Von Zürcher Obergericht verurteilt

13. Oktober 2019 17:09; Akt: 14.10.2019 10:48 Print

Mann versteckt bei Sauna-Besuch Kleider von Frau

von Jennifer Furer - Ein Mann hat in einer Sauna in Zürich die Kleider einer Frau versteckt. Der Grund: Er wollte seinen Kollegen mit ihr verkuppeln.

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Das Zürcher Obergericht musste sich kürzlich mit einem aussergewöhnlichen Fall beschäftigen: Eine Frau hat einen Mann angezeigt, weil er ihre Kleider während eines Sauna-Besuchs in Zürich versteckt hatte.

Dabei hat alles mit dem Plan begonnen, ein Doppeldate in einer Sauna in Zürich auszurichten – der Beschuldigte kam mit seiner Freundin und einem Kollegen, der mit der Halbschwester der Freundin hätte verkuppelt werden sollen. Doch statt zu einem romantischen gemeinsamen Schwitzen kam es zu einem Fiasko, mit dem sich die Justiz auseinandersetzen musste.

Ziel: Potenzielles Paar vom Gehen abhalten

Als die Halbschwester und ihr Date nach dem ersten Saunagang hätten gehen wollen, hätten der Beschuldigte und seine Freundin die Kleider der Halbschwester in einem Schrank unter dem Lavabo versteckt – zusammen mit ihren Kleidern, so dass ein unübersichtlicher Haufen entstand, schreibt das Zürcher Obergericht in einem schriftlichen Urteil, das 20 Minuten vorliegt.

Das Ziel der beiden war, dass das potenzielle Paar die Sauna nicht verlässt. Der Beschuldigte und seine Freundin hätten das Programm bestimmen und sich nicht vorschreiben lassen wollen, wann sie zu gehen hätten, sagt er in einer Befragung aus. Zudem habe er die Halbschwester seiner Freundin mit seinem Kollegen verkuppeln wollen.

Nicht aus belastender Situation erlöst

Mit nichts an ausser einem Badetuch und einem Bikiniunterteil habe die Frau ihre Kleider etwa zwei bis zweieinhalb Stunden gesucht. Es war der 3. Dezember 2016, es war ein Winterabend und draussen entsprechend kalt. «Es versteht sich von selbst, dass die Geschädigte die Lokalität ohne Kleider nicht verlassen konnte», so das Gericht.

Mehrfach habe die Frau nach ihren Kleidern gefragt, doch der Beschuldigte habe geschwiegen, sich amüsiert und sie nicht aus der «emotional belastenden und unangenehmen Situation», wie sie das Gericht beschrieb, erlöst.

Essen und Anzeige nach Fiasko-Date

Die Halbschwester der Freundin des Beschuldigten habe etwa nach einer halben Stunde den Lavabo-Schrank aufgezerrt, in dem ihre Kleider lagen, habe diese aber im Kleiderhaufen übersehen. Sie habe jedoch den Schlüssel für die Sauna-Anlage gefunden, die der Beschuldigte besass. Sie habe das ganze Studio und die Büroräume nach ihren Kleidern abgesucht — ohne Erfolg.

Schliesslich habe die Frau die Kleider einer anderen Frau ausgeliehen, habe die Sauna zusammen mit dem Kollegen des Beschuldigten verlassen und sei mit ihm essen gegangen. Drei Stunden nach dem Fiasko-Doppeldate ging die Frau zur Polizei und erstattete Anzeige gegen den Mann, der ihre Kleider versteckt hatte.

Keine Bagatelle

Der Fall landete schliesslich vor dem Zürcher Bezirksgericht, wo der Mann wegen Sachentziehung verurteilt wurde. Er wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 160 Franken bestraft. Zudem muss der Mann die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens zu zwei Drittel bezahlen.

Der Verteidiger des Mannes versuchte vergeblich geltend zu machen, dass er der Frau, der er die Kleider versteckte, keinen erheblichen Nachteil zufügte. Es fehle an einem «Vorenthalten» der Kleider, geschweige denn an einer Wegnahme und damit an einem Nachteil, der über einen Bagatellcharakter hinausginge. Es stehe fest, dass die Geschädigte die Kleider schneller hätte finden können, zumal es sich um einen sehr kleinen und überschaubaren Saunabereich gehandelt habe.

Doch auch das Zürcher Obergericht betrachteten die «Spielereien» nicht als Bagatelle und sprach im schriftlichen Urteil von einem erheblichen Nachteil, den der Mann der Frau zugefügt habe. «Der Beschuldigte hat den Bogen klar überspannt.» Es bestätigt das Urteil der ersten Instanz und legt dem Beschuldigten die Gerichtsgebühr von 3000 Franken und die Kosten des Berufungsverfahrens auf. Das Urteil kann vor Bundesgericht angefochten werden.