Jugendkriminalität

11. April 2019 09:12; Akt: 11.04.2019 09:49 Print

Mehr Mädchen wurden letztes Jahr verurteilt

Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich ist zwar stabil, trotzdem nahmen Gewaltdelikte leicht zu. Es wurden auch mehr Mädchen verurteilt.

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Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich bleibt zum wiederholten Mal praktisch unverändert, teilte der Kanton am Donnerstag mit. Im Jahr 2018 eröffneten die Jugendanwaltschaften des Kantons gegen 4787 Jugendliche ein Strafverfahren. Im Vergleich zum Vorjahr (2017: 4749) nahm die Zahl der Beschuldigten damit um 38 Personen oder 0,8 Prozent zu.

Ein Anstieg ist hingegen bei der registrierten Jugendgewalt zu verzeichnen. So wurden im vergangenen Jahr 632 Jugendliche (580) eines Gewaltdelikts beschuldigt, 591 von ihnen lebten im Kanton Zürich. Trotz der erneuten Zunahme von 9 Prozent liegt die Anzahl der Beschuldigten gemäss Mitteilung mit -45 Prozent noch immer massiv unter dem Niveau von 2009, als 1151 Minderjährige wegen eines Gewaltdelikts verzeigt worden waren.

Mehr Vermögensdelikte

Im vergangenen Jahr erliessen die Jugendanwaltschaften 3944 (2017: 3815) Strafbefehle, in 36 (19) Fällen wurde Anklage bei den Jugendgerichten erhoben. Insgesamt wurden 3980 (3834) Strafen ausgesprochen, davon 2047 (2134) Verweise, 808 (847) persönliche Leistungen, 818 (624) Bussen und 87 (75) Freiheitsentzüge.

In sieben (13) Fällen wurde von einer Bestrafung abgesehen, bei 36 (17) verurteilten Jugendlichen ordneten die Jugendanwaltschaften und Gerichte 61 (26) Erwachsenenstrafen an. Wurden Jugendliche verurteilt, handelte es sich in jedem vierten Fall um ein Vermögensdelikt; ihr Anteil stieg von 21,7 auf 25,7 Prozent. Zurück gingen die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz, ihr Anteil betrug noch 17,9 Prozent (23,3 Prozent).

Mehr Mädchen verurteilt

Die Zahl der Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz blieb mit 9,8 Prozent unverändert. Eine Zunahme ist hingegen bei den Delikten gegen Leib und Leben wie Körperverletzung und Tätlichkeiten zu verzeichnen. So stieg der prozentuale Anteil von 2,6 auf 3,0 Prozent. Mit 7,1 Prozent (6,5 Prozent) nahmen auch die Delikte gegen die Freiheit, wozu Drohung, Nötigung und Hausfriedensbruch gehören, leicht zu.

Der Anteil der Delikte gegen die sexuelle Integrität stieg ebenfalls leicht von 1,0 auf 1,5 Prozent an. Während bei den Verurteilungen der Anteil der Mädchen leicht zunahm und neu 26,6 Prozent (24,8 Prozent) beträgt, ging der Ausländeranteil von 33,5 auf 32,7 Prozent zurück.

Zum dritten Mal in Folge stieg im Kanton Zürich die Anzahl der wegen eines Gewaltdelikts verzeigten Jugendlichen. Diese sind durchschnittlich 15,7 Jahre alt, zu 87,3 Prozent männlich und mehrheitlich nicht vorbestraft (55,8 Prozent).

Gewalt gegen andere Jugendliche

Bei jedem zweiten registrierten Vorfall handelte es sich um einen Einzeltäter, bei rund 40 Prozent der Vorfälle waren mindestens drei Beschuldigte involviert. Jugendgewalt spielte sich in zwei von fünf Fällen im öffentlichen Raum – auf der Strasse oder in Parks – ab, in jedem sechsten Fall an einer Schule und in rund zehn Prozent der Fälle Zuhause.

Zwei von fünf Vorfällen ereigneten sich am Tag, drei von zehn am Abend, jeder vierte Vorfall in der Nacht, wobei bei nächtlichen Vorfällen die Beteiligten meist älter waren. In über 40 Prozent der Fälle richtete sich die Gewalt gegen andere Jugendliche. Bei knapp jedem fünften Vorfall liess sich jedoch keine Beziehung zwischen der beschuldigten und der geschädigten Person nachweisen.

(som)