Jugendkriminalität

11. April 2019 18:20; Akt: 11.04.2019 21:36 Print

Jungs schlagen zu, Mädchen fahren schwarz

Auch 2018 wurden wieder Jugendliche im Kanton Zürich straffällig. Doch es gibt erhebliche Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gegen 4787 Minderjährige wurde letztes Jahr ein Strafverfahren eröffnet. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Mädchen
Schwarzfahrerinnen und Ladendiebinnen

Mädchen hatten es im letzten Jahr häufiger mit der Justiz zu tun. So stieg im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Verurteilungen um fast zwei Prozent, während sie bei den Jungs leicht zurückging. Im Vergleich zu den Buben ist das zwar immer noch wenig. So sind nur 27 Prozent der minderjährigen Verurteilten weiblich.

Eher kleinere Delikte
Laut der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich betrafen 38 Prozent der Verzeigungen bei Mädchen das Schwarzfahren, 23 Prozent Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz und 20 Prozent geringfügige Vermögensdelikte im Wert von unter 300 Franken – so etwa Ladendiebstahl. Zum Rest gehören Delikte wie Sachbeschädigung oder Diebstähle.

Gewalttaten sind selten
Marcel Riesen-Kupper, Leitender Oberjugendanwalt, sagt, dass es prinzipiell immer unerfreulich ist, wenn Jugendliche eine Straftat begehen. Das sei bei den Mädchen nicht anders. «Beruhigend ist insofern, dass Mädchen nur selten Gewaltstraftaten begehen und sie sich meistens wegen kleinerer Delikte verantworten müssen.»

Jungs
Schläger und Verkehrsrowdys

Tatsächlich sind Jungs viel häufiger gewalttätig. 2018 waren sie für 87 Prozent der Gewaltdelikte verantwortlich. Dazu gehören Körperverletzungen, Drohung, Raub, Tätlichkeiten oder Nötigung. Insgesamt wurden 632 weibliche und männliche Jugendliche deswegen beschuldigt, das sind neun Prozent mehr als letztes Jahr. Im Vergleich zum Jahr 2009 mit 1150 minderjährigen Gewalttätigen ist das zwar immer noch wenig. Trotzdem steigt die Zahl seit einigen Jahren wieder.

Heisser Sommer für Anstieg verantwortlich?
Warum das so ist, kann Riesen-Kupper nicht genau sagen. «Mag sein, dass Jugendgewalt in der Öffentlichkeit weniger präsent ist. Möglich ist auch, dass der heisse Sommer eine Rolle gespielt hat, indem Jugendliche länger und öfter im öffentlichen Raum unterwegs waren.» Spezielle Massnahmen plant die Oberjugendanwaltschaft nicht: «Was die Gewaltstraftaten anbelangt, ist es wichtig, rasch und konsequent zu reagieren und dem Jugendlichen aufzuzeigen, dass Gewalt nicht toleriert wird.» Hier sei aber auch die Gesellschaft als Ganzes gefordert.

Mehrzahl wegen geringfügiger Delikte
Trotzdem werden immer noch die Mehrzahl der Jungen wegen geringfügiger Delikte wie Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Personenbeförderungsgesetz verzeigt, das heisst, sie kiffen oder fahren schwarz. Typische «männliche» Delikte sind laut Oberjugendstaatsanwaltschaft auch Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie Sachbeschädigungen.


(som/mon)