Besorgte Eltern

24. September 2019 04:54; Akt: 24.09.2019 09:21 Print

Mann ruft «Allahu Akbar» auf Schulhausplatz

von Jennifer Furer/Monira Djurdjevic - An der Tagesschule Schauenberg in Zürich-Affoltern hat ein verwirrter Muslim Schulkinder verängstigt. Die Eltern der Schüler fühlen sich im Stich gelassen.

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Am letzten Donnerstag stand der Tunesier F. A.* plötzlich auf dem Pausenplatz der Tagesschule Schauenberg in Zürich-Affoltern, zog sein T-Shirt aus und schrie vor den Schülern «Allahu Akbar» und «Allah wird sein Licht vollenden». Letztere Aussage kann gemäss dem Imam der Volketswiler Moschee Kaser Alasaad als Drohung gegenüber Ungläubigen interpretiert werden. Im Koran sei der Satz aber nicht als Drohung geschrieben (siehe Interview).

Gemäss Eltern, die sich auf die Aussagen ihrer Kinder berufen, habe der Mann bei der anschliessenden Verhaftung durch die Polizei auf dem Schulhausplatz damit gedroht, dass er zurückkehren und alle töten werde.

Bereits zehn Tage zuvor soll es zu einem Vorfall gekommen sein. Eltern berichten, dass F.A. Kinder angeschrien und an Armen und Haaren gezogen haben sollen. Die Schulleitung der Tagesschule bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass es am Donnerstag zu einem Vorfall mit einem Mann gekommen sei, dementiert aber, dass der Mann Kinder oder Erwachsene körperlich angegriffen habe. Zu den angeblichen Todesdrohungen schweigt die Schulleitung.

Aus psychiatrischer Klinik entlassen

Der Mann wurde nach dem Vorfall in eine psychiatrische Klinik eingeliefert und ist mittlerweile entlassen worden. Gegenüber 20 Minuten bestätigte er, auf dem Schulhausplatz herumgeschrien zu haben. Kinder habe er aber keine angegriffen. Im Gespräch wirkte der Mann verwirrt und aggressiv.

In einem Schreiben an die Eltern steht, dass sich «ein verwirrter Mann» auf dem Schulareal befunden habe und die Lehr- und Betreuungspersonen die Polizei gerufen hätten. Sollten Kinder Unterstützung brauchen, um das Gesehene zu verarbeiten, könnten sie sich beim schulpsychologischen Dienst melden. Eine Anzeige hat die Schule bisher keine eingereicht. «Dafür bleibt noch Zeit. Eine Anzeige wird unter Umständen nach Rücksprache mit der Stadtpolizei erfolgen», sagt Schulleiterin Ruth Bellis.

Nachbarn beschreiben Mann als radikal

Beim Tunesier F.A. handelt es sich laut einem Familienmitglied und anderen Quellen um einen radikalen Muslim. Seine Frau trägt seit Jahren einen Nikab (Vollverschleierung, nur die Augen sind zu sehen, Anmerkung der Redaktion) und die Familie grenze sich ab. Schweinefleisch sei Tabu und Gebetszeiten würden strikt eingehalten. «Die Religion bestimmt ihr Leben», sagt ein Familienmitglied.

Auch der Sohn werde religiös erzogen und gehe regelmässig in die Moschee. Laut Nachbarn spielt er schon seit längerem in seiner Freizeit nicht mehr mit gleichaltrigen Kindern. Ein Nachbar, der anonym bleiben will, erinnert sich, dass der Bub einmal mit schwarzer Bemalung im Gesicht umhergelaufen sei. Auf die Frage, ob er ein Ninja sei, habe er geantwortet: «Nein, mein Vater hat gesagt, dass ihr alle Feinde seid und wir mit Bomben für einen Krieg bereit sein sollten.»

Eltern fühlen sich im Stich gelassen

Im Quartier herrscht Angst, wie diverse Nachbarn zu 20 Minuten sagen. Eltern fühlen sich von der Schule und Behörde im Stich gelassen. Sie üben Kritik an der Schulleitung, weil diese ihrer Meinung nach nichts gegen den Mann unternimmt. Sie fühlten sich nicht mehr sicher, da der Mann jetzt wieder frei herumlaufe.

Die Stadtpolizei Zürich sagt, dass sie derzeit keine Kenntnis von möglichen Straftaten des Mannes hat. Es sei keine Anzeige eingegangen, weshalb die Polizei derzeit nicht ermittelt. Die Polizei habe den Mann nach dem Vorfall in ein Spital gebracht. Grundsätzlich führen Behörden keine Ermittlungen gegen Personen, solange keine Meldung über eine Gefährdung, eine Straftat oder eine mögliche Straftat vorliegt.

Marc Caprez, Leiter Kommunikation beim Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich, äussert sich nicht zur religiösen Gesinnung des Kindes und des Vaters. Er nimmt auch keine Stellung zur Frage, ob der Mann oder das Kind bei den Behörden gemeldet wurde. Die Schule hat laut Caprez in allen Belangen richtig gehandelt. «Alle weiteren Abklärungen trifft nun die Polizei.»

F.A. und seine Frau haben 20 Minuten ein ausführliches Interview gegeben. Dieses haben sie spät am Abend zurückgezogen.