Statistik beweist

05. März 2014 12:42; Akt: 06.03.2014 09:59 Print

Mehr Unfälle wegen betrunkenen Velofahrern

Sie missachten das Vortrittsrecht, fahren freihändig oder betrunken: Bei jedem zweiten Velounfall in Zürich und Winterthur ist der Fahrradfahrer der Verursacher.

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Die Zahl der Velounfälle ist im letzten Jahr in Zürich und Winterthur angestiegen. Grund dafür ist unter anderem Velofahren in alkoholisiertem Zustand. (Bild: Keystone)

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Velofahrer in den zwei grössten Städten des Kantons Zürich leben gefährlich, wie aus der Verkehrsunfallstatistik 2013 hervorgeht. In Zürich gab es im letzten Jahr 361 Unfälle mit Fahrradbeteiligung, das sind drei Prozent mehr als 2012. Insbesondere die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten ist angestiegen. In Winterthur kletterte diese Zahl gar von 106 auf 125 (+15%). Damit liegt man laut Daniel Beckmann von der Winterthurer Stadtpolizei über dem Zehnjahresdurchschnitt von 120,6.

Dieser Anstieg hängt laut Beckmann mit dem Bilderbuchsommer zusammen, der viele auf das Zweirad lockte. Er betont aber auch, dass sich viele Velofahrer unverantwortlich verhalten würden. Bei jedem zweiten Unfall mit Velobeteiligung sei der Fahrradfahrer der Hauptverursacher gewesen. Häufig wurde laut Beckmann das Vortrittsrecht missachtet. Auch wegen «mangelhafter Bedienung des Fahrzeuges» – beispielsweise freihändigen Fahrens – kam es immer wieder zu Unfällen.

Unfälle wegen Alkohol

Bei jedem dritten von einem Velofahrer verursachten Unfall war zudem Alkohol im Spiel, so Beckmann. Nach dem Trinken auf das Auto zu verzichten, sei zwar gut – das Velo sollte man dann aber auch stehen lassen. «Wir werden deshalb an den Wochenenden Velofahrer verstärkt kontrollieren.»

Dass am Freitag und Samstag diese Art von Unfällen ansteigt, bestätigt auch Jan Ingold, Chef der Stadtzürcher Verkehrspolizei. Man werde deshalb die Zürcher Velofahrer vermehrt darauf aufmerksam machen, dass alkoholisiert Velo zu fahren, kein Kavaliersdelikt sei und teuer werden könne. «Wer mit über 0,5 Promille unterwegs ist, wird gebüsst.» Zusammen mit den Gebühren könne sich die Busse schnell mal auf ein paar 100 Franken belaufen.

Vorsicht vor Führerausweisentzug

Im Gegensatz zu den Autolenkern wird den Velofahrern aber nicht automatisch der Führerausweis entzogen – es sei denn, man vermutet ein Alkoholproblem, wie Ingold sagt: «Wenn wir jemanden wiederholt alkoholisiert antreffen oder jemand extrem hohe Promillewerte hat, wird das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung anordnen und dann entscheiden, ob der Velofahrer noch ein Auto lenken darf oder nicht.»

Dass Alkohol am Lenkrad ein Problem ist, bestätigt auch Dave Durner von Pro Velo: «Vielen Velofahrern ist wohl gar nicht bewusst, dass die Koordination stark leidet, wenn sie nach dem Ausgang nach Hause fahren.» Vor allem die Gefahr, sich selbst zu verletzen, sei gross. «Vielleicht könnte hier Prävention etwas bewirken.» Doch Durner begrüsst es auch, dass die Polizei vor Bussen nicht zurückschreckt.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Höisu am 05.03.2014 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    Wundert mich überhaupt nicht, wenn man täglich x-Mal sieht, wie sie bei rot über die Kreuzung fahren, eine Abkürzung hier, eine da...usw...eigentlich ein Wunder, passiert nicht mehr.

  • Marlis Keter, Zürich am 05.03.2014 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gestern

    Auf dem Heimweg mit dem Auto. Regen und dunkel. Velo bei rot über die Kreuzung ohne Licht und dunkel gekleidet. Lebensmüde, aber der Autofahrer ist ja immer der dumme.

  • Verkehr am 05.03.2014 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Aber zahlen muss der Autofahrer

    Schön bei jedem zweiten Unfall ist ein Fahrradfahrer schuld, doch die Autofahrer müssen zahlen. Was man in ZH teilweise erlebt im Verkehr kann man gar nicht mit Worten beschreiben. Es gibt zu viele Lebensmüde Fahrradfahrer welche keine Rücksicht nehmen. Die Rollerfahrer sind aber auch kein Dreck besser. Vorbei drängen, auf dem Trottoir fahren, vors Tram fahren ohne zu schauen und die Fussgänger müssen schauen wie sie den Rollerfahrer ausweichen können. Als Fussgänger in Winit ist man eine wandelnde Provokation für Autofahrer. So schlimm habe ich es noch nie erlebt wie dort.

Die neusten Leser-Kommentare

  • V. Eloziped am 06.03.2014 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, sicher nicht!

    Velofahrer sind doch über jeden Verdacht erhaben, sind oekologisch, fahren nie auf dem Trottoir, fahren nie bei rot über die Kreuzung, stellen ihre Göppel immer nur in die bereitgestellten Ständer und nicht an die Schaufensterscheiben und darum werden sie auch nie richtig kontrolliert und prinzipiell gilt doch: ist ein Auto oder ein Fussgänger involviert, dann sind diese à priori schuld? Wird endlich Zeit nicht nur Geld und Platz in das Velofahren zu investieren, sondern auch mal nach dem Rechten zu schauen

  • Peter Meier am 06.03.2014 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    nichts wird passieren

    wir stellen das nun zwar fest, doch "passieren" wird hier eh nichts. Zu gross ist die Lobby der Velofahrer und derjenigen die gerne einfach einmal wegschauen.

  • Rolf K am 06.03.2014 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Velo gewinnt.

    Mir ist eine Velofahrer ins parkierte Auto gefahren, erwischte die Kurve nicht. Dies geschah auf dem Spitalparkplatz. Er hat sich dabei verletzt, ich holte ein Arzt im Spital. War keine gute Idee, habe dann den Ausweis abgeben müssen wegen Fahrerflucht. Der Velofahrer gewinnt immer, auch wenn er schuld ist.

  • auvelot am 06.03.2014 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    50/50 

    jeder zweite, das sind 50%. rechtfertigt das ein shitstorm gegen velofahrer? genau so gut könnte man gegen die anderen 50% hetzen!

  • Sis am 06.03.2014 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uneinschaetzbare verkehrsteilnehmer 

    Velofahrer auf der strasse sind in den meisten fällen gefährlicher uneinschätzbaree als kinder auf m schulweg. Das hier hat nichts mit hetzen gegen velofahrer sondern mit tatsachen zu tun. Traurig aber wahr.