Therapie statt Knast

16. Dezember 2011 18:09; Akt: 16.12.2011 18:14 Print

Letzte Chance für Brutalo-Alkoholiker

von Attila Szenogrady - Ein Dübendorfer Trinker hat einem am Boden liegenden Gegner in den Kopf getreten und weitere Personen brutal attackiert. Nun erhält er in der Form einer stationären Suchtbehandlung eine letzte Chance.

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Schon das Bezirksgericht Zürich hatte im letzten März den heute 26-jährigen Automonteur aus Dübendorf verurteilt. Wegen versuchter schwerer Körperverletzung, räuberischen Diebstahls, mehrfachen Körperverletzungen sowie diversen weiteren Nebendelikten kassierte der Schweizer eine hohe, unbedingte Freiheitsstrafe von 46 Monaten.

Am Freitag bestätigt das Obergericht im Wesentlichen dieses Urteil. Allerdings mit einer bedeutenden Ausnahme. Im Gegensatz zum Bezirksgericht schoben die Oberrichter den Strafvollzug zugunsten einer stationären Massnahme auf. Am Prozess kam heraus, dass der Alkoholiker schon seit dem letzten Juni eine Suchtbehandlung im geschlossenen Rahmen aufgenommen und laut Klinik seither grosse Fortschritte gemacht hat.

Besiegten Gegner in den Kopf getreten

Das Obergericht gab dem Angeschuldigten eine letzte Chance. Auch wenn es von einer erschreckenden Brutalität des Schlägers sprach. Vor allem unter Alkoholeinfluss. So auch am 16. Januar 2010, als er sich im Zürcher Rotlicht-Milieu auf offener Strasse mit einem 36-jährigen Passanten herum prügelte. Der betrunkene Dübendorfer gewann dabei die Oberhand und warf seinen Gegner in ein Fenster einer Bäckerei hinein. Als der verletzte Geschädigte am Boden lag, trat ihm der Beschuldigte noch in den Kopf. Das Opfer erlitt dabei ein Schädelhirntrauma und einen Nasenbeinbruch.

Gewalt wegen Alkohol

Auffallend war, dass der Angeklagte jeweils unter Alkoholeinfluss aggressiv wurde. So auch am 12. April 2009, als er vor dem Dübendorfer Club Viper einen Gast spitalreif prügelte. Im Dezember 2008 schlug er in Zürich-Oerlikon zwei Fussgänger zusammen, weil sie ihm keine Zigarette gegeben hatten. Zu den Vorwürfen befragt, hinterliess der Beschuldigte nicht den besten Eindruck. So stritt er eine versuchte schwere Körperverletzung ab und machte Notwehr nach einem gegenseitigen Kampf geltend. Auch der Verteidiger, der wegen Teilfreisprüchen eine Strafsenkung auf noch 36 Monate verlangte. Vergebens, da das Obergericht beim Fusstritt eine Notwehrsituation verneinte. Immerhin kam die Verteidigung mit ihrem Antrag auf die Anordnung einer stationären Massnahme durch.

Der Angeklagte wurde verpflichtet, dem Opfer seines Fusstritts ein Schmerzensgeld von 1000 Franken zu bezahlen.