnung nahe der Langstrasse zur Verfügung, und Lupo geniesse bei einem neuen Herrchen das Landleben.

Doch gut geht es Lardelli nicht: «Ich stehe dazu, dass ich Geldsorgen habe», sagt er. «Ich bräuchte dringend eine Finanzspritze von mindestens 20 000 Franken.» Am 10. März 2010 hatte er mit seinem BMW beim Bahnhof Wiedikon einen spektakulären Unfall gebaut und lag danach im Spital. Der Vorfall habe ihn einen beträchtlichen fünfstelligen Betrag gekostet: «Das hat mir das Genick gebrochen.» Zwar sei er körperlich wieder auf dem Damm. «Doch psychisch habe ich Probleme, ich leide an einem Burnout.» Sogar Gerichtsverhandlungen habe er deshalb verschieben müssen. Bald werde er aber wieder auf die Beine kommen und sämtliche Schulden begleichen, ist Lardelli überzeugt. 14 Jahre sass er wegen Mordes im Gefängnis. «Wer eine so lange Zeit hinter Gittern überstanden hat, lässt sich nicht so schnell unterkriegen.»