Betrug im Drogenmilieu

24. Februar 2011 20:08; Akt: 24.02.2011 20:12 Print

Lidocain als Kokain verkauft

Statt Kokain hat eine Drogenbande das Medikament Lidocain verkauft. Die Betrüger wurde vom Zürcher Obergericht schuldig gesprochen.

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Eine kosovarische Dealerbande hat im Winterthurer Drogenmilieu das rezeptpflichtige Medikament Lidocain als Kokain verkauft. Das Zürcher Obergericht verurteilte am Donnerstag einen der Betrüger zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Wegen mehrfachen Betrugs und des Versuchs dazu sowie wegen weiterer Delikte musste sich der 25-jährige Kosovare im April 2010 vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten und erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten und 1000 Franken Busse. Gegen dieses Urteil wehrte er sich nun.

Verteidiger bestreitet Betrugsabsicht

Sein Verteidiger verlangte eine massive Strafsenkung auf 90 Tagessätze zu 30 Franken auf Bewährung. Er verneinte jeglichen Betrug und bestritt ein arglistiges Vorgehen des Angeklagten. Zudem hätten viele Abnehmer den Schwindel selbst bemerkt.

Das Obergericht sah den Hauptvorwurf jedoch als erwiesen an: Der Angeklagte sei an dem Betrug beteiligt gewesen, für den die Bande zehn Kilogramm Lidocain eingeführt hatte, um es als Kokain im Wert von rund 400 000 Franken weiterzuverkaufen. 60 Gramm davon hatte der Angeklagte auf eigene Faust vertrieben.

Lidocain wird in Spitälern als lokales Betäubungsmittel verwendet. Eine falsche Dosierung hätte fatale Folgen haben und etwa zu einem Herzstillstand oder einem Schock führen können.

Der 25-Jährige habe täuschen und sich bereichern wollen, stellte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti klar. Trotzdem senkte das Obergericht die Strafe leicht auf zwölf Monate bedingt, dies aufgrund von Teilfreisprüchen in Nebenpunkten. Im Gegensatz zum Winterthurer Bezirksgericht verneinten die Oberrichter eine Übertretung des Heilmittelgesetzes.

(sda)