Zürich

24. Mai 2016 23:45; Akt: 24.05.2016 23:44 Print

Mehr Leute teilen sich heute eine Wohnung

Der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen in Zürich wächst. Doch die Stadt will noch viel mehr – und unter anderem die Wohnfläche pro Person verringern.

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Solche Szenen sind im Zürcher Wohnungsmarkt keine Seltenheit. Vor allem bei Besichtigungen von preiswerten Wohnungen ist die Zahl der Bewerber sehr gross. Als Beispiel hier die Warteschlange bei einer Besichtigung an der Schipfe am 25. Juni 2014. Mehr als 150 Personen stellten sich damals in die Reihe. Auch wenn die Besichtigung oft wenig Spass machen, sollte man sich interessiert zeigen. Vor allem wenn der Vormieter zur Besichtigung lädt, da dieser oft eine Auswahl der Verwaltung oder dem Vermieter weiterleitet. Wer entscheidet, sich für die Wohnung zu bewerben, sollte neben den korrekt ausgefüllten Formularen und dem Betreibungsregisterauszug auch persönliches Bewerbungsschreiben. Ein Lohnausweis gehört jedoch nicht dazu. Ist das Bewerbungsdossiert fertig, sollte dieses so schnell wie möglich auf die Post. Je schneller es beim Vermieter oder der Verwaltung ist, desto besser. Wohnungen in den Stadtzentren sind besonders begehrt. Doch auch bei etwas wenig zentralen Lagen ist die Konkurrenz inzwischen gross: So gab es vor dem Bezug der städtischen Siedlung Rautistrasse in Zürich-Altstetten im Herbst 2014 mehr als 550 Interessenten - bei bloss 104 Wohnungen. Zeitungen, Anzeiger oder Online-Portale, es gibt viele Orte wo nach der passenden Wohnung gesucht werden kann. Besonders erfolgsversprechend sind allerdings Tipps von Freunden und Bekannten. Wird eine Wohnung unter der Hand vergeben, fallen meist auch die aufwendigen Besichtungs- und Bewerbungsprozedere etwas einfacher aus.

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Lange galt im Wohnungsbau das Credo: Je grösser, desto besser. Von 1970 bis 2013 hat in Zürich die durchschnittliche Wohnfläche pro Person um 11 Quadratmeter zugenommen. Zumindest im städtischen und gemeinnützigen Wohnungsbau gibt es nun einen Gegentrend. «Wir bauen heute so, dass wieder mehr Personen in einer Wohnung leben», sagte der Stadtzürcher Finanzdirektor Daniel Leupi (Grüne) am Dienstag an einer Medienkonferenz.

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Insgesamt 1115 Teilnehmer

So waren vor einigen Jahren neue städtische 4,5-Zimmer-Wohnungen noch 110 bis 115 Quadratmeter gross, heute sind es noch 95 bis 100 Quadratmeter. Auch während gesamthaft betrachtet in der Stadt durchschnittlich 1,8 Personen in einer Wohnung leben, sind es in städtischen Wohnungen 2,3 Personen.

Mehr Personen auf weniger Fläche

Das ist nicht verwunderlich, denn die Stadt hat bei einer Abstimmung 2011 den Auftrag gefasst, bei Mietwohnungen den Anteil gemeinnnütziger bis 2050 auf einen Drittel zu erhöhen. Seither ist dieser um 2400 Wohnungen und je nach Zählweise auf 26,8 oder 29,3 Prozent angestiegen – fast ein Drittel der Stadtzürcher Mieter leben somit in einer gemeinnützigen Wohnung.

Und es werden noch mehr städtische Siedlungen gebaut oder bestehende saniert. «Bei Sanierungen beachten wir etwa, dass auf der gleichen Fläche mehr Personen leben können als vorher», sagt Leupi. Dabei werde so platzsparend gebaut, dass man sich nicht eingeengt fühle: «Klagen gab es jedenfalls in dieser Hinsicht noch nie. Wir beobachten auch, dass insbesondere Familien lieber vier kleinere statt drei grosse Zimmer zur Verfügung haben.»

Mit diesen Massnahmen will man laut Leupi nicht nur mehr Wohnungen, sondern auch preisgünstiger bauen: «Gerade bei hohen Bodenpreisen ist die Fläche entscheidend.»

Auch private Bauherrn denken um

Hier fände teilweise auch bei den privaten Bauherrn ein Umdenken statt, sagt der Stadtzürcher Mieterverband-Sprecher Walter Angst: «Trotzdem gibt es immer noch zu viele Neubauten, mit viel zu hoher Wohnfläche.»

