Zürich-Altstetten

20. März 2014 11:30; Akt: 20.03.2014 11:30 Print

Letzter Labitzke-Mieter bekämpft Ausweisung

Am 1. April soll auf dem Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten der Abbruch der verbleibenden Gebäude beginnen. Doch ein Mieter will nicht ausziehen und ruft das Obergericht an.

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Das Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten: Deren Besetzer müssen nun wohl definitif ausziehen. Das Zürcher Obergericht lehnt ihre Berufung gegen die vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses ab, wie es am Donnerstag mitteilte. Die Besetzer wollen aber noch nicht gehen. Sie versuchen sich mit rechtlichen Mitteln so lange wie möglich gegen die Räumung zu wehren. Farbenfroh ist das Motto in den besetzten Häusern. Dabei sieht es gar nicht froh aus um die Bewohner des Areals: Im Januar 2014 (Bild) war bereits ein Teil geräumt worden. Um sicherzustellen, dass sich keine Besetzer mehr im Gebäude befinden, ist am Montagmorgen, 20. Januar 2014, viel Polizei vor Ort. Zu einer polizeilichen Räumung kommt es aber nicht: Die Besetzer haben das Gebäude bereits verlassen. Während das Gebäude Albulastrasse 38/40 (links im Bild) abgebrochen wird, bleiben die weiteren zwei Gebäude (rechts im Bild eines davon), für die ebenfalls eine Abbruchbewilligung vorliegt, noch bis Ende März stehen. Die Besetzer dürfen solange dort bleiben. Bis im Frühling will Mobimo zudem die Baubewilligung für die Überbauung des Areals einreichen. Die Immobilienfirma rechnet damit, die Bewilligung bis im Herbst zu erhalten. Bis dann müssen die kontaminierten Gebäude und der mit Altlasten belastete Boden abgetragen sein. Die Besetzer hatten aber Abbruch auf Vorrat gewittert: Als am Freitag, 2. Januar 2014, die meisten Mieter ihre Schlüssel abgaben, besetzten Autonome die frei werdenden Räume. Bis dahin hatte sich die Besetzung des Labitzke-Areals auf Baracken im hinteren Teil des Areals beschränkt. Die Besetzer dort nennen sich Autonomer Beauty Salon. Den Zugang zum Areal haben die Besetzer zum Teil verbarrikadiert. Die Arealeigentümerin Mobimo wollte eigentlich alle Gebäude, deren Mieter Ende 2013 ausziehen mussten, unbewohnbar machen. In diesem Haus, in dem einst der Gayclub Aera untergebracht war, gelang dies ... ... auch die ehemalige Zuckerfabrik konnte man vor einer Besetzung schützen. Dabei gibt es auf dem Areal nicht nur Besetzer, sondern immer noch rechtmässige Mieter, die auf dem Areal wohnen dürfen - dank einer Mieterstreckung bis Ende Februar. So wie diese WG hier. Auch diese WG darf bis Ende Februar bleiben. Bis zu 10 Personen leben und arbeiten hier. Wer hier wohnt, geniesst den tiefen, gesunden Schlaf in einer luftigen Passerelle, die zwei Fabrikgebäude verbindet. Das Gebäude auf der anderen Seite wird nun abgebrochen. Weil die Heizung nicht mehr läuft, müssen die Mieter inzwischen auf Elektroöfen zurückgreifen. «Wo ist die gültige Baubewilligung?»: Dies fragen die Besetzer auf einem Transparent an der Hauswand. Erst wenn eine solche vorliegt, würde die Stadtpolizei Zürich das Areal nach gängiger Praxis räumen.

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Im Labitzke-Areal, das über zehn Jahre lang von alternativen Gruppen zwischengenutzt wurde, wird der definitive Abbruch wohl weiter hinausgeschoben. Ein letzter verbleibender Mieter möchte nicht ausziehen. Es handelt sich um eine Atelier- und Kreativgemeinschaft, die gemäss Mitteilung «noch keine entsprechende Alternative» gefunden hat. Die Partei stellt sich auf den Standpunkt, dass Brachen so lang wie möglich genutzt werden sollen. «Wer bauen will, soll zuerst eine Bewilligung einholen, statt langjährige Mieter gleich vor Gericht zu zerren», schreiben sie.

