Pädagogische Hochschule Zürich

03. Oktober 2016 22:43; Akt: 03.10.2016 22:43 Print

Lehrer in spe müssen intime Details preisgeben

Gewicht, Suchtprobleme und psychiatrische Behandlungen: Wer an der Pädagogischen Hochschule Zürich studieren will, muss intime Gesundheitsdetails preisgeben. Das stösst auf Kritik.

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Eine Frau wollte an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) studieren. Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens sollte sie neben einem Strafregisterauszug auch ein ärztliches Zeugnis abgeben. Kandidaten müssen in diesem Attest von ihrem Hausarzt Fragen zu Gewicht, Grösse, Blutdruck, Probleme mit Suchtmitteln, psychotherapeutischen Behandlungen oder Sprachstörungen beantworten lassen.

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Die PHZH-Vertrauensärztin sagte der Kandidatin einige Wochen später, dass man aufgrund dieses Zeugnisses Zweifel an ihrer Befähigung für den Lehrerberuf hat. Denn ihr Body-Mass-Index liege unter dem geforderten Grenzwert von 17,5 und sie habe in den letzten fünf Jahren psychologische Beratung in Anspruch genommen.

«Prozedere ist absurd und schikanös»

Also musste sie einen mehrseitigen Fragenkatalog beantworten. Sie sollte bei 140 Aussagen ankreuzen, inwiefern diese zutreffen. «Wer mir schaden will, muss mit meiner Vergeltung rechnen» oder «es gibt übernatürliche Kräfte», stand da etwa. Obwohl sie am Ende aufgenommen wurde, fand sie das Prozedere «absurd und schikanös». Zur NZZ sagte sie: «Ich bin körperlich und psychisch gesund, mein Gewicht ist seit Jahren konstant.»

Laut PHZH-Rektor Heinz Rhyn gibt es keine allgemeinen Ausschlusskriterien für die Lehrerausbildung wie etwa Untergewicht. «Die gesundheitliche Eignung wird immer individuell aufgrund des eingereichten Arztzeugnisses abgeklärt», sagt er. Die Notwendigkeit des ärztlichen Zeugnisses erklärt er mit der physischen und der psychischen Belastbarkeit, die es für diesen Job braucht. Zudem sei die PHZH gesetzlich verpflichtet, den Leumund sowie die persönliche und die gesundheitliche Eignung zu überprüfen.

Zweifel am Nutzen des Zeugnisses

Laut PHZH werden je nach Jahr bei rund 900 geprüften Dossiers zwischen 35 und 60 Personen für zusätzliche Abklärungen zu einem Gespräch mit der Vertrauensärztin der Hochschule aufgeboten. Aus gesundheitlichen Gründen nicht zugelassen wurde in den letzten fünf Jahren nur eine Person, einer weiteren wurden Auflagen gemacht. Ebenfalls zogen mehrere Kandidaten ihre Anmeldungen nach den vertrauensärztlichen Abklärungen zurück.

Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, bezweifelt den Nutzen der ärztlichen Zeugnisse: «Angesichts der ‹Erfolgsquote› und der Datenschutzproblematik ist fraglich, ob dieser Aufwand gerechtfertigt ist.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • i.o am 03.10.2016 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    i.O

    Ich studiere selber an einer PH und ich finde diese Abklärung völlig in Ordnung. Man kann keine psychisch oder auch physisch Kranken auf Kinder los lassen. Als Lehrperson hat man schliesslich eine Vorbildsfunktion.

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  • CaptainLonestarr am 03.10.2016 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann man machen

    Genauso gut könnte man die Argumente auch auf angehende Eltern anwenden. Eltern sein ist psychisch, physisch und intelkektuell sehr herausfordernd. Man sollte also nur solche Leute sich fortpflanzen lassen die diese Herausforderungen meistern können. Gibt ja schon genug schlechte Eltern

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  • M.L. am 03.10.2016 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so!

    Da die Dokumente mit Kosten verbunden sind, melden sich Leute die wohl nicht angenommen werden würden gar nicht erst an. Das sieht man 1:1 bei den Aufnahmeprüfungen zum Sportstudium. Lehrer sollen physisch und psychisch fit sein. Gibt genug schlechte Lehrer dadraussen die nicht dafür gemacht sind!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mel am 04.10.2016 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Hier musd man wenigstens ein Strafregisterauszug bringen nicht wie die Politiker der Schweiz..., dort ineressiert das niemand!

  • huschmie am 04.10.2016 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortungsvoller Beruf

    Je verantwortungsvoller der Beruf, umso umfangreicher sollen die Abklärungen sein. Wenn nichts gefragt wird, dann sind Sie bedeutungslos. Seid doch stolz, wenn ihr den Test trotz heiklen Fragen besteht.

    • Al Z. am 04.10.2016 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @huschmie

      Auch schon mal was von Persönlichkeitsschutz gehört? Die Frage stellt sich auch noch, wie geht die PH mit dem Datenschutz um? Es handelt sich ja um sensible Daten!

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  • Nena am 04.10.2016 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Srafauszug vorlegen

    Man sollte endlich einen Strafauszug vorlegen ,müssen wie bei anderen Firmen auch. Vor allem wenn man Menschen auf Kinder loslässt.

    • Lehrer am 04.10.2016 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      Da haben Sie aber keine Ahnung...

      Das muss man nämlich auch bereits vor dem Beginn der Ausbildung an der PH. Und wenn man eine Stelle antritt muss man sowohl Strafregisterauszug UND Sonderprivatauszug... Das nächste Mal vielleicht zuerst informieren wäre von Vorteil.

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  • Andreas am 04.10.2016 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Soviel Details braucht es um herauszufinden welche Mandalas geeignet sind?

  • priska am 04.10.2016 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kinderkriegen verbieten?

    Und wann werden angehende eltern getestet?

    • Uber Pruefer am 04.10.2016 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Kinder an die Macht

      Das wäre ja schon sehr sehr lange überfällig. Das man den schwierigsten Job auf Erden prüfungsfrei machen kann ist einfach nur fahrlässig.

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