Adlikon-Regensdorf ZH

03. Mai 2012 08:00; Akt: 03.05.2012 19:27 Print

Lehrling attackiert Zwei Drogendealer

von Attila Szenogrady - Um seine jüngeren Bruder vor Drogenkonsum zu schützen, hat ein Lehrling aus Regensdorf zwei Haschisch- Dealer attackiert und laut Anklage auch verprügelt. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht.

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Die knapp gehaltene Anklageschrift ging auf den 14. März 2011 zurück. Damals hielt sich ein heute 19-jähriger Lehrling aus Adlikon-Regensdorf am Bahnhof Zürich-Affoltern auf. Laut Staatsanwältin ging der Schweizer Staatsangehörige ausländischer Abstammung plötzlich zum Angriff über und attackierte zwei Jugendliche. Er schlug auf beide Opfer mit seinen Fäusten ein. Einer der Geschädigten erlitt einen Nasenbeinbruch. Nach 15 Minuten kam es zu einer erneuten Schlägerei, wobei der sportlich durchtrainierte Regensdorfer erneut den Sieg davontrug. Allerdings meldeten sich seine unterlegenen Gegner kurz darauf bei der Polizei und erstatteten Strafanzeige gegen ihn.

Bruder vor Drogen schützen wollen

Am Mittwoch musste sich der junge Regensdorfer wegen Körperverletzung sowie Tätlichkeiten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Bei einem Schuldspruch drohte ihm neben einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu 30 Franken eine Busse von 900 Franken.

Vor den Schranken beteuerte der Zürcher Unterländer seine Unschuld und kehrte den Spiess um. So habe sich bei den beiden Geschädigten um zwei bekannte Kiffer und Haschisch-Dealer gehandelt. Sie hätten versucht, beim Bahnhof Affoltern seinem jüngeren Bruder einen Joint zu verkaufen. Da habe er eingegriffen und sich die beiden Kiffer vorgeknöpft. Er habe den kräftigeren der beiden Drögeler am Kragen gepackt und ihn gewarnt. «Ich habe jedoch niemals zugeschlagen», hielt er fest und machte somit eine falsche Beschuldigung geltend. Zudem leide sein jüngerer Bruder an einer zystischen Fibrose. Für ihn könnte sich deshalb der Konsum von Haschisch fatal auswirken.

Verteidigung für Freispruch

Auch die Verteidigerin Elisabeth Ernst verlangte einen vollen Freispruch. Es sei ja gut möglich, dass der verletzte Geschädigte den Schlag vom einem anderen Drogenhändler erhalten habe oder von alleine umgefallen sei und sich so die Nase gebrochen habe, plädierte sie und verwies auf eine dünne Beweislage. Vor allem die Aussagen der beiden Dealer seien widersprüchlich ausgefallen. Einer von ihnen habe den Strafantrag gar zurückgezogen. Zudem habe kein unabhängiger Zeuge einen Schlag beobachtet.

Nicht klar, was passiert ist: Freispruch

Das Gericht kam nach einer kurzen Urteilsberatung zu einem vollen Freispruch. Es sei nicht klar, was passiert sei, erklärte der Gerichtsvorsitzende: «Was genau geschehen ist, lässt sich nicht mehr erstellen.» Zu widersprüchlich seien die belastenden Aussagen der Geschädigten ausgefallen, fuhr er fort und folgte damit der Verteidigung. Diese hatte auch kritisiert, dass es die Anklage nicht einmal fertig gebracht hatte, die genauen zeitlichen Abläufe der Ereignisse festzuhalten. Mit dem Freispruch erhält der Regensdorfer eine Prozessentschädigung von 9 500 Franken.