Das Baugesuch will Mobimo erst im April einreichen. Bis die Stadt die Bewilligung erteilt, wird es dann noch mehrere Monate dauern. In dieser Zeit will die Eigentümerin aber die bestehenden Gebäude abbrechen und den Boden von Altlasten sanieren. Eine Abbruchbewilligung vom Kanton liegt vor. Darum erwarte die Immobilienfirma, dass das grösstenteils besetzte Areal per 1. April geräumt wird, wie Sprecherin Christine Hug sagt. Gehen die Besetzer nicht freiwillig, will Mobimo die Polizei einschalten und eine Zwangsräumung veranlassen.

Hohe Geldforderungen an letzten Mieter

Diesem Vorhaben könnte nun der letzte Mieter einen Strich durch die Rechnung machen. Denn die durch das Bezirksgericht erwirkte Ausweisung hat die Gemeinschaft ans Obergericht weitergezogen. Dabei könnten beträchtliche Kosten auf die Mieter zukommen. «Mobimo hat uns auf hohen Schadenersatz verklagt», schreiben sie.

Derweil stehen die Baupläne des Unternehmens fest: «Wir rechnen damit, Ende Jahr mit dem Bau beginnen zu können», so Hug. Auf dem rund 10’000 Quadratmeter grossen Areal sollen mehrere Wohntürme mit insgesamt 245 Wohnungen erstellt werden.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ana am 20.03.2014 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestzer 

    Legt doch alle zusammen und KAUFT euch eine "komune". Dann habt ihr euren frieden, könnt jeden aufnehmen der gratis wohnen will und gut ist. Habe aber auch das gefühl, dass diese illegalität für viele einfach lifestile und cool ist. Ganz wenige sind WIRKLICH idealisten. Denn leben auf kosten anderer hat nichts mit fairness, sozialität etc zu tun. Es ist einfach nur egoistisch sofern es auf freiem willen und keiner unverschuldeten notlage gründet.Irgendeiner muss die kosten tragen. Wenn alle parasitär lebten, gäbe es bald nichts mehr zum drin leben. Soll der staat zahlen, aber steuern sind out?

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  • Einfach so am 20.03.2014 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verwerflich

    Gerne möchte ich mehr über diese Atelier- und Kreativgemeinschaft erfahren. Wahrscheinlich klagen diese als Gesellschaft und haben deshalb wenig zu befürchten, da es finanziell kaum etwas zu holen geben dürfte. Verwerflich bleibt solches Verhalten trotzdem, konnten sie doch die letzten 10 Jahre die Räume zu sehr günstigen Konditionen nutzen. Ein Recht auf lebenslang günstigen Raum gibt es nun mal nicht.

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  • Claudio Fleischmann am 20.03.2014 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mietvertrag?

    Die Mieter können ja mal ihren Mietvertrag veröffentlichen. Oder sagen wieviel Miete sie bezahlen. Aber wahrscheinlich sind es sowieso nur irgendwelche Schmarotzer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Josef Gasser am 20.03.2014 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Aktuell anderer Fall

    Irgendwo in der CH liegt ein Industriegelände brach und es wurde eine Zwischennutzung aufgebaut. Da sind auch wir (Gewerbebetrieb) unter anderem Mieter. Auch Gruppierungen die politisch links der Mitte sind, haben Räume "gemietet". Und genau diese Gruppierungen haben angefangen, dass "nachher" zu eruieren. Da wurde anfängs ganz still herum gefragt, wie weit man sich im Falle der Kündigung zu Wehr setzten würde. In unserem Sprach und Heimatgebiet sagt man an so etwas "Sauchäibe".

  • Ana am 20.03.2014 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestzer 

    Legt doch alle zusammen und KAUFT euch eine "komune". Dann habt ihr euren frieden, könnt jeden aufnehmen der gratis wohnen will und gut ist. Habe aber auch das gefühl, dass diese illegalität für viele einfach lifestile und cool ist. Ganz wenige sind WIRKLICH idealisten. Denn leben auf kosten anderer hat nichts mit fairness, sozialität etc zu tun. Es ist einfach nur egoistisch sofern es auf freiem willen und keiner unverschuldeten notlage gründet.Irgendeiner muss die kosten tragen. Wenn alle parasitär lebten, gäbe es bald nichts mehr zum drin leben. Soll der staat zahlen, aber steuern sind out?

