Winterthur

19. November 2015 17:37; Akt: 19.11.2015 17:37 Print

Libyscher Hassprediger wirbt junge Jihadisten an

In Winterthur soll sich ein Kreis radikaler Personen im Umfeld der An'Nur-Moschee gebildet haben. Hauptfigur soll ein 39-jähriger Prediger aus Libyen sein.

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Der Kulturverein An'Nur in Winterthur. In seinem Umfeld sollen Hassprediger junge Männer anwerben. (Bild: Google)

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Sechs Jugendliche aus Winterthur sollen bereits nach Syrien in den Jihad gezogen sein. Bisher hiess es von den Behörden stets, dass die Radikalisierung über das Internet stattfinde. Doch gemäss der «Weltwoche» stimmt dies nur bedingt: In Winterthur sollen sich im Umfeld des Kulturvereins An'Nur (Das Licht) im Hegi-Quartier mehrere Hassprediger aufhalten, die junge Muslime mit ihren Botschaften radikalisieren wollen.

Sie tun dies gemäss dem Bericht nicht im Kreis aller Besucher der Moschee. So hat der grösste Teil der Muslime, die die Moschee besuchen, auch nichts mit dem IS am Hut. In Nebenräumen, bei sogenannten Sunna-Lektionen, lassen Prediger laut der «Weltwoche» ihrem Hass auf die Ungläubigen freien Lauf – so laut, dass es auch im grossen Gebetsraum zu hören sei.

Reisen nach Libyen

Einer dieser Prediger ist ein 39-jähriger Libyer, der mit einer Schweizer Frau verheiratet ist und mit Occasionsautos handelt, die er nach Libyen verschifft. Er habe aktiv versucht, junge Männer für den IS anzuwerben. Ein junger Mann sagt der «Weltwoche», dass er, wenn er ihn anzeige, um sein Leben fürchten müsse: «Dieser Mann ist purer IS.» Der Hassprediger reist gemäss Quellen aus Nordafrika regelmässig nach Libyen. Nach Khoms – aber auch in die IS-Hochburg Sirte.

In Predigten vor kleinen Gruppen – junge Männer zwischen 14 und 25 Jahren – werde der Hass auf den Westen, auf die Schweiz und auf die Demokratie geschürt, berichtet das Blatt. Und eine kleine Gruppe mische sich nicht mit den normalen Moscheebesuchern, erzählt ein besorgter Muslim. «Die sitzen dann in einer Ecke und zeigen sich gegenseitig Jihad-Videos.» Einmal habe er einen Mann sagen hören, dass man es den Kuffar, den Ungläubigen, schon noch heimzahlen werde – auch hier in der Schweiz.

Mit «Lies!» verknüpft

Die Zelle der Radikalen sei eng mit den Koran-Verteilern der Aktion «Lies!» verknüpft. Die jungen Männer stehen oft an der Zürcher Bahnhofsstrasse oder in der Winterthurer Altstadt – auch vergangenes Wochenende wieder. Die «Lies!»-Organisation wurde vom deutschen Hassprediger Ibrahim Abou-Nagie gegründet. Über seine Kontakte ist die Zelle bestens mit dem Ausland vernetzt. So wurden bei einer Niederlassung des Extremisten-Zirkels in Winterthur auch Autos mit belgischen Kennzeichen beobachtet.

Atef Sahoun, Präsident des islamischen Kulturvereins An'Nur, dementiert jedoch eine Verbindung zu radikalen Gruppen. Falls man Mitglieder mit radikalen Tendenzen entdecke, würden diese sofort ausgeschlossen.

(num)