Versicherungsbetrug

06. August 2015 09:24; Akt: 06.08.2015 14:45 Print

Millionärssohn (19) liess seinen Ferrari abfackeln

Weil er unbedingt einen neuen Ferrari wollte, liess er seinen alten in Deutschland anzünden. Nun wurde Nidal B. aus der Region Zürich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Es war ein ausgeklügelter Plan eines Sohnes eines schwerreichen Unternehmers aus der Region Zürich, der sich am Mittwoch vor dem Gericht in Augsburg wegen Brandstiftung verantworten musste. Auf der Anklagebank sassen auch seine drei 20- bis 30-jährigen Komplizen, die ebenfalls aus dem Grossraum Zürich stammen.

Alles begann im März 2014, als der 19-jährige Nidal B.* für 240'000 Franken einen drei Jahre alten Ferrari kaufte. Doch ein halbes Jahr später kam ein neues Modell heraus. «Das wollte ich unbedingt haben», zitierte die «Bild»-Zeitung den Schweizer vor Gericht. Allerdings hätte er für seinen alten Wagen nur noch 190'000 Franken gekriegt – ein zu grosser Verlust. Ein befreundeter Autohändler hatte ihm deshalb den Trick mit dem Versicherungsbetrug empfohlen.

Behörden vermuteten zuerst Abrechnung im Milieu

Der Autohändler organisierte gleich die Brandstifter, einer arbeitete bei ihm in der Garage. Weil sie fanden, dass die Brandstiftung im Ausland weniger auffällt, fuhren sie getrennt nach Augsburg. Sie parkierten den Ferrari 458 Italia in einem Industriegebiet, damit der Angeklagte ein Alibi hatte. B. besuchte mit Kollegen das benachbarte Bordell, während die zwei Helfer den schwarzen Sportwagen anzündeten. Er explodierte mit einem lauten Knall. Davor hatte der Angeklagte noch die teuren Spezialfelgen und Carbonteile entfernt. 15'000 Franken gab er seinen Mittätern für die Tat.

Zuerst vermuteten die Behörden in der bayrischen Stadt eine Abrechnung im Milieu. Doch dank abgehörten Telefongesprächen und Aufnahmen von Überwachungskameras stiessen sie schnell auf die vier Schweizer. Sie waren sofort geständig, wurden alle festgenommen und nach Augsburg gebracht. Der 19-Jährige wurde jedoch bald aus der U-Haft entlassen, da er eine Kaution von 200'000 Euro hinterlegte.

Finanzielle Lage des Anklagten ist bestens

Vor Gericht sagte der Schulabbrecher, dass er von seinem Vater, in dessen Immobilienfirma er arbeitet, pro Monat 5000 bis 10'000 Franken erhalte. Zudem habe ihm der Vater aus Angst vor der Erbschaftssteuer Häuser im Wert von 27 Millionen Franken überschrieben. Dem Angeklagten gehören zudem 15 Autos, darunter ein Lamborghini, die alle sein Vater bezahlte. Trotzdem behauptete der Millionärssohn vor Gericht, dass seine Liquidität zum Zeitpunkt der Tat nicht gut gewesen sei. Er habe seinem Vater nicht plausibel machen können, dass ihn der alte Ferrari bereits langweilte.

Die Staatsanwaltschaft forderte darum für den 19-Jährigen drei Jahre Gefängnis und für seine Komplizen zweieinhalb Jahre. Die Richterin entschied sich jedoch nur für Bewährungsstrafen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Der nicht vorbestrafte 19-Jährige bekam ein Jahr und zehn Monate, zudem muss er 30'000 Euro spenden. Die anderen drei erhielten 14 bis 16 Monate auf Bewährung. Alle vier dürfen in die Schweiz zurückkehren.

*Name bekannt

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dario am 06.08.2015 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    VerzoGen

    Diese Probleme möchte man haben: " Der alte Ferrari hat mich gelangweilt und meine 14 anderen Autos sind auch nicht toll genug". Habe Respekt vor Menschen die sich selber etwas erarbeitet haben, doch die Nachkommen sind meistens verzogen.

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  • John am 06.08.2015 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Würde ich das mit meinem Ford machen, würde Ich ein paar Jahre im Knast landen oder locker 100'000.- Bussgeld hinblättern...

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  • Paul am 06.08.2015 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Verzogen..

    Das die Familie den Sohn so verzieht ist traurig. Belohnungen sind ja in Ordnung aber 11 richtig teure Autos mit 19 ist einfach nicht angemessen. Der Sohn soll auch erstmal was leisten bevor er was bekommt. Ich gönne ihm seinen Reichtum auch aber er sollte sich auch mal Gedanken über seinen egoismus machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nationless am 08.08.2015 00:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unlogisch

    Da versteht ihr den verzogenen Millionärssohn nicht aber eine Erbschaftsteuer wolltet ihr auch nicht obwohl es die Wenigsten betroffen hätte oder doch nicht? Was wäre an einer Erbschaftssteuer so schlecht? Doppelbesteuerung nein Danke? Sache der Kantone? Die schaffen es gerade ab bis zum Ruin. Eine Erbschaftssteuer hätte sogar solche Exzesse auch nicht verhindert. Zum Verständnis würde ich aber bei einem selbstaufgebauten Familienunternehmen oder ein Haus zur Selbstbenutzung oder eben u 2 Mio von einer Erbschaftssteuer absehen.

  • Radaumann am 07.08.2015 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsames Urteil

    Frage, wie kann eine Richterin für dieses Delikt eine Bewährungsstrafe aussprechen? Da kommen doch jedem Bürger komische Gedanken in Sinn.

  • Aktenzeichen XY am 06.08.2015 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Polizei rät!

    Wie kann man als Sohn eines Untehrnemers der (mehr) als der schweizerische Durchnitssbürger, verdient, so unzufrieden sein,mit einer vorsätzlichen Straftat zu glänzen versuchen, und den noch allenernstens Glauben man kämme damit durch.Und das die Polizei ( im Ausland sowiso) sich so ohne weiteres an der Nase herum führen lässt

  • Snake Dundee$ am 06.08.2015 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vor Gericht sind alle gleich...

    ...aber manche sind gleicher! Ich währe wohl die vollen drei Jahre in den Knast gegangen, weil sie mir neben versuchtem Versicherungsbetruges auch noch Gefährdung des Lebens untergejubelt hätten, mit meinem Pflichtverteidiger dank dem geringen Anwaltsbudgets!

  • Sparschwein am 06.08.2015 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gspart

    30'000.- Busse, sein verlust wäre beim verkaufen 50'000.- gewesen... 20.000.- haben oder nicht :)

    • Kühler Rechner am 06.08.2015 20:58 Report Diesen Beitrag melden

      Rechnen ist Glückssache

      Von wegen gespart. Rechnet man die 190'000.- für den Wagen noch ein, sind es minus 220'000.- !!!

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