Grüningen ZH

13. Dezember 2011 08:01; Akt: 12.12.2011 19:01 Print

Mieterschreck kommt billiger davon

von Atilla Szenogrady - Ein Mieterschreck hat in Grüningen die Wohnung eines säumigen Mieters ausgeräumt und dessen Gegenstände für rund 300 000 Franken eigenmächtig entsorgt.

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In seinem nun eröffneten Urteil hat das Zürcher Obergericht einen langjährigen Immobilienverwalter aus dem Zürcher Oberland wegen Sachentziehung, Hausfriedensbruchs sowie Übertretung des Planungs- und Baugesetzes für schuldig befunden. Demnach hatte der heute 44-jährige Hausbesitzer im Herbst 2004 in Grüningen illegal die Fünf-Zimmer-Wohnung eines säumigen Mieters geräumt. Der Beschuldigte nutzte dabei die längere Abwesenheit des Schuldners aus und liess seinen gesamten Hausrat für rund 300 000 Franken entsorgen. Darunter befanden sich nicht nur Möbelstücke, Geschirr und elektronische Geräte, sondern auch Bücher, Schmuckstücke und Souvenirs, wie eine wertvolle Taschenuhr eines Grossvaters. Die Übetretung des Baugesetzes betraf Abbrucharbeiten einer Zürcher Liegenschaft. Dabei hatte der Angeklagte Umweltvorschriften missachtet, wobei giftige Asbestbeläge freigesetzt und unsachgemäss abtransportiert wurden. Zudem waren die Arbeiter nicht mit den vorgeschriebenen Personenschutzausrüstungen zu Werke gegangen.

Hohe Geldstrafe am Bezirksgericht Zürich

Im Januar 2011 musste sich der nicht geständige Unternehmer zuerst am Bezirksgericht Zürich verantworten. Der Angeschuldigte machte geltend, dass er von einem unangemeldeten Wegzug des verschwundenen Mieters ausgegangen sei. Bei den Asbestvergehen schob er die Verantwortung auf die Hauseigentümer ab. Allerdings ohne Erfolg. Die Staatsanwaltschaft, welche den Beschuldigten ungeschminkt als klassischen Mieterschreck bezeichnet hatte, setzte sich durch. Der Zürcher Oberländer erhielt eine happige Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 300 Franken sowie 3000 Franken Busse. Da er eine Vorstrafe auf dem Kerbholz hatte, setzte das Gericht die hohe Sanktion von insgesamt 54 000 Franken unbedingt fest.

Deutlich mildere Strafe

Kürzlich wehrte sich der Angeklagte in einem Berufungsprozess vor dem Zürcher Obergericht gegen den erstinstanzlichen Entscheid. Bei den Schuldpunkten mit einem Teilerfolg. So wurde er vom Vorwurf des Vergehens gegen das Unfallversicherungsgesetz neu freigesprochen. Zudem stuften die Oberrichter die unbedingte Geldstrafe für die bestätigten Schuldpunkte offensichtlich als zu streng ein. Es setzte neu eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse von 3000 Franken fest. Allerdings wurde der Immobilienverwalter verpflichtet, dem Geschädigten grundsätzlich Schadenersatz zu leisten. Über die genaue Höhe soll ein Zivilgericht entscheiden. Zudem soll er seinem früheren Mieter eine Prozessentschädigung von 5620 entrichten. Nicht zuletzt wurden dem Unternehmer drei Viertel sämtlicher Gerichtskosten von rund 10 000 Franken auferlegt. Im Gegenzug erhält er für seine Teilerfolge in der Berufung eine reduzierte Prozessentschädigung von 6000 Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kapitän Iglu am 13.12.2011 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    NUR!

    Also ich bezahle Miete und der kann einfach meine Sachen ausräumen und sie verkaufen, wie es ihm passt und bekommt eine Geldstrafe von 54'000.-? Das nenne ich denn Kuscheljustiz! Hausfriedensbruch 3 Jahre Gefängnis, Diebstahl, Verletzung der Privatsphäre (Verfassungsart. 13), Vertragsbruch! Der müsste mindestens 5 Jahre ins Gefängnis, meiner Meinung nach! Die ersten 36 Artikel der Bundesverfassung sind "unantastbar", also Grundrechte! Der muss mindestens die 300'000.- bezahlen und 5 Jahre Gefängnis! Typisch Schweiz, die Richter hier sind alle nicht ganz bei Trost, wie die Staatsanwälte!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kapitän Iglu am 13.12.2011 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    NUR!

    Also ich bezahle Miete und der kann einfach meine Sachen ausräumen und sie verkaufen, wie es ihm passt und bekommt eine Geldstrafe von 54'000.-? Das nenne ich denn Kuscheljustiz! Hausfriedensbruch 3 Jahre Gefängnis, Diebstahl, Verletzung der Privatsphäre (Verfassungsart. 13), Vertragsbruch! Der müsste mindestens 5 Jahre ins Gefängnis, meiner Meinung nach! Die ersten 36 Artikel der Bundesverfassung sind "unantastbar", also Grundrechte! Der muss mindestens die 300'000.- bezahlen und 5 Jahre Gefängnis! Typisch Schweiz, die Richter hier sind alle nicht ganz bei Trost, wie die Staatsanwälte!

    • Tim B. am 14.12.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      Unqualifizierter Kommentar

      @Iglu: der Mieter hat die Miete NICHT bezahlt ("säumiger Mieter"). Also war ER der Auslöser für die Tat mit einem ebenfalls unkorrekten Verhalten. In der Schweiz u. v.a. in Zürich ist das Mietrecht stark sozialistisch geprägt, Mienomaden bzw. säumige Mieter werden z.T. noch geschützt bzw. sind nicht so leicht loszuwerden. Und es ist für den Hausbesitzer mit erheblichen (Un-) Kosten verbunden! Also informieren Sie sich zuerst bevor Sie solch unqualifizierte Pauschal-Beschimpfungen loslassen.

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