Lehrerumfrage

03. Dezember 2015 12:19; Akt: 03.12.2015 12:19 Print

Lehrer geben Eltern schlechte Noten

Sie mischen sich zu viel oder zu wenig in die Ausbildung ihrer Kinder ein: In einer Zürcher Umfrage kritisieren Lehrer die Eltern scharf. Doch auch die Eltern sind unzufrieden.

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Auch Lehrer würden sich zuweilen unkooperativ zeigen, was die Zusammenarbeit mit Eltern angehe. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Das Verhältnis zwischen Lehrer und Eltern ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage des Zürcher Lehrerverbands, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. «Ich stelle eine Ernüchterung fest», sagt Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Besonders ernüchternd sei dabei das schulische Engagement der Eltern.

Umfrage
Finden Sie, dass Eltern sich mehr in der Schule engagieren sollten?
28 %
30 %
42 %
Insgesamt 255 Teilnehmer

Dieses ist im Kanton Zürich seit 2005 gesetzlich festgelegt: Das Volksschulgesetz verlangt, dass Schule, Eltern und Lehrer zusammenarbeiten und dass die Eltern mitwirken, wenn es um für das Kind wichtige Entscheide geht. Dies funktionierte anfangs nicht schlecht, die Euphorie hat mittlerweile aber wieder abgenommen.

«Grosses Unbehagen» der Lehrer

Laut der Umfrage geben rund zwei Drittel der befragten Lehrer an, die Eltern sollten sie «generell mehr respektieren». Ähnlich oft wurde bemängelt, dass die Eltern der Schule zu wenig vertrauen würden und sich zu oft einmischten. Ganze 70 Prozent finden sogar, die «Eltern sollten ihre Kinder wieder besser erziehen».

Aufgrund des Resultats der Umfrage diagnostiziert Lätzsch «ein grosses Unbehagen» von Seiten der Lehrer. Ein grundsätzliches Problem dabei sei das fehlende Interesse vieler Eltern am Schulalltag ihrer Kinder. Dafür gebe es verschiedene Gründe: Beispielsweise falle es bildungsfernen Eltern schwer, die Bedeutung der Schule wahrzunehmen. Fremdsprachige Eltern genierten sich oft aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse, und wieder andere Eltern seien beruflich derart beschäftigt, dass sie schlicht keine Zeit hätten, sich für die Schule zu engagieren.

«Ein gleichwertiges Gespräch ist nicht möglich»

Ein weiteres Problem stellen überengagierte Eltern dar. Diese seien oft gut gebildet und gutverdienend. Sie möchten mit allen Mitteln bewirken, dass ihr Kind ins Gymnasium kommt und erwarten, dass die Schüler bereits in der Primarschule lernen, fliessend Englisch zu sprechen. Dennoch betont Martin Wendelspiess, Chef des Zürcher Volksschulamts, dass die Mehrheit der Eltern keine Probleme bereiten würden: «Die meisten respektieren die Regeln.»

Die Präsidentin der KEO, der kantonalen Elternmitwirkungsorganisation in Zürich, Gabriela Kohler-Steinhauser kennt noch ein weiteres Problem, das allerdings auf der Seite der Lehrer anzusiedeln ist: «Viele Schulen haben sich nicht so geöffnet, wie es nötig wäre. Darauf reagieren manche Eltern scharf.» Besonders bei sonderpädagogischen oder disziplinarischen Entscheiden würden Eltern oft vor vollendete Tatsachen gestellt, anstatt in den Entscheidungsprozess miteinbezogen zu werden.

«Eltern werden bei solchen Gesprächen als Befehlsempfänger behandelt», so Kohler-Steinhauser. Solche Situationen würden dann als unangenehm empfunden. Daher biete die KEO Beratungen an, um Eltern auf solche Gespräche vorzubereiten. Dem stimmt auch Wendelspiess zu: «Ein gleichwertiges Gespräch ist da nicht möglich.» Es sei wichtig, dass vermieden werde, dass eine Mutter allein einer Fünfergruppe aus Pädagogen gegenübersitze.

