Bezirksgericht Zürich

26. März 2018 17:34; Akt: 11.06.2019 14:41 Print

Kind auf WC missbraucht – Täter muss 9 Jahre in Haft

Ein 29-Jähriger hat mehrere Mädchen sexuell missbraucht – unter anderem eine 8-Jährige. Jetzt hat ihn ein Zürcher Gericht verurteilt.

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Der 29-jährige Schweizer, der unter anderem drei Mädchen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren sexuell missbraucht hat, muss ins Gefängnis. Das Zürcher Bezirksgericht hat den Mann mit pädophilen Neigungen am Montag zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren verurteilt.

Der Vorfall vom November 2015 sorgte für Aufsehen: Ein unbekannter Mann folgte in der Zürcher Bäckeranlage einem 8-jährigen Mädchen auf die Toilette. Dort versperrte er dem Kind den Ausgang und zwang es zu sexuellen Handlungen.

Er liess erst von seinem Opfer ab, als dessen Mutter die Toilettenanlage betrat und ihre Tochter um Hilfe schreien hörte. Der Beschuldigte klemmte der Mutter, die ihn festhalten wollte, den Arm in der Tür ein und konnte so entkommen.

Auf Heimweg verfolgt

Die Öffentlichkeitsfahndung mitsamt Fahndungsbild versetzte damals viele Eltern in der Stadt in Angst und Schrecken. Denn erst wenige Tage zuvor hatte der Mann vergeblich versucht, ein 10-jähriges Mädchen in einen Keller zu ziehen.

Dieses Vorhaben gelang ihm dann schliesslich im März 2016: Er verfolgte ein Mädchen auf dessen Heimweg, stiess es in den Keller und verging sich dort auf brutalste Weise an ihm.

Der Staatsanwalt, der eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren forderte, sprach in seinem Plädoyer von perfiden und skrupellosen Taten, «die ein Schaudern auslösen».


«Unberechenbar und gefährlich»

Er war davon überzeugt, dass die Polizei einen Serientäter geschnappt hatte - auch weitere Opfer könnten nicht ausgeschlossen werden. Für ihn war klar: Wäre der Mann noch auf freiem Fuss, dann hätte er diese «übelsten Sexualstraftaten in der Stadt Zürich wohl fortgesetzt».

Er bezeichnete den 29-Jährigen als einen höchst unberechenbaren und gefährlichen Sexualstraftäter mit einer hohen Rückfallgefahr. «Er zeigt weder echte Reue noch Einsicht und gegenüber den Opfern keine Empathie», sagte er. Der Mann habe zudem nie ein Geständnis aus freien Stücken abgelegt, sondern nur auf Anraten seines Verteidigers.

Der Mann, der gemäss Gutachten eine Neigung zu Pädophilie hat, sprach hingegen von «spontanen und dummen Aktionen», die er zutiefst bereue. Er hasse Gewalt. Deshalb habe er versucht, so sanft wie möglich zu sein, habe mit seinen Opfern gesprochen - laut Staatsanwaltschaft sagte er dabei Dinge wie «Es geht schneller vorbei, wenn du dich nicht wehrst» - und sich auch entschuldigt.

Er habe einen riesigen Fehler begangen und sei überzeugt, es nie wieder zu tun. «Ich weiss, dass ich nicht rückfällig werde», beteuerte er vor Gericht. Sein Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Mann muss 9 Jahre ins Gefängnis

Das Gericht verurteilte ihn schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren - die 739 Tage, die er bereits im Gefängnis sitzt, werden angerechnet. Ausserdem muss er eine Busse von 500 Franken bezahlen und im Gefängnis eine ambulante Therapie absolvieren.

Das Gericht befand ihn unter anderem wegen mehrfacher teilweise versuchter sexueller Nötigung, mehrfacher teilweise versuchter sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfachen Diebstahls und einfacher Körperverletzung schuldig - wie auch wegen des Besitzes von Kinderpornografie.

Ausserdem verurteilte es ihn wegen Schändung. Für das Gericht war klar, dass der heute 29-Jährige nicht einvernehmlichen Sex mit seiner damals 16-jährigen Kollegin hatte.

Dabei nutzte er deren Schläfrigkeit aus. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft ging das Gericht aber nicht davon aus, dass er sie zuvor betäubt hatte. Er selbst sprach von einvernehmlichem Sex und beteuerte vergeblich, er hätte seiner «sehr guten Kollegin» nie so etwas antun können.

(mon/sda)