Stadt Zürich

23. August 2019 04:57; Akt: 23.08.2019 04:57 Print

Linke wollen «Marsch fürs Läbe» verhindern

von Jennifer Furer - Linke Kreise rufen zu einem Protest gegen Abtreibungsgegner auf. Eine Taktik, um einen ausstehenden Gerichtsentscheid zu beeinflussen, so eine Organisatorin.

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Darf der «Marsch fürs Läbe» am 14. September durch die Zürcher Innenstadt ziehen oder nur eine stationäre Kundgebung am Turbinenplatz abhalten? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Verwaltungsgericht. Der Zürcher Stadtrat hatte die Bewilligung des Marsches durch den Statthalter an die höhere Instanz weitergezogen. Grund: Er hat Sicherheitsbedenken.

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Offenbar und womöglich nicht ganz unbegründet. Auf Facebook rufen linke Kreise zum Gegenprotest auf, der den «Marsch fürs Läbe» verhindern soll. Sie stossen sich ob der Einstellung der Abtreibungsgegner, die am Umzug Plakate mit Parolen wie «Nein zu Selektion» oder «Abtreibung ist und bleibt unrecht» hochhalten.

«Kein Selbstbestimmungsrecht»

Die Organisatoren des Gegenprotests schreiben auf Facebook: «Die christlichen Rechten inszenieren sich als Lebensschützer*innen, doch propagieren in der Tat ein gewaltig reaktionäres, frauen*- und LGBTIQ*-verachtendes Menschenbild.»

Und weiter: «Das «Läbe», welches sie sich wünschen, ist ein zutiefst sexistisches und konservatives Leben, in dem Frauen* und LGBTIQ* über kein Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper verfügen: Vo wäge fürs Läbe!»

Kritik an Organisatoren

Mitorganisiert werde der «Marsch fürs Läbe» vom Zürcher SVP-Politiker Daniel Regli, «der es in der Vergangenheit durch extrem menschenverachtende Aussagen zu Suizid bei Schwulen in die Schlagzeilen schaffte», so die Organisatoren. Der ehemalige Gemeinderat sagte in einer Rede: Homosexuelle zwischen 30 und 40 würden sich das Leben nehmen, weil «der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht». Das alles sei Grund genug, um den Aufmarsch der christlichen Rechten in Zürich zu verhindern.

Auch die anderen OK-Mitglieder würden offene islamfeindliche, fremdenfeindliche, homo- und transfeindliche Positionen vertreten. «So etwa die Betreiber*innen der Website Zukunft-ch.ch, welche gegen die «Überfremdung», aber auch die «Heilung Transsexueller» propagieren.»

Respekt und Toleranz gefordert

Beatrice Gall, Medienverantwortliche des «Marschs fürs Läbe» und Geschäftsführerin Zukunft CH, sagt dazu: «Beim ‹Marsch fürs Läbe› stehen in unserem Fokus ausschliesslich Fragen zum Lebensrecht.»

Von einem möglichen Gegenprotest linker Kreise hält sie nichts. «Wie sozial ist es, jemandem seine Meinung nicht zuzugestehen beziehungsweise deren Kundgebung in der Öffentlichkeit? Wo bleiben der Respekt und die Toleranz gegenüber einem Anliegen, das zutiefst sozial ist, nämlich dass Menschen leben dürfen?», sagt Gall.

«Warum sollte ein Marsch nicht mehr möglich sein?»

Angst vor einem möglichen Angriff durch den Gegenprotest hat Gall nicht: «Wir führen die Veranstaltung nun zum zehnten Mal durch und bisher wurde diese immer sehr gut von der Polizei begleitet.» Sie hält trotz des angekündigten Gegenprotests am Wunsch fest, mit dem «Marsch fürs Läbe» durch die Innenstadt zu ziehen.

Wir haben die Veranstaltung «von Beginn an als Marsch konzipiert, weil damit mehr Menschen erreicht werden können als durch eine blosse Standkundgebung», sagt Gall. Dies sei in Zürich in der Vergangenheit auch nie ein Problem gewesen. «Warum sollte ein Marsch also auf einmal nicht mehr möglich sein?»

Störaktionen beim letzten Marsch im Zürich

Gall kann sich gut vorstellen, dass der Aufruf zu Gegenprotesten auch einen Versuch zur Beeinflussung der Justiz bedeuten könnte, denn die Sicherheitsbedenken würden so steigen.

Den Entscheid, ob «der Marsch fürs Läbe» durch die Innenstadt ziehen darf oder nicht, wird das Verwaltungsgericht nächste Woche bekannt geben. Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, sagt, dass man bis dahin nichts über die Beurteilung der Sicherheitslage sagen kann. «Unsere Einschätzung werden wir auch nicht über die Medien verbreiten.»

Zuletzt hat in Zürich der «Marsch fürs Läbe» 2015 stattgefunden. In Oerlikon störten Linksautonome durch einen Gegenprotest den Umzug der Abtreibungsgegner. Rund hundert Personen wurden festgenommen. 2016 und 2018 fand der Umzug in Bern statt. Auch hier kam es zu unbewilligten Gegendemos.