FCZ-Fan schlägt Familienvater

15. August 2019 11:21; Akt: 15.08.2019 22:22 Print

«Der Vater lag an der Bushaltestelle am Boden»

Nach dem Fussballspiel des FC Zürich gegen den FC St. Gallen kam es zu Ausschreitungen. Ein Mann wurde vor seinen zwei Kleinkindern verprügelt.

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Eigentlich hätten die FCZ-Fans am Mittwochabend allen Grund zur Freude gehabt: Ihr Club hatte im Letzigrund gegen den FC St. Gallen 2:1 gewonnen. Doch nach dem Spiel gab es wüste Szenen.

Gegen 21.20 Uhr kam es am Hardplatz zu einer schweren Körperverletzung. Ein 40-jähriger Mann, der mit seinen beiden Kleinkindern (2 und 4 Jahre) und einem Kinderwagen in einen VBZ-Bus einsteigen wollte, wurde von einem Unbekannten, der mit FCZ-Fankleidung unterwegs war, am Einsteigen gehindert und durch einen Faustschlag ins Gesicht so schwer verletzt, dass er reglos neben dem Bus liegen blieb, wie die Stadtpolizei Zürich mitteilte.

Täter flüchtig

«Der Faustschlag kam unvermittelt», sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Der Familienvater habe nichts mit Fussball und dem Spiel am Hut gehabt.

Der Mann musste mit schweren Kopfverletzungen notfallmässig hospitalisiert werden. Der 40-Jährige befand sich auch einen Tag danach noch im Spital.

Der Unbekannte flüchtete mit mehreren ähnlich gekleideten jungen Männern in Richtung Hardbrücke. Die Stadtpolizei Zürich hat Ermittlungen eingeleitet.

«Wir verurteilen den Fall aufs Äusserste»

«Mir ist nicht bekannt, dass es in Zürich jemals zu solch einem Vorfall gekommen ist», sagt Cortesi. «Wir verurteilen den Fall aufs Äusserste.» Man werde alles daransetzen, den Täter zu eruieren und der Strafverfolgung zuzuführen.

Der Vorfall ereignete sich bei der Haltestelle Hardplatz. Ein Augenzeuge berichtet 20 Minuten, dass er den Täter habe wegrennen sehen. «Er blickte zum Opfer und schrie: ‹So einer hat es verdient›», so der Augenzeuge. Der Familienvater sei auf dem Bauch am Boden gelegen.

Der mutmassliche Täter sei etwa 16 Jahre alt und mit sieben Kollegen unterwegs gewesen. «Sie waren nicht vermummt und trugen FCZ-Kleider mit der Aufschrift Südkurve.» Die Jugendlichen seien in Richtung Hardbrücke gerannt. «Ich habe mich nicht getraut, aus dem Bus auszusteigen und ihnen hinterherzurennen.»

Mann auf Bahre weggetragen

Ein Mitarbeiter einer nahe gelegenen Pizzeria hatte den Vorfall aus der Ferne mitbekommen: «Ich habe gehört, wie Jugendliche sich laut zugerufen hatten.» Den Vorfall habe er aber nicht beobachten können. Dann seien Ambulanzen und Polizeiautos mit Sirene gekommen.

Eine Angestellte eines anderen nahe gelegenen Restaurants sagt: «Der Mann lag an der Bushaltestelle am Boden. Ich dachte, er sei zusammengebrochen.» Als dann aber mehrere Polizeiautos angefahren gekommen seien, habe sie verstanden, dass etwas anderes habe vorgefallen sein müssen. «Dem Mann wurde eine Halskrause angelegt und er wurde auf einer Bahre weggetragen.» Die Polizei habe danach Augenzeugen vernommen. «Auch eine Frau mit Kinderwagen war unter den Leuten.»

«Wir sind entsetzt»

Im FCZ-Forum wird der Vorfall rege diskutiert und kritisiert. «Solche Scheisse versaut mir wieder die ganze Freude am Sieg», schreibt ein User. Ein anderer meint: «So werden wir alle wieder in eine Schublade gesteckt und alle zeigen wieder auf die bösen FCZler.»

Beim FC Zürich heisst es auf Anfrage: «Wir sind entsetzt und verurteilen jegliche Form von Gewalt aufs Schärfste. Der verletzten Person wünschen wir gute und rasche Genesung.»

«Ein Bereich, den wir nicht steuern können»

Dayana Mordasini vom Sicherheitsdepartement ist Mitglied der Projektgruppe «Doppelpass». Dieses wurde im September 2018 als Reaktion auf die zunehmenden Ausschreitungen zwischen FCZ- und GC-Chaoten gegründet. Ziel ist, einen Beitrag gegen die Ursachen der Fussballgewalt zu leisten. Mitglieder sind etwa die Stadt, die Stadtzürcher Clubs und die Staatsanwaltschaft.

Mordasini sieht im jetzigen Vorfall kein Versagen der Behörden: «Wir übernehmen dort Verantwortung, wo wir können: in der Prävention, in der Zusammenarbeit zwischen Fussballclubs und der Stadt und in der Kommunikation.» Ebenfalls seien stärkere Repressionen als Massnahmen eingeführt worden. «Manche Vorfälle im Fussballumfeld betreffen gesellschaftliche Fragen, einen Bereich, den wir nicht steuern können.»

(jen)