Meilen

05. April 2019 16:30; Akt: 05.04.2019 16:58 Print

Auf Babybauch geboxt – Mann (23) bleibt in Haft

Eine Frau soll wegen mehreren Schlägen durch ihren 23-jährigen Ehemann eine Fehlgeburt erlitten haben. Der Mann muss 3 Jahre und 5 Monate ins Gefängnis.

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Starke vaginale Blutungen, Schmerzen und eine Fehlgeburt etwa im dritten Monat – das sind laut Anklageschrift die Folgen von rund zehn Faustschlägen in den Bauch einer Frau im Rahmen eines Streits zwischen einem Ehepaar im Oktober 2017. Der Fall wurde im März vor dem Bezirksgericht Meilen verhandelt. Am Freitag haben die Richter das Urteil verkündet.

Das Gericht sprach den 23-jährigen Italiener schuldig – unter anderem des strafbaren Schwangerschaftsabbruchs, der einfachen Körperverletzung und der Gefährdung des Lebens. Nur vom Vorwurf der Drohung wurde er freigesprochen. Er muss für drei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis und eine Busse von 1200 Franken zahlen. Zudem wird er für sechs Jahre des Landes verwiesen.

«Haarsträubende Aussagen»

Begründet haben die Richter das Urteil mit den nachvollziehbaren und sehr glaubhaften Aussagen des Opfers. Ein Teil der Aussagen des Beschuldigten dagegen könnten widerlegt werden, seien haarsträubend oder würden das Opfer schwer belasten – so etwa die Bezeichnung als «komplette Psychopathin». Entsprechend hoch fiel auch die Freiheitsstrafe aus. Sie liegt nur wenig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre verlangte.

«Mit Ihrem Verhalten wollten Sie Macht demonstrieren», so die vorsitzende Richterin zum Beschuldigten, der bei der Urteilsverkündung tief durchatmen musste. Sein Verteidiger hatte einen Freispruch gefordert. Nun muss der Beschuldigte in Haft bleiben. Nach der mündlichen Eröffnung kündete sein Verteidiger an, dass er das Urteil weiterziehen werde.

Würgen am Hals

Die Fehlgeburt im Oktober 2017 war nicht der einzige Vorfall, für den sich der Beschuldigte vor Gericht verantworten musste. Im März 2018 soll der Beschuldigte seine Ehefrau auch geschlagen, an den Haaren gezogen und einige Sekunden am Hals gewürgt haben, wie die Anklageschrift festhielt. «Mir wurde schwarz vor Augen», berichtete das Opfer bei der Verhandlung in Tränen. Mit dem Auto soll er sie ebenfalls angefahren haben.

Der Beschuldigte, der als gepflegter Mann im Anzug vor Gericht erschien, bestritt fast alle Vorwürfe und sagte wiederholt: «Das ist nicht wahr.» Seine Frau sei auch gar nie schwanger gewesen. «Wie mir im Gefängnis klar geworden ist, war das eine Lüge.» Er sei aber in der misslichen Lage, keine Beweise zu haben.

«Ich habe mich nur verteidigt»

Zu den in einem Gutachten dokumentierten Druckstellen am Hals des Opfers sagte er: «Ich habe mich nur verteidigt.» Da er schwitzige Hände gehabt habe, könne es sein, dass er abgerutscht sei, als er seine Frau weggestossen habe. Stattdessen beschuldigte er seine Ehefrau etwa, dass sie bei einem Streit im März 2018 mit einem Bild von der Wand auf seinen Kopf geschlagen habe.

Der Verteidiger plädierte auf einen vollständigen Freispruch. Sein Fazit: «Die Geschädigte hat nur vorgegaukelt, schwanger zu sein.» Ebenso habe der Beschuldigte zu Recht bestritten, das Opfer gewürgt zu haben. «Aktiv ist mein Mandant nie gegen die Geschädigte vorgegangen.» Vielmehr habe er versucht, sich gegen sie zu wehren. Das Opfer tische immer wieder neue Geschichten auf.

Vier Jahre Haft gefordert

Der Staatsanwalt bezeichnete die Aussagen des Opfers jedoch als detailliert und lebensecht. «Hätte sie den Beschuldigten in die Pfanne hauen wollen, hätte sie die Ereignisse deutlich drastischer dargestellt.» Die Aussagen des Beschuldigten dagegen seien zum Teil völlig unhaltbar und unglaubwürdig. Er forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und eine Busse von 1000 Franken sowie einen Landesverweis.

(tam)