    • Hexe am 20.03.2014 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      Ähm...

      ... die Leute, die noch da sind, sind RECHMÄSSIGE MIETER. Also nix illegal, nix gratis. Sogar in der Binz wurden monatlich fast 3000.- Strom und Wasser Akonto gezahlt! Es geht doch gar nicht darum, auf Kosten anderer zu leben, sondern darum, nutzbaren Wohn- und Kulturraum vor dem "Abriss auf Vorrat" zu bewahren.

    • sigi am 20.03.2014 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      auf fb könnte man jetzt klicken.... gefällt mir

    • M. Ensch am 21.03.2014 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mieter die man Besetzer nennt:

      Ist denn sowas nicht Rufmord? Es sind Mieter, und es ist missbräuchlich, sie als Besetzer zu diffamieren, bloss um die spekulativen Zielsetzungen einer juristischen Person schön zu reden. Die Mobimo soll doch ihre Kontakte spielen lassen und dieser Mietergruppe geeigneten Arbeitsraum gegen geeignete Miete anbieten, dies wäre nichts als fair!

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  • BigMig am 20.03.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Miete zahlen

    Besetzer der Miete zahlt??? Ist mal was neues

    • Köbi G. am 20.03.2014 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, ist es nicht.

      Das ist eigentlich sehr oft der Fall, meistens über Zwischennutzungsverträge. Aber in den Medien wird dies natürlich nicht kommuniziert, denn dann hätte der brave Bürger ja ein Feinbild weniger.

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  • Claudio Fleischmann am 20.03.2014 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mietvertrag?

    Die Mieter können ja mal ihren Mietvertrag veröffentlichen. Oder sagen wieviel Miete sie bezahlen. Aber wahrscheinlich sind es sowieso nur irgendwelche Schmarotzer.

    • Hans am 20.03.2014 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso solche Vorurteile?

      Meines Wissens zahlen die Mieder dort Beträge im fünfstelligen Bereich pro Monat, aber einfach mal die anderen als Schmarotzer darstellen... Wieso müssen sich die Leute immer so schnell eine Meinung über etwas bilden, von was sie KEINE Ahnung haben?

    • Andreas am 20.03.2014 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sicher nicht 

      Also dort wohnen sicher keine Schmarotzer. Ein Freund von mir wohnt dort, auf dem Foto ist sein Schlafzimmer im Zwischengang und er bezahlt auch seine Miete und ist weder Besetzer noch Schmarotzer. Hauptsache man kann wieder was sagen und andere diskeditieren.

    • Küsche am 20.03.2014 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Gratiswohnraum

      Richtig lesen,es sind keine Mieter sondern Besetzer ,desshalb haben sie Probleme ein geeignetes Atelier zu finden.Gratiswohnraum gibt es nicht, wir alle müssen auch dafür bezahlen!!!

    • Hexe am 20.03.2014 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Wo...

      ... steht denn, dass es Besetzer sind? Ich les da nur "die letzten Mieter".

    • Hans am 20.03.2014 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Küsche

      Selber mal richtig lesen, es sind Mieter und keine Besetzer! Zitat: "Ein letzter verbleibender Mieter möchte nicht ausziehen. Es handelt sich um eine Atelier- und Kreativgemeinschaft." Der ABS nebenan ist besetzt, hat aber nichts mit den Mietern des Labizkeareals zu tun.

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  • Einfach so am 20.03.2014 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verwerflich

    Gerne möchte ich mehr über diese Atelier- und Kreativgemeinschaft erfahren. Wahrscheinlich klagen diese als Gesellschaft und haben deshalb wenig zu befürchten, da es finanziell kaum etwas zu holen geben dürfte. Verwerflich bleibt solches Verhalten trotzdem, konnten sie doch die letzten 10 Jahre die Räume zu sehr günstigen Konditionen nutzen. Ein Recht auf lebenslang günstigen Raum gibt es nun mal nicht.

    • Peter W. am 20.03.2014 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      Gerne etwas erfahren?

      Dann geh doch vorbei und informiere dich dort, ist produktiver als Online irgendwelche Vermutungen äussern.

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