Glattbrugg

25. März 2011 08:00; Akt: 24.03.2011 23:13 Print

Limousinen-Chauffeur verurteilt

von Attila Szenogrady - Laut Anklage hat ein Limousinen-Chauffeur aus Glattbrugg in Wallisellen ein seit 23 Sekunden leuchtendes Rotlicht überfahren. Kürzlich wollte der Schweizer seine Unschuld vor Obergericht beteuern. Doch es kam anders.

Fehler gesehen?

Laut Anklage geschah es am helllichten Nachmittag: Um 15 Uhr fuhr eine Person mit einem Firmenfahrzeug der Marke Mercedes über die Neugutstrasse in Wallisellen. Kurz vor dem Glattzentrum blitzte es plötzlich. Das fragliche Fahrzeug hatte ein bereits seit 23 Sekunden leuchtendes Rotlicht übersehen. Obwohl es beinahe zu einer Kollision mit einem anderen Automobil kam, setzte die Täterschaft die Fahrt offenbar unbekümmert fort. Allerdings hatte ein Radarkasten den Rotlichtsünder fotographiert.

Unschuld immer stärker beteuert

Drei Wochen nach dem Vorfall vom 21. November 2009 musste sich der mutmassliche Täter bei der Kantonspolizei Zürich einfinden. Es handelte sich um einen heute 24-jährigen Limousinen-Chauffeur aus Glattbrugg. In der ersten Einvernahme räumte der Schweizer noch ein, dass er wahrscheinlich gefahren sei. Allerdings sei für ihn das Delikt absolut nicht mehr präsent. In der Folge beteuerte der Glattbrugger immer stärker seine Unschuld. Im Frühling 2010 erklärte er vor der Staatsanwaltschaft, dass wohl ein Kollege oder eine Kollegin das Fahrzeug gelenkt habe. Eine konkrete Person wollte er aber nicht nennen.

Schuldspruch in Bülach

Für das Bezirksgericht Bülach war der Fall im letzten Juli klar: Es verurteilte den nicht geständigen Beschuldigten wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer teilbedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 80 Franken. Fünf Tagessätze sollte der bereits mehrfach einschlägig vorbestrafte Berufschauffeur bezahlen. Zudem eine ehemals bedingte Vorstrafe von 20 Tagessätzen zu 90 Franken. Der Angeklagte hatte Ende Mai 2007 auf der Autobahn bei Bülach ein vor ihm befindliches Fahrzeug massiv bedrängt und zudem das Tempo mit rund 30 km/h zu viel erheblich überschritten.

Untaugliches Arztzeugnis

Der Beschuldigte legte Berufung ein. Nicht zuletzt, da ihm bei einem rechtskräftigen Schuldspruch bereits zum dritten Mal der Entzug des Führerausweises drohen würde. Im letzten Januar stand der Berufungsprozess vor dem Obergericht auf dem Programm. Allerdings platzte die Verhandlung. Der Angeklagte meldete sich telefonisch bei der Kanzlei und erklärte, dass er unerwartet erkrankt sei. Worauf er vom zuständigen Weibel aufgefordert wurde, im Hinblick auf ein Verschiebungsgesuch umgehend ein Arztzeugnis einzureichen. Der Beschuldigte soll dabei zugesichert haben, dass er noch am gleichen Tag das ärztliche Attest per Fax zustellen würde. Doch daraus wurde nichts. Gemäss den Akten stellte der Zürcher Unterländer erst drei Tage später ein Zeugnis zu. Welches das Obergericht nun als untauglich einstufte. Da die Diagnose zu spät gestellt worden sei, könne aus dem Schreiben nicht abgeleitet werden, dass der Angeklagte am Verhandlungstag tatsächlich krank gewesen wäre, befand das Obergericht und ging deshalb von einer unentschuldigten Abwesenheit des Beschuldigten aus. Weshalb infolge Rückzugs der Bülacher Entscheid nun in Rechtskraft erwachsen sein soll.

Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. So hat der Chauffeur bereits Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht eingelegt.