Diese Wohnungen würden nicht nur extrem viel kosten, sondern seien wegen ihrer Zimmeraufteilung auch oft nur für gutverdienende Singles oder Paare geeignet, so Angst: «Viele Familien und ältere Menschen können da nicht mehr mithalten und müssen ausweichen, sofern sie keine gemeinnützige Wohnung finden.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ihre Werbung hier. am 25.05.2016 01:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mietpreis

    Ich schätze, dass die oft überrissenen Mieten ihren Teil dazu beitragen, damit immer mehr Leute in einer WG zusammenwohnen.

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  • antonzum am 25.05.2016 03:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich lebe alleine

    und genieße es sehr. Gäste sind immer sehr willkommen und werden auch gut bekocht und verwöhnt. Aber dann bin ich froh, wenn sie wieder gehen und ich meine Ruhe habe. Ich kann rumlaufen, wie ich will: barfuß oder auch nackt, brauche keine Vorschriften einzuhalten, usw. Ich kann jederzeit zum Kühlschrank oder mir eine Pasta kochen und kann Tag und Nacht Musik hören oder Zeitung lesen. Es lebe die Freiheit!

  • Heinz Maier am 25.05.2016 03:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinderwagen

    Wenn ich mir das bild oben ansehe kommen die doch tatsächlich mit kinderwagen zur besichtigung? Das würde ich mir nie antun.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Turicum04 am 01.06.2016 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken

    Alleine in einer Wohnung leben ist wie alleine im Auto herum fahren: ökologischer Unsinn! Hier sollte der Gesetzesgeber einspringen.

  • Realist am 25.05.2016 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Vorallem Steuer-/Vermögens-Ausweis

    sollte vorgelegt, und jährlich kontrolliert werden. Wär zuviel Verdient oder Vermögen anhäuft, sollte automatisch ein Verweis/Kündigung erhalten, was auch schriftlich im Mietvertrag festgelegt werden sollte.

  • Karin am 25.05.2016 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    ich muss immer Lachen....

    die von den Sozis regierte Stadt will die Wohnfläche pro Person verringern, gleichzeitg möchten die Sozis aber noch mehr Zuwanderung....Mit ein bisschen Verstand könnte man sogar auf die Idee kommen, dass zwischen horrender Zuwanderung und hohen Mieten ein gewisse Korrelation besteht....aber eben.....

    • Papierlischweizer am 25.05.2016 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      Hahahahaha...

      Was ich immer lachen muss ab Beiträgen wie dem Ihren. Die von Sozis regierte Stadt wird bei der bevorzugten Abgabe von städtischen Baulandreserven an soliale Wohnbauträger nämlich gerade von der rechten Ratsseite immer wieder erfolgreich gehindert. Ob eine Korrelation zwischen der daraus resultierenden Baulandspekulation und explodierenden Mietkosten besteht geht im populistischen Einheitsgeblöke der rechten Schäfchenherde jedoch glatt unter, gerade auch in Anbetracht der Tatsache, dass Zürich vor 50 Jahren mehr Einwohner auf kleinerer Fläche hatte.

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  • Grunzi am 25.05.2016 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Baupolitik

    Dieses übersteigerte Bedürfnis nach grossen Wohnungen mit 100 m² grossen Terrassen ist in Grossstädten dieser Welt völlig unüblich. Auch wenn Zürich keine ist - es ist paradox, dort immer noch zu bauen, als gäbe es nur Familien in einer Stadt, in der über 50 % Singles sind.

  • Kurt am 25.05.2016 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakt

    In erster Linie teilen sich Studenten und Zugewanderte eine günstige Wohnung. Familien mit Kindern und ältere Menschen haben das Nachsehen und fast keine Chance auf eine günstige Wohnung

    • JungerZürcher am 25.05.2016 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      ach die aaaarmen Alten

      Also reden wir jetzt von den Alten, denen sowieso schon die halben Liegenschaften gehören...? Der Witz ist doch, der Grossteil der Alten in Zürich sind gar keine Mieter, sondern Eigentümer, die auf den paar wenig tollen Wohnungen sitzen. Ich meine ist ja ihr gutes Recht, aber jetzt auch noch behaupten, die achso armen Alten hätten es schlecht, ist schon dreist.

    • v.müller am 25.05.2016 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      es sind nicht alle alten reich, ich habe 3 jahre für eine bezahlbare wohnung gesucht. es wäre nett wenn man mit mehr achtung und anstand durch diese welt gehen würde, schade das ihr das nicht von euren eltern gelernt hattet.

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