Rote Fabrik Zürich

27. Mai 2016 18:38; Akt: 27.05.2016 18:38 Print

Linke besetzen eine Hochburg der Linken

Die Besetzung des Clubraums stellt die Betreiber der Roten Fabrik vor ein Dilemma. Deshalb haben sie nun die Stadt als Eigentümerin um Unterstützung gebeten – diese gibt sich tolerant.

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Bald eine Woche dauert die Besetzung des Clubraums der Roten Fabrik durch rund 100 linke Aktivisten und Flüchtlinge schon an. Bereits musste ein Theaterstück ausgerechnet zum Thema Flüchtlinge abgesagt werden. Die ungebetenen Gäste sind laut «Tages-Anzeiger» gut organisiert und haben eine mobile Küche eingerichtet, Zelte aufgestellt und die Bar geknackt. Der Schaden beträgt rund 1000 Franken.

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Dafür geradestehen müssen sie wohl kaum, denn die Betreiber der Roten Fabrik sympathisieren ja grundsätzlich mit den Besetzern – man teilt die Weltanschauung. Zudem ist das ganze Gebäude gerade ein Ort, wo politische Auseinandersetzungen stattfinden sollen. Das Problem ist nur: Die Rote Fabrik muss je nach dem wohl weitere Veranstaltungen absagen. «Zudem haften wir für alles, was auf dem Gelände passiert», wird Kyros Kikos, Mitglied der kollektiven Geschäftsleitung, zitiert.

Maulkorb für Flüchtlinge

Auch nicht einfach gestaltet sich die Kommunikation zwischen Betreiber und Besetzern. Kikos: «Dass uns die eigenen Leute in den Rücken fallen, ist ein schlechter Witz.» Und die Flüchtlinge sagen schon gar nichts. Dafür haben die Besetzer gesorgt und ihnen einen Maulkorb verpasst. Weil die Betreiber sich um die Sicherheit sorgen und mit ihrem Latein am Ende sind, haben sie nun die Stadt als Eigentümerin um Unterstützung geben.

«Wir suchen gemeinsam nach Lösungen», sagt Matthias Wyssmann, Sprecher des Hochbaudepartements, zu 20 Minuten. Es stelle sich zum Beispiel die Frage, ob die bauliche Sicherheit gewährleistet sei. Der Clubraum ist ja eigentlich für eine öffentliche Nutzung zugelassen. «Das alles klären wir nun ab», so Wyssmann. «Die Stadt nimmt zu der Besetzung grundsätzlich eine konstruktive und pragmatische Haltung ein.»

Die linken Aktivisten und die Flüchtlinge protestieren mit der Besetzung gegen die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände in Zürcher Asylunterkünften. Dort würden die Leute gefangen gehalten und diskriminiert. Sie rufen mit Flyern in diversen Sprachen zum Dialog auf. Wie lange die Besetzung dauern wird, ist zurzeit unklar.

(rom)