Frauen tyrannisiert

28. Februar 2014 10:13; Akt: 28.02.2014 11:03 Print

Mit 18 schon Zuhälter – mit 19 bereits verurteilt

von Attila Szenogrady - Ein jugendlicher Zuhälter hat zwei Frauen mit Schlägen und Drohungen brutal in die Prostitution gezwungen. Nun hat ihn das Gericht zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

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Das Bezirksgericht Zürich. (Bild: Keystone)

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Es war im Frühjahr 2013, als sich der damals erst 18-jährige Beschuldigte entschloss, künftig als Zuhälter zu arbeiten. Er sollte der jüngste Zuhälter der Schweiz werden. Der deutsche Staatsangehörige arabischer Abstammung richtete sich dabei in der Wohnung seines Bruders in Wallisellen ein. Dort nahm er innerhalb von wenigen Wochen zwei 25-jährige Frauen auf und überredete sie, für ihn als Prostituierte Geld zu verdienen.

Geschlagen, beschimpft und bespuckt

Die beiden Geschädigten bemerkten zu spät, dass sie sich einem schlagfreudigen Tyrannen anvertraut hatten. Die beiden Frauen boten ihre Liebesdienste für Freier nicht nur in der Wohnung in Wallisellen, sondern auch in einem Zürcher Erotik-Club an. Dabei mussten sie alles verdiente Geld ihrem «Beschützer» abgeben. Auch ihre Ausweispapiere.

Der junge Mann hat immer wieder die beiden Frauen beschimpft, bespuckt und zusammengeschlagen. Er drohte ihnen auch, sie aus der Wohnung in Wallisellen zu werfen, falls sie zu wenig verdienen würden. Zudem unterwarf er sie einer rigorosen Kontrolle und schrieb ihnen vor, wie viel Geld sie zu verlangen hätten. Laut Staatsanwältin Silvia Steiner hatten beide Opfer Angst vor ihm und schätzten ihn wohl auch als wesentlich älter ein.

Verhaftet und angeklagt

Am 25. Juli 2013 war das Mass für die beiden Frauen voll. Sie fassten Mut und zeigten ihren Peiniger bei der Polizei an. Dieser wurde in Wallisellen festgenommen und sitzt seither im Gefängnis.

Am Donnerstag stand der mittlerweile 19-jährige Jugendliche vor dem Bezirksgericht Zürich und musste wegen Förderung der Prostitution sowie Tätlichkeiten mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren rechnen. Sechs Monate davon unbedingt.

Bei der Befragung zur Person kam heraus, dass der Beschuldigte seit seiner Verhaftung mehrere Schicksalsschläge erlitten hat. So ist nicht nur sein Vater, sondern auch sein Grossvater inzwischen verstorben. Zudem stellte ein Gefängnisarzt eine ernsthafte Herzkrankheit beim jungen Häftling fest. «Ich will ein neues Leben beginnen», führte er vor den Schranken aus. Allerdings zeigte er kaum Reue und zerfloss vielmehr in Selbstmitleid. Dabei wich er der zentralen Frage, weshalb er die Frauen geschlagen und bespuckt habe, wiederholt aus. Bis er zum Schluss den Kokainkonsum der Geschädigten dafür verantwortlich machte.

Baldige Haftentlassung

Die Verteidigung opponierte zwar nicht gegen die Schuldsprüche, verlangte jedoch mit sechs Monaten bedingt eine wesentlich mildere Freiheitsstrafe und damit auch die sofortige Haftentlassung ihres Klienten. Die Rechtsanwältin führte aus, dass ihr unreifer Mandant innerhalb eines kurzen Tatzeitraums gehandelt habe.

Das Gericht setzte zum Schluss eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten fest. Sieben Monate davon unbedingt. Wobei der Beschuldigte 217 Tage abgesessen hat und deshalb die baldige Haftentlassung ansteht. «Sie sind nun erwachsen», warnte ihn die Gerichtsvorsitzende Kathrin Bretschger vor einem Rückfall. So seien Jugendstrafen des Zuhälters straferhöhend in das Urteil eingeflossen, sein umfassendes Geständnis strafmindernd. Das Verschulden wiege aber keineswegs leicht, erklärte Bretschger und verwies auf den massiven Zwang, den er auf die Geschädigten ausgeübt habe.