Adlikon ZH

21. April 2010 08:00; Akt: 26.04.2010 10:23 Print

Messerstich in den Nacken war versuchte Tötung

von Attila Szenogrady - In Adlikon hat ein 17-jähriger Schweizer einem anderen Jugendlichen mit einem Fleischermesser von hinten in den Nacken gestochen und schwer verletzt. Nun erhielt der Täter eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Hälfte davon soll er absitzen.

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Der blutige Vorfall ereignete sich am 6. Mai 2007 in Adlikon. Am Nachmittag hielten sich auf dem Vorplatz der Liegenschaft Steinstrasse 14 einige Jugendliche auf. Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Dielsdorf schwieg sich zum eigentlichen Tatmotiv aus. Fest steht, dass das Opfer gerade im Begriff war, eine SMS-Nachricht zu lesen, als sich der spätere Angeklagte mit einem Fleischermesser von hinten heranschlich.

Opfer lebensgefährlich verletzt

Offenbar war es vorher zu einem Streit gekommen. Sicher ist, dass der Schweizer türkischer Abstammung plötzlich von hinten zustach und dabei die Klinge durch eine Mütze tief in den Nacken des Geschädigten rammte. So stark, dass der vierte Halswirbel des Opfers brach und splitterte. Der lebensgefährlich verletzte Jugendliche hatte viel Glück und kam dank einer chirurgischen Notoperation mit dem Leben davon. Der Täter aus Adlikon verschwand darauf für mehrere Wochen in Untersuchungshaft.

In Dielsdorf in unentschuldigter Abwesenheit verurteilt

Im April 2009 wurde der zwischenzeitlich untergetauchte Angeklagte vom Bezirksgericht Dielsdorf in unentschuldigter Abwesenheit wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und weiteren Nebendelikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass sich der Messerstecher auch nach der Bluttat von Adlikon weitere Delikte geleistet hatte. Unter anderem war er laut Anklage im März 2008 an einem Raub im Zürcher Hauptbahnhof beteiligt.

Leiche Strafsenkung am Obergericht

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte im letzten März vor dem Zürcher Obergericht die Aufhebung des Schuldspruchs wegen Tötungsversuchs. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Oeffentlichkeit und Presse statt. Allerdings hatte eine Pressesprecherin im Vorfeld ausgeführt, dass der Verteidiger im Verfahren zur Messerattacke eine rechtfertigende Notwehrhilfe geltend gemacht habe. Der Berufungsprozess fand diesmal in Anwesenheit des inzwischen 20-jährigen Jugendlichen statt.

In seinem am Dienstag eröffneten Urteil hat das Obergericht die rechtliche Würdigung des Dielsdorfer Gerichts geschützt und den hinterhältigen Nackenstich ebenfalls als versuchte vorsätzliche Tötung eingestuft. Anders sah es bei der Strafzumessung aus. Im Rahmen einer leichten Senkung setzten die Oberrichter neu einen teilbedingten Freiheitsentzug von drei Jahren fest. Davon die Hälfte, also 18 Monate, unbedingt. 136 Tage hat der junge Täter bereits abgesessen. Die Probezeit wurde auf drei Jahre angesetzt. Der Angeklagte wurde verpflichtet, dem Opfer einen Schadenersatz von 1 774 Franken zu bezahlen. Zudem ein Schmerzensgeld von 10 000 Franken.