Leiterin in Zürich verurteilt

08. November 2019 13:16; Akt: 08.11.2019 13:51 Print

Flasche umgestossen, 5-Jährige in Hort verbrüht

Das Bezirksgericht Zürich hat eine Leiterin eines städtischen Kinderhorts wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Eine Strafe kassierte sie aber nicht.

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Plötzlich schreit das fünfjährige Mädchen. Sie hat eine Thermoskanne umgestossen. Das brühend heisse Wasser verbrennt ihren Brustkorb, ihren Hals, ihre Schulter und ihren linken Oberarm. Das Kind erleidet Verbrühungen 2. und 3. Grades.

Wegen dieses Vorfalls hat das Bezirksgericht eine Leiterin eines städtischen Kinderhortes verurteilt, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Die Sozialpädagogin habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt.

Fasziniert vom Dampf

Passiert ist der Vorfall an einem Dienstagabend. Die Hortnerin wollte Tee kochen und hat das heisse Wasser in einen To-go-Becher geschüttet. Denn Deckel liess sie offen, während der Tee ziehen sollte, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt.

Zwei Mädchen zeigten sich vom aufsteigenden Dampf fasziniert. Die Hortleiterin soll die Hände der beiden durch den Dampf geführt haben, damit die Kinder die Wärme spüren konnten.

Die Hortleiterin schickte die Kinder zur Garderobe und begab sich zu den Rollläden, um diese zu schliessen. Wie die Zeitung weiter schreibt, soll das fünfjährige Mädchen in diesem Moment die Thermosflasche gegriffen und sie umgestossen haben.

Keine Strafe

Der Verteidiger der Hortleiterin sagte vor Gericht, dass seine Mandantin bis heute unter den Folgen dieses Vorfalls leide. Sie könne ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Er beantragte laut der Zeitung einen Freispruch oder im Fall eines Schuldspruchs den Verzicht auf eine Strafe. «Handelt es sich nicht einfach um einen tragischen Unfall, für den niemand die Schuld trägt?», fragte er.

Der Einzelrichter folgte dem Antrag des Verteidigers. Die Hortleiterin sei bereits genug bestraft. Das leichte Verschulden der Frau habe zu schweren Folgen für sie geführt und ihr Leben komplett verändert, so der Richter. Dieser verurteilte die Frau dennoch wegen fahrlässiger Körperverletzung.

(jen)