(zed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hodor am 03.12.2015 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hodor? 

    «Eltern sollten ihre Kinder wieder besser erziehen». Genau dort liegt der hund begraben. Wenn mir ein befreundeter Schulleiter Müsterchen aus seinem Schulalltag erzählt, sträuben sich mir die Nackenhaare.

  • Sergio am 03.12.2015 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Eltern und Politiker sind Problem

    Das mit dem "besser erziehen" ist halt so ne Sachen. Die meisten Eltern sind schon nicht gut erzogen worden. Dazu kommt, dass 90% der Eltern ihre Zöglinge für den/die Intelligenteste, Schönste, Tollste und überhaupt den/die Beste halten. Wenn dann die schulischen Leistungen nicht stimmen, dann wird es schwierig. Nicht nur müssten sie ihr Bild vom eigenen Kind revidieren, nein, sie müssten sich ja selber auch an der Nase nehmen. Von Selbstkritik keine Spur. Einfacher ist es, dem Lehrer und dem Schulsystem die Schuld zu geben. Und dann gibt's pseudosozialen Aktivismus in der Politik...toll

    einklappen einklappen
  • marc am 03.12.2015 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    welch ein wunder...

    von erziehung keinen blassen schimmer usw. , von was sollen den auch gute noten kommen ?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lehrer am 06.12.2015 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder

    Nach einigen Jahren Unterricht in der heutigen jungen Generation hatte ich das Glück, zu Erwachsenen wechseln zu können. Diese Generation ist frech, undankbar, unbelehrbar und völlig verzogen. Ich kenne viele, die die gleiche Erfahrung machen mussten und sich dann durch Wechseln verbessert haben. Diese Generation? Nein, danke!

  • Meinrad Hoffmayer am 04.12.2015 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist schuld?

    Wer sollte einem leidtun? Die Eltern oder die Lehrer? Es wird viel zuviel fachfremd unterrichtet. Die Schüler spüren das. Ergibt in der Regel keinen guten Unterricht. Viele Lehrer sind reine Freizeitjober. Mit wenig Unterricht wird viel Geld verdient. Und die Eltern wiederum geben für verpasste Erziehung den Lehrern die Schuld. Ist ihr Kind bockig, faul oder verschlagen bzw. verlogen, behaupten sie der Lehrer lügt. Ihr Kind gibt sich jede Mühe aber der Lehrer ist nicht im Stande ihrem intelligentem Kind anständig was beizubringen.

  • martin winter am 04.12.2015 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur ich ich ich Ego Trip

    Erziehung ? heute ? ich lach mich schlapp. wenn ich früher was falsch gemacht habe (Unterschrift gefälscht) wurde mir eine runtergehauen aber sowas von. ich wusste das ich was falsch gemacht hatte und mir wurde so Respekt beigebracht. die heutige Jugend bekommt sowas nicht. nur Smartphone und alles supi. Respekt ? keine Spur. gehorsam? ja ne is klar. EGO pur. nur ich ich ich

  • Denker am 03.12.2015 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken Teil 2

    Daraus entsteht das Problem, dass sich Eltern oft mit ihren Kindern identifizieren und ihre Kinder müssen sie lieben, da ja die Welt so grausam zu ihnen ist. Dadurch können sie gar nicht mehr klar erziehen, denn dann würden sie das Risiko eingehen, von ihren Kindern nicht mehr "geliebt"zu sein.Man überbehütet seine Kinder und beim kleinsten Regen werden sie in die Schule gefahren usw. Lehrer, die dann kritisch werden, sind ein Störfaktor und müssen bekämpft werden...letztlich ist für ein Gelingen von Erziehung und Bildung ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten von Eltern und Lehrer unabdingbar!

  • Mark am 03.12.2015 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensschuhle zählt!

    Leider wird heute der Mensch nur auf die Schuhle reduziert .Das rechnen ist wichtig, auch schreiben, aber nicht nur. Denkt darüber nach...